SCHULE

Rat der Grundschullehrer will die Schulbezirksgrenzen zurück

Wenn es nach dem Willen des Personalrates der Grundschullehrer im Ennepe-Ruhr-Kreis geht, sollen Erst- bis Viertklässler künftig wieder ausschließlich in ihrem Schulbezirk beschult werden können.

Wenn es nach dem Willen des Personalrates der Grundschullehrer im Ennepe-Ruhr-Kreis geht, sollen Erst- bis Viertklässler künftig wieder ausschließlich in ihrem Schulbezirk beschult werden können.

Foto: Peter Steffen / dpa

Hattingen .  Der Personalrat der Grundschullehrer im Kreis sieht den Konkurrenzkampf um neue Schüler kritisch. Was Pädagoginnen vor Ort und die Stadt sagen.

Für die Wiedereinführung der Schulbezirksgrenzen macht sich der Personalrat der Grundschullehrer im Ennepe-Ruhr-Kreis stark. In einem Antrag an Hattingens heute tagende Stadtverordnetenversammlung bittet er „alle im Rat vertretenen Fraktionen sowie die Verwaltung um Beratung dieses Themas“.

Die Schulbezirksgrenzen, die festlegten, welche Grundschule ein Kind besuchen darf (Motto: „Kurze Beine, kurze Wege“), hatte die damalige schwarz-gelbe Landesregierung zum Schuljahr 2008/2009 abgeschafft – um Eltern Wahlfreiheit bei der Schulwahl zu ermöglichen. Inzwischen indes kann eine Kommune als Schulträger solche Grenzen wieder einführen (allerdings dürfen Kinder aus anderen Bezirken jetzt nur dann abgelehnt werden, wenn kein wichtiger Grund für den Wechsel besteht).

Außendarstellung einer Schule oft wichtiger als die pädagogische Arbeit

Die Aufhebung der Schulbezirksgrenzen habe dazu geführt, dass im Konkurrenzkampf um neue Schüler „die Außendarstellung einer Schule oft wichtiger erscheint als unsere pädagogische Arbeit“, sagt die Personalratsvorsitzende Sabine Bruzek. „Dabei ist es doch die Beziehung zwischen Lehrer und Schüler, die das Lernen ausmacht.“ Weitere Argumente zur Wiedereinführung der Schulbezirksgrenzen seien: eine größere Planbarkeit für die Schulträger bei der Verteilung der Grundschüler; die Vermeidung von Brennpunktschulen; die Förderung des sozialen Zusammenhaltes der Kinder in ihrem Wohnviertel.

Für grundsätzlich gut hält Tanja Tönshoff, Leiterin der Erik-Nölting-Grundschule, den Vorstoß des Personalrates der Grundschullehrer im EN-Kreis – insbesondere, weil so garantiert werde, dass Grundschüler zu Fuß zur Schule gehen können; und wegen der größeren Sozialkontakte mit Kindern im selben Viertel. Allerdings schränkt sie ein: Kinder, die eine Grundschule außerhalb ihres Stadtteiles besuchen, kenne sie in Hattingen nur vereinzelt; Schultourismus gebe es hier so nicht.

Ähnlich äußert sich Barbara Bickert-Brenneken. Letztlich, so die Leiterin der Grundschule Oberwinzerfeld, gebe es zumindest für Hattingen „wichtigere Themen“.

Stadt: „Erforderliche Rechtsverordnung bisher nicht geplant“

Und was sagt die Stadt? Seitens der Verwaltung, heißt es aus der Pressestelle, sei eine für die Wiedereinführung der Schulbezirksgrenzen „erforderliche Rechtsverordnung bisher nicht geplant“. Den Ratsmitgliedern empfiehlt die Verwaltung für heute derweil, den Antrag des Kreis-Personalrates der Grundschullehrer „ohne eine Empfehlung an den Schulausschuss weiterzugeben“.

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