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Ober- und Untermarkt in Hattingen sind untrennbar verbunden

Obermarkt in Hattingen um 1910 mit Pissoir.

Obermarkt in Hattingen um 1910 mit Pissoir.

Foto: Stadtarchiv Hattingen

Hattingen.  Das Marktleben in Hattingen hat historisch einen Ort: den Ober- und Untermarkt. Dazu gibt es viele Anekdoten: Vom Affenfelsen bis zur Markthalle.

Historisch ist der Untermarkt mit dem Obermarkt untrennbar verbunden. Denn beide zusammen bildeten den Marktplatz Hattingens. Nicht nur örtlichen Handwerkern und Händlern diente der Untermarkt damit als Einzelhandels- und Kornmarkt, sondern auch den Kirchspielbauern.

Reisende Händler boten hier „Kram“ an wie Gewürze, Gürtel, Täschchen, Beutel, Spiegel, Kämme, Nadeln, Schnüre, Brillen oder „Glas-, Pott- und Duppenträger“. Töpferwaren waren in Hattingen besonders begehrt, sie kamen aus Siegburg und Frechen.

Wochenmarkt an jedem Dienstag

Märkte waren eine gute Einnahmequelle, mussten die Händler schließlich Marktgebühren und Akzisezahlungen leisten. Der Landesherr verlieh am 20. Juli 1435 Stadt und Kirchspiel einen „freien Wochenmarkt an jedem Dienstag und vier freie Jahrmärkte zu vier Zeiten des Jahres“. Der Dienstag ist bis heute der Markttag in Hattingen geblieben, auch wenn der Markt längst nicht mehr am Unter- und Obermarkt abgehalten wird.

Das Haus am Obermarkt mit einem Eingang an der Kleinen Weilstraße war einst Verlagshaus der ersten Hattinger Zeitung und Stammhaus der Familie Hundt, die über vier Generationen eine der bedeutendsten Druckereien der Region führte, gegründet 1837. Während des Ersten Weltkrieges erlangt ein Fenster des Verlagshauses Berühmtheit. Aus dem so genannten „historischen Eckfenster“ im ersten Stock verkündete ein Redakteur täglich die aktuellsten Meldungen von der Front.

Pissoir am Obermarkt

1905 war es, als am Obermarkt das erste öffentlich Pissoir aufgebaut wurde – natürlich nur für Männer. Vor dem Eingang leuchtete eine neue Laterne den Herren den Weg zur Erleichterung. Das Pissoir erschien damals angesichts von 50 Gast- und Schankwirtschaften eine gute Idee. Es hatte aber bereits in den 1920er Jahren wieder ausgedient.

Als die Fußgängerzone eingerichtet wurde, entstand am Obermarkt da, wo einst das Pissoir war, eine lange Sitzplastik mit der Optik von geschichteten Steinblöcken, die flackernden Gaslaternen wichen elektrischen Kugelleuchten. Die Sitzplastik bekam 1970 ihren Spitznamen weg – Affenfelsen. Denn in der örtlichen Presse wurde als Aprilscherz eine Fotomontage veröffentlicht. Darauf zu sehen: Affen, die sich auf der Sitzbank tummeln.

Vom Affenfelsen zum Treidelbrunnen

Der Treidelbrunnen kam dann 1988 auf den Obermarkt. Geschaffen hat ihn Bonifatius Stirnberg aus Aachen. Er symbolisiert die Bedeutung der Ruhr als Transportweg für die Kohle. 2017 lud Dr. Karl Adamek die Bürger hier zur Auftaktveranstaltung des „Sing-Café international“ ein.

In den 1970er Jahren entstanden übrigens auf dem Untermarkt die drei Neubauten im Altstadt-Look, in denen heute auch Duo-Optik sitzt. Die Händler hier bemühen sich noch heute um Kunden, beispielsweise mit der Aktion „Untermarkt & Friends“. Auf dem Untermarkt, dessen berühmtestes Gebäude sicher das Alte Rathaus ist, das einst eine Markthalle für den Fleischverkauf war, fanden im Laufe der Zeit auch immer wieder Kundgebungen beispielsweise am Tag der Arbeit statt. Während der Nazi-Zeit sprach hier der Reichskanzler über die Aufbaumaßnahmen im ersten Jahresabschnitt des Vierjahresplanes, der 1936 startete.

Durch die Straßenbahn wurde es damals hektischer am Obermarkt für die Fußgänger. Im Zuge übrigens der 440.000 Deutsche Mark teuren Neupflasterung der Fußgängerzone zwischen Augusta- und Große Weilstraße im Jahr 1998 erweiterte die Stadt die Fläche rund um den Treidelbrunnen um 100 auf 170 Quadratmeter. Ein Dreieck aus Sandsteinrinnen fasste den Obermarkt nun ein.

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