Masern

Kindertagesstätten in Hattingen empfehlen die Masern-Impfung

Ob Impfungen gegen Masern verbindlich vorgeschrieben werden sollen, wird aktuell bundesweit diskutiert.

Ob Impfungen gegen Masern verbindlich vorgeschrieben werden sollen, wird aktuell bundesweit diskutiert.

Foto: Lukas Schulze

Hattingen.  Eine Umfrage bei Trägern zeigt: Bedingung für einen Kita-Besuch ist die Immunisierung nicht. Allerdings weist man auf die Solidarleistung hin.

„Eine Impfpflicht gibt es bei uns nicht“, sagt Andrea Zielmann, Leiterin der Elterninitiative „Wolkenzimmerhaus“. „Eltern müssen uns das Impfbuch vorlegen.“ Gebe es einen Fall von Masern, der aber in den letzten Jahren nicht aufgetreten sei, müssten nicht geimpfte Kinder vier Wochen zu Hause bleiben. Das sei aber keine individuelle Entscheidung, sondern Vorschrift des Gesundheitsamtes.

Bundesweit wird diskutiert, ob Kinder, die eine Gemeinschaftseinrichtung wie Kita oder Schule besuchen, grundsätzlich gegen Masern geimpft sein sollten. In Essen führte der erste Kita-Träger eine Impfpflicht ein. „Eine Masern-Impfung als Kriterium für die Platzvergabe finde ich schwierig und sehe das nicht als Option für uns“, sagt Heike Wallis-van der Heide, bei der Awo zuständig für die Kindertagesstätten. Auch einer generellen Impfpflicht steht die Arbeiterwohlfahrt kritisch gegenüber: „Ich würde immer auf Überzeugung bauen“, so Wallis-Van der Heide. „Beim Aufnahmegespräch raten wir aber dazu, den Impf-Empfehlungen nachzukommen.“

Die Stadt Hattingen gibt keine Stellungnahme zum Thema ab, da sie nur die Gebäude zur Verfügung stellt, so Pressesprecher Thomas Griesohn-Pflieger. Das Gesundheitsamt richtet sich bei seinen Empfehlungen nach den Vorgaben der ständigen Impfkommission, so Ingo Niemann, Pressesprecher der Kreisverwaltung.

Gesundheitsämter sollten Impfpläne erstellen

Wäre ein Aufnahmeverbot in der Schule überhaupt möglich angesichts der Schulpflicht? „Da keine Impfpflicht besteht, gibt es keine Grundlage, Kinder generell und ohne Krankheitsgeschehen vom Unterricht auszuschließen“, sagt Niemann. „Anders sieht es natürlich aus, wenn in Schulen Infektionskrankheiten wie Masern auftreten. Dann können und werden Personen ,anlassbezogen’ und zeitlich begrenzt vom Besuch der Einrichtung ausgeschlossen.

Nach Ansicht der Gesamtschulleiterin Elke Neumann sollen sich erst Politiker den Kopf zerbrechen. „Danach müssten Handlungsanweisungen und Impfpläne in Abstimmung mit den Gesundheitsämtern erstellt werden. Die Umsetzung stelle ich mir nicht einfach vor.“ Fachleute sollten ihrer Ansicht nach entscheiden, „ob die Bedrohung für die Gesundheit tatsächlich flächendeckend so akut ist, dass ein Eingreifen erforderlich wird“.

Impfberatung in Anspruch nehmen

„Wir respektieren die individuelle Entscheidung der Eltern“, sagt Birgit Crone, Geschäftsführerin beim Trägerverbund evangelischer Kindertageseinrichtungen im Kirchenkreis. Erfreulicherweise sei nur ein geringer Teil der derzeitigen Kita-Kinder nicht gegen Masern geimpft. „Wir sehen aber gleichzeitig, dass eine Impfung auch eine Solidarleistung ist, um eine Masernepidemie vermeiden zu können“, sagt Crone. Sie habe Verständnis für die Sorge um mögliche Impfschäden. „Aber die Schäden durch eine Erkrankung sind ungleich größer. Letztlich ist es eine Frage des Abwägens.“

Nach Auskunft von Susanne Sobotta, Leiterin der katholischen Einrichtung St. Christophorus, erhalten Eltern bereits zur Aufnahme den Hinweis, eine Impfberatung bei ihrem Kinderarzt in Anspruch zu nehmen – „oder unsere Eltern haben diese Beratung bereits absolviert und legen eine entsprechende Bescheinigung vor“.

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