Orgeltage

Matthias Nagel spielt Popsongs auf der Orgel in Hattingen

An der Grundaussage eines Songs orientiert sich Organist Matthias Nagel. „Das muss nicht notengetreu sein“, sagt er. Foto:Uwe Möller

An der Grundaussage eines Songs orientiert sich Organist Matthias Nagel. „Das muss nicht notengetreu sein“, sagt er. Foto:Uwe Möller

Hattingen.   Kirchenmusiker lässt das Instrument zum Auftakt der Roetzel-Orgeltage in St. Georg grooven. Im Konzert interpretiert er auch geistliche Musik.

Zum Auftakt der Roetzel-Orgeltage stellte Matthias Nagel in St. Georg ein Konzertprogramm mit neuen geistlichen Liedern vor und verband Popularmusik und Kirchenorgel. Eine Orgel kann nicht grooven? Der Kirchenmusiker beweist in seinen Interpretationen das Gegenteil.

Vieles an diesem Abend klingt bekannt und doch wieder anders. Sehr deutlich wird das beim bekannten Gospel „Komm sag es allen weiter“. Aparte gedämpfte Klangfarben zaubert Matthias Nagel an der Orgel, prägnante Rhythmen charakterisieren die Melodie in ihrem kraftvollen Fluss. Und doch wirkt das Ganze auch ein wenig flippig, das bekannte Kirchenlied in Nagels Improvisation ein bisschen wie ein Hippiesong.

Auch einen Klassiker der Kirchenmusik wie Johann Pachelbel kommentiert Nagel in seinem ureigenen Stil in der „Waltz für Pachelbel“. Die langsamen, getragenen Akkorde nehmen einen innig-warmen Charakter an. Eine sehr rhythmisch geprägte Variation entsteht, als Nagel über diese Choralbearbeitung mit souveränem Spiel einen abgehackten Walzertakt in Strawinsky-Manier legt und in verfremdeten Harmonien farbenreich ausschattiert, dramatische Akzente runden das Klangbild ab. Optische Reflexe wie Lichtwechsel von gedämpftem Rot zu fahlem Grün unterstreichen das ungewohnte Klangerlebnis.

Leicht und unaufdringlich

Durch starke harmonische Spannungen und rhythmische Figuren verändert Nagels Improvisation auch den Charakter des Chorals „Von guten Mächten“, bevor das Kirchenlied in eine sieghaft flutende Hymne einmündet.

Die Improvisation über das Lied „Ich möcht, dass einer mit mir geht“ bezaubert durch die ungeahnte Leichtigkeit von Nagels Orgelspiel. Unaufdringlich und doch präsent entfalten sich die Klänge, helle und warm überhauchte Lichtstrahlen huschen über diese Melodie, die zunehmend neckischer klingt.

Rockballaden als Vorbild

Nicht nur Kirchenlieder aus unterschiedlichen Epochen kommentiert Nagel sehr individuell, sondern auch Original-Popsongs wie Eric Claptons „Tears in Heaven“. „Ich orientiere mich bei meinen Improvisationen am Spirit, an der Grundaussage des Songs, das muss dann nicht notengetreu sein,“ erzählt Nagel. „Ist die fröhlich, lasse ich mich von Pop, Rock oder auch Samba inspirieren. Ist sie kontemplativ, sind Rockballaden oder Rhythm and Blues ein Vorbild.“

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