Großeinsatz

Mehrere Gäste kollabiert: Swingerclub mit 300 Gästen geräumt

Unmittelbar vor dem Swingerclub im Steinenhaus an der Stadtgrenze Hattingen/Witten: Die Polizei sperrt am Samstagabend (2.11.) die Straße.

Unmittelbar vor dem Swingerclub im Steinenhaus an der Stadtgrenze Hattingen/Witten: Die Polizei sperrt am Samstagabend (2.11.) die Straße.

Foto: Walter Fischer / FUNKE Foto Services

Witten/Hattingen.  Die Feuerwehr hat am Samstag einen Hattinger Swingerclub evakuiert – es bestand Kohlenmonoxid-Verdacht. 300 Gäste mussten das Gebäude verlassen.

So hatten sich die Gäste den Abend nicht vorgestellt. Mit einer Räumung des Gebäudes endet am Samstag (2.11.) abrupt der Spaß für über 300 Besucher des Swingerclubs an der Stadtgrenze Hattingen/Witten. Kohlenmonoxid-Verdacht! Mehrere Personen sollen kollabiert sein, elf Menschen kommen mit dem Verdacht auf eine CO-Vergiftung ins Krankenhaus.

Um 21.22 Uhr werden die Helfer alarmiert. Die Feuerwehr Hattingen rückt aus und dringt mit vier Trupps unter Atemschutz in das Haus an der Wittener Straße/Ecke Im Hammertal ein. Zunächst ist man von bis zu 500 Besuchern ausgegangen. Diese Angaben werden im Laufe des Abends korrigiert.

Swingerclub: Feuerwehr mit vielen Krankenwagen vor Ort

Die Feuerwehr bringt die Menschen in Linienbussen zu einem Sammelplatz, der an Haus Kemnade errichtet wird. In dem vor sechs Jahren eröffneten Swingerclub erfolgen Messungen. Noch am späten Abend spricht die Feuerwehr von einem unklaren Lagebild. „Es gab keine Explosion, kein Feuer“, heißt es aus der Leitstelle der Feuerwehr im EN-Kreis.

Die Feuerwehr Witten ist mit ihrem Rettungsdienst an dem Einsatz beteiligt. Unzählige Krankenwagen werden vor Ort bereitgehalten.

Swingerclub: Nach Mitternacht dürfen Gäste ihre Sachen holen

Erst nach Mitternacht dürfen die Clubgäste zurück ins Gebäude, um ihre Sachen und vor allem ihre Kleidung zu holen. „Es ist freigemessen“, teilt ein Feuerwehrmann mit. Soll heißen: keine Gefahr mehr. Es wurden keine Schadstoffe in der Luft gemessen. Dass Stunden zuvor trotzdem CO-Alarm ausgelöst wurde, hält die Feuerwehr für gerechtfertigt.

Nach Angaben von Besuchern waren zwei Gäste umgekippt, die zunächst normal rettungsdienstlich behandelt wurden.

Weil sie offenbar Symptome wie Übelkeit, Kopfschmerzen und Schwindel aufwiesen, die auch typisch für eine Kohlenmonoxid-Vergiftung sein können, und die CO-Warnmelder der Sanitäter anschlugen, wurde Alarm gegeben, der den Großeinsatz zur Folge hatte.

Hattinger Feuerwehrsprecher rechtfertigt Großeinsatz

„Es gab mehrere Anzeichen die auf einen Sachverhalt wie Kohlenmonoxid hingewiesen haben“, sagt der Hattinger Feuerwehrsprecher Jens Herkströter. „Deshalb war das oberste Gebot, die Leute aus dem Gebäude rauszuholen.“ CO sei ein tückisches Gas, das man weder schmecke noch riechen könne. Bestätigt sieht sich der 42-Jährige auch deshalb, weil anschließend noch weitere Personen kollabiert seien und am Ende elf Menschen ins Krankenhaus mussten. Eine der Rettungskräfte, die zuerst vor Ort waren, habe ebenfalls Symptome gezeigt.

