Pogromnacht

Neue Form des Gedenkens an Hattinger Holocaust-Opfer

Gedenken an Opfer der Reichspogromnacht: Kim, Paula und Nina, Klasse 10b Realschule Grünstraße, zeigten, wie man Ausgrenzung begegnen kann

Foto: Volker Speckenwirth

Gedenken an Opfer der Reichspogromnacht: Kim, Paula und Nina, Klasse 10b Realschule Grünstraße, zeigten, wie man Ausgrenzung begegnen kann Foto: Volker Speckenwirth

Hattingen.  Zum Jahrestag der Reichspogromnacht gab es ein berührendes Programm. Bürgermeister Dirk Glaser hat den Ablauf der Veranstaltung geändert.

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Neuer Ort, neues Programm der Veranstaltung zum Gedenken an die Opfer der Reichspogromnacht auf Initiative von Bürgermeister Dirk Glaser: Erstmals gab es das Erinnern statt am Synagogenplatz an der lauten August-Bebel-Straße im Alten Rathaus mit berührenden Worten, Texten und einer Inszenierung von drei Schülerinnen der Realschule Grünstraße.

Voll war es am gestrigen Donnerstag im Alten Rathaus, als Glaser an das erinnerte, was Stadtarchivar Thomas Weiß recherchiert hat: Vor aller Augen wurden in der Nazi-Zeit 24 Juden aus Hattingen in drei Transporten deportiert – wohl nur sechs überlebten. Glaser mahnte, dass Antisemitismus nicht mit dem Dritten Reich untergegangen sei. Der Hattinger Autor Hellmut Lemmer las lyrische Texte von drei jungen, ermordeten Juden.

Persönliche Einblicke

Mit sehr persönlichen Einblicken in sein Leben berührte Gonrad Grünstein von der Jüdische Gemeinde Bochum, Herne, Hattingen. Er zeigte auf, welche Spuren die Massenvernichtung auf den Seelen der Mitglieder unterschiedlicher Generationen seiner Familie hinterlassen hat. Von seinen Eltern noch bekam er eine Ohrfeige, weil er bei den Pfadfindern vorbeischaute – und von dort eine Fackel mitbrachte. „Heute geht meine Enkeltochter, die in Hattingen wohnt, mit einer Laterne beim St.-Martins-Zug mit. Für meine Eltern war die Fackel eine Flamme der Dunkelheit, für meine Enkelin ist das Licht eine Flamme der Helle“, blickte er positiv in die Zukunft. Und er verwies mit Blick auf Ernst Bloch darauf: „Heimat ist, was man aus Heimat macht.“

Die Schülerinnen zeigten eine Ausgrenzungsszene – und dass es Menschen braucht, die sich auf die Seite der Schwachen schlagen. Marianne Franzen erinnerte an das Aufstellen des Denksteins Hattingen vor 30 Jahren. Trotz aller Neuerungen: Nach der Veranstaltung ging es noch zum Synagogenplatz zur Kranzniederlegung – hier erklang dann die Trompete von Peter Lodenkämper.

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