Schnäppchen

Rabatte und Nachhaltigkeit: Black Friday und Kauf-Nix-Tag

Die Händler locken zum Rabatt-Tag „Black Friday“ mit Schnäppchen. Der Gegenentwurf ist der „Kauf-nichts-Tag“.

Die Händler locken zum Rabatt-Tag „Black Friday“ mit Schnäppchen. Der Gegenentwurf ist der „Kauf-nichts-Tag“.

Foto: Bodo Marks / dpa

Hattingen.  Die Händler locken am Black Friday mit hohen Rabatten. Der Kauf-Nix-Tag setzt auf Konsumverzicht. Lydia Heuser beschreibt ihre Erfahrungen.

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Die Welt ist aktuell wieder im Kaufrausch – heute locken unzählige Händler am so genannten „Black Friday“ mit Sonderangeboten. Auch in Hattingen werden seit Tagen in zahlreichen Geschäften Rabatte angeboten. Neben dem „Black Friday“ will sich aber auch ein anderer Tag etablieren: Der so genannte „Kauf-Nix-Tag“ steht als Gegenentwurf zum Shopping-Rausch. Lydia Heuser hat sich mit beiden Tagen befasst. Hier sind ihre Erfahrungen zwischen Nachhaltigkeit und Schnäppchenwahn:

Geschäfte locken mit Rabattaktionen

Das Weihnachtsgeschäft ist längt eingeläutet. Parfümerien, Modeboutiquen und andere Einzelhandelsgeschäfte locken dieser Tage mit Rabattaktionen. Der „Black Friday“, der aus den USA nach Deutschland rübergeschwappt ist und traditionell nach Thanksgiving (dem Erntedankfest) stattfindet, reicht auch hierzulande nicht mehr aus, es muss schon eine „Black Week“, also eine ganze Woche sein. Zusätzlich bombardieren die Internethändler ihre potenziellen Kunden mit Werbung.

Ich finde solche E-Mails nervig, auch bei TV-Werbung schalte ich um. Vor den Versuchungen glaube ich, gefeit zu sein. Und überhaupt überlege ich mir grundsätzlich drei Mal, ob ich dieses oder jenes wirklich brauche. Bevor ich mir eine neue Jeans kaufe, muss eine alte kaputtgehen. Und bevor ich die wegschmeiße, nutze ich sie für den nächsten Renovierungstag. Erst wenn sie eingerissen und farbbekleckst ist, kommt sie weg.

Pseudo-Shopping statt Schnäppchenjagd

Klar, gehe ich gerne in die Stadt und bummle, aber ich kaufe selten etwas. Mit einer Freundin habe ich, als wir noch arme Studentinnen waren, den Begriff des „Pseudo-Shoppings“ geprägt. Ein Shopping-Tag bestand dann aus Schaufenster-Bummeln. Wenn etwas besonders gefiel, haben wir es auch anprobiert. Meist hat das gereicht, damit sich Ernüchterung breit machte und das Kleidungsstück nicht mehr interessant war. Und wenn doch, dann sparten wir darauf.

Kauf-Nichts-Tag wirbt für Konsumverzicht

Die Gegenbewegung zum Black Friday – der so genannten „Kauf-Nix-Tag“ – ist mir deshalb sehr viel sympathischer. Der wurde 1992 vom Künstler Ted Dave im kanadischen Vancouver initiiert und ruft zum 24-stündigen Konsumverzicht auf. In Nordamerika fällt der „Buy-Nothing-Day“ auf den „Black Friday“, in Europa wird er einen Tag später, dieses Jahr am Samstag, 29. November, begangen.

Einen Tag nichts kaufen. Was soll das bringen? Dann geht man eben einen Tag vorher oder danach auf Schnäppchenjagd – könnte man sagen. Doch ein Tag bewusster Verzicht, bewegt zum kritischen Hinterfragen des eigenen Konsumverhaltens, das kann jeder bestätigen, der es einmal ausprobiert hat.

Werbebotschaft kommt an

Und obwohl mir der Gedanke sehr gefällt, gerate ausgerechnet ich in die Fänge der Internetwerbung. Nein, eigentlich fängt alles mit einem papierenen Brief an; darin der Hinweis, dass es diese Woche zehn Prozent Rabatt auf Sportbekleidung in meinem Lieblings-Outlet-Onlineversandhaus gibt. Schon da haben sie mich, wie ich zu meiner Schande gestehen muss.

Ein Teil landet schnell im Einkaufswagen. Noch 20 Euro bis zum kostenfreien Versand. Okay, was brauche ich noch? Eigentlich nichts, das weiß ich. Aber ich bin im Kaufrausch. Wow, 70 Prozent Rabatt für ein Wintertrikot. Schwarz oder rot?

Schaufenster-Bummel statt Online-Shopping

Und als ich so auf dieses und jenes Produkt klicke, fällt mir ein, dass ich ja auch noch bei anderen Online-Händlern schauen könnte. Vielleicht haben die noch bessere Angebote? Also das gleiche Spiel von vorn. Und siehe da, ein Blick auf die Uhr zeigt mir, dass ich schon zwei Stunden vorm Rechner hocke. Ist es das wert? Nein, finde ich. Dann lieber ein Schaufenster-Bummel mit der besten Freundin.

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