Jedenfalls überschlugen sich die Ereignisse nach der Alarmierung. Die in das Gebäude vorrückenden Feuerwehrmänner fordern die Besucher auf, das Gebäude sofort zu verlassen. „Raus, raus!“ rufen sie. Hunderte spärlich oder sogar völlig unbekleidete Menschen rennen auf die Straße. Zufällig steht dort an der Haltestelle neben der Aral-Tankstelle ein Linienbus, der die Ersten aufnimmt. Notdürftig können sie sich mit Decken schützen.

Überall flackert Blaulicht, Polizei hat Straße gesperrt

„Man dachte wohl erst, die beiden, die umgekippt sind, hätten Drogen genommen“, sagt ein Paar aus Belgien, das nach Mitternacht die Heimreise antritt. Die blonde junge Frau und ihr dunkelhaariger Begleiter wollen auch etwas von einer Behandlung mit einem Defibrillator wissen.

Immer noch flackert überall Blaulicht, selbst als nach 24 Uhr schon Entwarnung gegeben worden ist. Polizisten haben die Straße „Im Hammertal“ unmittelbar vor dem Club gesperrt. Sie stehen auch auf der Kreuzung an der Aral-Tankstelle. Immer mehr Menschen verlassen das Haus, eine Tasche in der Hand, und eilen zu ihren Autos.

„Wir waren gerade hochgegangen, um draußen eine zu rauchen“, sagt ein Pärchen, „als die Feuerwehr kam und sagte, wir müssen raus.“ Von einem Arzt seien sie auf mögliche Symptome einer Kohlenmonoxidvergiftung untersucht worden. Jetzt, Stunden später, können sie endlich nach Hause, nach Paderborn. Insgesamt sollen 200 Personen untersucht worden sein. Die anderen hatten sich offenbar bereits entfernt.

An diesem Abend ist es sehr voll im Club: Lichtbänder-Party

Stefan und Josi aus Gummersbach waren eine der Ersten, die das Club-Gebäude überstürzt verlassen mussten und so noch einen Platz in dem Bus ergatterten. Sie hielten sich gerade im Barbereich auf, als die Feuerwehr kam. Viele andere hätten draußen vor dem Bus gestanden. „Wie soll das gehen, ein Bus für 300 Leute?“ fragen sie. Später sei noch ein zweiter Bus hinzugekommen, um die Besucher zur Sammelstelle an Haus Kemnade zu bringen, so die Feuerwehr.

„Es war sehr voll an diesem Abend“, sagen Stefan und Josi, die beiden aus dem Oberbergischen. Es sollte eine „Leuchtbänder-Party“ in dem Swingerclub im Steinenhaus geben. Dafür kamen die Gäste von überall her. Manche sind am Ende dieses Abends auch „stinkig“ – weil ihnen der Clubeintritt nach diesem bisher noch nie dagewesenen Vorfall nicht erstattet worden sei, weil sie sich zumindest anfangs nicht gut genug versorgt gefühlt hätten. Doch letztendlich sind wohl alle froh, dass nicht mehr passiert ist.

Clubbesitzer muss Ursachenforschung betreiben

Nun müsse der Clubbesitzer Ursachenforschung betreiben, sagt Feuerwehrsprecher Jens Herkströter. Auch Schornsteinfeger und Versorgungsunternehmen hätten nichts gefunden, was den Zustand der elf betroffenen Personen erklärt, die ins Krankenhaus kamen.

Die Kriminalpolizei war vor Ort und sichtete die Räume. Ob Ermittlungen zu dem Vorfall aufgenommen werden, wird nach Angaben eines Polizeisprechers am Montag entschieden, heißt es seitens der Deutschen Presse-Agentur.

Die zum Teil weit angereisten Gäste dürften diesen Abend jedenfalls nicht so schnell vergessen – auch wenn sie nicht auf ihre Kosten gekommen sind.

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