Gericht

Mann aus Hattingen schlägt im Streit eine Busscheibe ein

Weil er die Scheibe eines Busses eingeschlagen und einen Schlagring bestellt hat, ist ein Mann in Hattingen angeklagt.

Weil er die Scheibe eines Busses eingeschlagen und einen Schlagring bestellt hat, ist ein Mann in Hattingen angeklagt.

Foto: MÜLLER, Oliver / WAZ FotoPool

Hattingen.  In Hattingen schlägt ein Mann im Streit die Scheibe eines Busses ein. Außerdem bestellt er einen Schlagring im Internet. Was der Richter sagt.

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200 Euro bringt ein wegen Sachbeschädigung und Verstoß gegen das Waffengesetz angeklagter 20-Jähriger aus Hattingen gleich mit in den Gerichtssaal – um einen Teil des Schadens zu begleichen. Eine Busfensterscheibe soll er im April 2019 am Busbahnhof eingeschlagen haben.

In Streit soll der Mann aus Hattingen mit einem weiteren Mann geraten sein, der in den Bus stieg. Beide stritten offenbar durch die Busfensterscheibe. Der Kontrahent im Bus soll dann mit dem Notfallhammer auf die Scheibe geschlagen haben. Daraufhin soll der Beschuldigte mit der Faust ein Loch in die Scheibe geschlagen haben.

Am Busbahnhof in Hattingen schlägt ein Mann die Scheibe eines Busses ein

Hier erkannte das Gericht lediglich eine versuchte Sachbeschädigung. Oder, wie es Verteidiger Tim Salewski ausdrückt, „die Scheibe war ja schon kaputt, das war ein untauglicher Versuch“.

Schlimmer als die Sachbeschädigung wiegt dann auch für die Vertreterin der Staatsanwaltschaft, dass sich der Beschuldigte in China einen Schlagring bestellt hatte. Das flog auf, weil das Paket bei der Einfuhr überprüft wurde. Der Beschuldigte gibt an, sich er habe sich „den Schlagring an die Wand hängen“ wollen. Unglaubwürdig findet die Staatsanwältin das – besonders, weil er bereits wegen Verstoßes gegen das Waffengesetz und wegen gefährlicher Körperverletzung vor Gericht gestanden hatte.

Jugendgerichtshelfer in Hattingen setzt sich für Freizeitarrest des Beschuldigten ein

Jugendgerichtshelfer Thomas Behr zeigt die Vita des Beschuldigten auf, der bis heute bei seiner Pflegefamilie lebt, auch psychische Probleme gehabt haben soll. Darum sei Jugendstrafrecht anwendbar. Aber: Der junge Mann sei schon in erheblichem Maße in Erscheinung getreten, habe soeben ein beim letzten Urteil verhängtes Anti-Aggressionstraining begonnen. „Wir sind an einem Punkt, wo er bald erwachsen ist. Ich kann nicht die Hand dafür ins Feuer legen, dass er hier nicht wieder auftaucht.“ Freizeitarreste schlägt er vor, um dem bald 21-Jährigen vor Augen zu führen, dass er diesen Weg nicht weitergehen solle.

„Vom Fall her hätte das hier schnell erledigt sein können. Das ist eine schnell erzählte Geschichte und sie sind geständig. Aber Sie sind ein guter Bekannter hier. Für die nimmt man sich mehr Zeit“, sagt Richter Dr. Christian Amann. Er redet dem Mann ins Gewissen, keinen Alkohol mehr zu trinken, da er ja wisse, dass er dann die Kontrolle verliere. Das Urteil: ein Freizeitarrest, 200 Euro Zahlung ans Busunternehmen, 60 Arbeitsstunden in zwei Monaten, Nachweis des regelmäßigen Schulbesuchs bis Mitte 2020 und Anbindung an die Suchthilfe für sechs Monate. „Sie haben die Karten in der Hand.“

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