Literatur

Lebendige Lesung: Eine Familiengeschichte und der Glaube

Die erste Lesung im neuen Jahr in der Stadtbibliothek: Husch Josten stellte am Donnerstagabend ihr Buch „Land sehen“ vor.

Die erste Lesung im neuen Jahr in der Stadtbibliothek: Husch Josten stellte am Donnerstagabend ihr Buch „Land sehen“ vor.

Foto: Manfred Sander

Hattingen.   Zum Auftakt für „Literatur im Carré 2019“ in der Hattinger Stadtbibliothek präsentiert Autorin Husch Josten ihr Buch „Land sehen“.

„Land sehen“ heißt das fünfte Buch von Husch Josten, das die Autorin in einer lebendigen Lesung mit angeregter Diskussion in der Stadtbibliothek vorstellte. Mitveranstalter war die Evangelische Erwachsenenbildung des Ennepe-Ruhr-Kreises.

Was passiert, wenn zwei Charaktere aufeinandertreffen, die sich sehr mögen, aber kontroverse Lebensanschauungen haben? „Diese Frage hat mich fasziniert und auf die Idee zu diesem Buch gebracht“, sagt Husch Josten. „Warum sprechen wir eigentlich selbst mit sehr nahestehenden Menschen nie über den Glauben?“

Der Ich-Erzähler und sein Patenonkel

Jostens Roman „Land sehen“ greift genau dieses Thema auf. Literaturprofessor Horand Roth von der Universität Bonn mit dem Spitznamen Hora beschreibt als Ich-Erzähler sein Verhältnis zu seinem Paten­onkel Georg, einem durch und durch liberalen Lebenskünstler, den er liebt und bewundert. Und gerade dieser Paradiesvogel in der gut bildungsbürgerlichen Gesellschaft von Hamburg meldet sich nach vielen meist im Ausland verbrachten Jahren der Funkstille wieder bei Hora – und ist Mönch geworden. Nicht etwa in einem liberalen Orden, sondern bei den aufgrund ihrer ultrakonser­vativen Haltung umstrittenen Pius-Brüdern.

Die Annäherung der beiden erfolgt zunächst zögerlich. Hora macht sich mit Hilfe von alten Fotos auf die Spurensuche nach der Persönlichkeit von Georg – oder Bruder Athanasius, wie er jetzt heißt. Und dieser erweist sich nach wie vor als sympathischer Lebemann. Am Grab von Horas Eltern jedoch kommt der Priester zum Vorschein, der Hora zum Gebet auffordert. Und jetzt kommt auch die Frage nach Horas Glauben und Gottesverständnis. Aber Georg durchbricht das Schema der zunächst sehr akademisch geführten Diskussion, was nach dem Tod komme, denn er möchte Hora nicht überzeugen, sondern verstehen. Und Georg offenbart sich als ein zeit seines Lebens Suchender. Trotzdem kommt Hora seinem Onkel, der gerade ein Kloster in der Eifel restauriert, nicht so recht auf die Spur.

Knapp und spannend erzählte Stimmungsbilder und psychologische Studien prägen diese anspruchsvolle Familiengeschichte, die sich mit den ewigen Fragen des Lebens befasst, die uns alle angehen.

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