HANDWERK

Restaurierung: Neuer Glanz für alte Hattinger Balken

Holzbildhauerin aus Leidenschaft: Katharina Bock bei den Fassadenarbeiten am Geschäftshaus Obermarkt 13.

Foto: Fotos: Fischer

Holzbildhauerin aus Leidenschaft: Katharina Bock bei den Fassadenarbeiten am Geschäftshaus Obermarkt 13.

Hattingen.   Holzbildhauerin Katharina Bock (50) restauriert ein Hattinger Fachwerkhaus. Sie arbeitet die alten Schnitzereien wieder heraus - bis auf einige.

Das Wetter spielt Katharina Bock heute in die Karten. Es ist nicht zu heiß, und es regnet auch nicht wie vor etlichen Tagen, als sie ihre Arbeiten an der Fassade des Geschäftshauses am Obermarkt 13 schon mal vorzeitig beenden musste. Hier und jetzt dagegen kommt die 50-Jährige gut voran, an nur noch eineinhalb Eichenbalken braucht sie die teils stark verwitterte Struktur der Blätter an der Fassade wieder herausarbeiten. Bis Freitag will sie das geschafft haben. Der Fries kommt in einem zweiten Arbeitsabschnitt im Frühjahr 2019 dran. Katharina Bock setzt ihr Schnitzeisen an und hämmert es mit ihrem Knüpfel ins Holz . . .

Ein paar Passanten bleiben stehen, blicken bewundernd auf die Fassade, die die Holzbildhauern aus Dortmund bereits seit Anfang August aufhübscht. „Es ist wirklich bemerkenswert, wie ruhig und liebenswert sie das alles macht“, lobt Peter Wichlein. Und seine Frau Katrin fügt hinzu: „Toll, dass auf diese Weise Altes erhalten bleibt.“

Schnitzen mit eigener Handschrift

Das findet auch Jürgen Uphues, Denkmalpfleger der Stadt Hattingen. „Wenn die Restaurierungsarbeiten hier abgeschlossen sind, dann haben wir ein besonders schönes Haus in der Altstadt mehr“, sagt er. Dabei sei eine Fassen-Restaurierung am Obermarkt 13 zunächst eigentlich gar nicht vorgesehen gewesen, der Hausbesitzer habe lediglich Schäden am Ständerwerk ausbessern lassen wollen. Als sich dabei herausstellte, dass einige Balken der Fassade zu faulen begannen, entschloss er sich für die komplette Fassaden-Instandsetzung, erzählt Uphues.

Katharina Bock freut’s. „Im Ruhrgebiet gibt es nicht so häufig Häuser mit solchen geschnitzten Verzierungen“, sagt sie. Am Obermarkt 13 aber kann die Frau mit 25-jähriger Berufserfahrung zeigen, was sie besonders gern macht; und gut. Und das auch für die Öffentlichkeit deutlich erkennbar. Zuvor hat sie in Hattingen schon Holztüren restauriert; und zuletzt den – von der Straße aus nicht sichtbaren – historischen Giebel einer Villa an der Bahnhofstraße.

Arbeit mit verschiedenen Materialien

Katharina Bock setzt erneut ihr Schnitzeisen an. Und während sich dieser Prozess in den nächsten Minuten noch etliche Male wiederholt, erzählt sie, dass sie durchaus mit verschiedenen Materialien arbeite. So hat sie aus Styropor bereits Riesenfiguren für den Karneval in Mainz hergestellt, ebenso Bühnenplastiken. Mit Holz allerdings, Eiche im Besonderen, zu arbeiten, so wie jetzt, sei für einen Holzbildhauer „einfach super. Dieses Material lässt sich nämlich sehr präzise bearbeiten.“

Und kunstvoll überarbeiten mit der ihr eigenen Handschrift. Nachzuprüfen am Obermarkt.

>>> Das Haus am Obermarkt 13

Das Haus am Obermarkt 13 wurde um 1800 gebaut, es steht als Zeugnis historischen Bauens und seiner baulichen Entwicklung unter Denkmalschutz.

Die Inschrift über dem Eingang aus dem Jahr 1939 aus „Mein Kampf“ ist bewusst geschwärzt. Sie wird im Zuge der Arbeiten auch nicht herausgearbeitet, bleibt aber aufgrund des Denkmalschutzes erhalten.

Leserkommentare (0) Kommentar schreiben
    Aus der Rubrik