Ruhrtalbahn

Keine Fahrer: Tour mit Schienenbus der Ruhrtalbahn fällt aus

Lokführer der ersten Stunde: Sönke Windelschmidt sitzt regelmäßig im Führerstand des Schienenbusses. Aber auch er ist an diesem Wochenende leider verhindert.

Lokführer der ersten Stunde: Sönke Windelschmidt sitzt regelmäßig im Führerstand des Schienenbusses. Aber auch er ist an diesem Wochenende leider verhindert.

Foto: Foto: Gero Helm/ Archiv

Hattingen.   Die Ruhrtalbahn GmbH muss die Touren an diesem Wochenende aus Personalmangel absagen. Im nächsten Jahr soll sich die Situation bessern.

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Goldener Oktober im Ruhrtal – aber der Nostalgiezug fährt am Wochenende nicht. Denn der Schienenbus findet keinen Fahrer.

Tatsächlich ist die Ruhrtalbahn, die die Strecke zwischen Hattingen und Hagen seit einem Jahr in Eigenregie betreibt, ohne das Eisenbahnmuseum Bochum-Dahlhausen auf Ehrenamtliche angewiesen. Und ausgerechnet jetzt, kurz vorm Saisonende, steht kein Personal für die Fahrten zur Verfügung – „krankheits- und urlaubsbedingt“, wie Geschäftsführer Stefan Tigges bedauert.

Ehrenamtlicher Betrieb

Immer schwerer werde es, den Betrieb aufrechtzuerhalten, gibt der Münsteraner unumwunden zu. Die Idee sei es, mit möglichst geringem Personal- und Mitteleinsatz einen schönen nostalgischen Eisenbahnverkehr zu fahren. „Dabei sind die Fahrer ehrenamtlich gegen eine kleine Aufwandsentschädigung im Einsatz. Und dies unter professionellen Bedingungen und bei Anforderungen, die die Ruhrtalbahn insgesamt nur noch mit zunehmender Mühe erfüllen kann“, sagt Tigges.

Und fügt hinzu: „Dafür läuft der Verkehr erstaunlich gut, aber manchmal erreicht das Modell seine Grenzen.“ Wie eben am kommenden Wochenende. Mangels Fahrer müssen die Fahrten am morgigen Samstag und am Sonntag (13./14. Oktober) ausfallen, am Samstag zwischen Hagen und Hattingen, am Sonntag zwischen Witten und Hattingen.

Nur noch fünf Fahrer einsetzbar

„Eigentlich haben wir viele Fahrer im Pool“, sagt der 52-Jährige. Doch inzwischen seien die Zulassungsvoraussetzungen derart hoch, dass man nur noch fünf Fahrer einsetzen könne. Sie müssten unzählige Nachweise erbringen, um überhaupt auf dem Führerstand stehen zu dürfen. „Die EU hat das dramatisch angezogen. Die Anforderungen an die Museumsbahnen sind dieselben wie an die Deutsche Bahn oder Abellio. Das macht uns unheimlich zu schaffen“, sagt Stefan Tigges.

Aktuell werde eine neue Kollegin zur „Triebfahrzeugführerin“ ausgebildet, die dann im nächsten Jahr hauptberuflich fahren wird. „Dann sind wir wieder besser aufgestellt“, sagt der Münsteraner. Er hofft, dass es dann im 14. Jahr mit der Ruhrtalbahn weitergeht. Denn 2019 steht die Vertragsverlängerung mit dem Zuschussgeber an, dem EN-Kreis und der Stadt Hagen. Sie fördern den Oldie-Zug mit jährlich 100 000 Euro. Der aktuelle Vertrag läuft in diesem Jahr aus. Bei den Verhandlungen werde es eher um „kleinere Angebotsanpassungen“ gehen, etwa, wie viele Fahrten an Freitagen oder Feiertagen angeboten werden oder ob der „Teckel“ weiter gefahren wird. Damit ist die Strecke von Herdecke nach Ennepetal gemeint.

Wirtschaftswunderzug zu Nikolaus

Ende 2017 endete die Zusammenarbeit mit dem Eisenbahnmuseum Bochum-Dahlhausen, mit dem die Ruhrtalbahn gemeinsam betrieben wurde. Das Museum war ausgestiegen, weil es Streit ums Geld gegeben hatte. Es ging gerade darum, wie viel das Museum für seine Dampfzugfahrten bekommt.

Der Ruhrtalbahn GmbH von Stefan Tigges sind nach der Trennung der Uerdinger Schienenbus mit dem auffälligen Lila und gelegentliche Fahrten mit dem „Wirtschaftswunderzug“ der Hammer Eisenbahnfreunde geblieben. Mit diesem Oldie-Zug aus den Fünfziger und Sechziger Jahren geht’s zu Nikolaus (8./9. Dezember ab Hattingen) wieder durchs idyllische Ruhrtal, dann bis Wetter-Wengern-Ost. Einsteigen bitte und Türen schließen!

>>>Ruhrtalbahn und Museum gehen getrennte Wege

Der Schienenbus der Ruhrtalbahn GmbH, Baujahr 1960, fährt wieder am 19. und 21. Oktober (Freitag und Sonntag) von Hattingen nach Hagen (Freitag) beziehungsweise von Hattingen nach Witten (Sonntag). Hin- und Rückfahrttickets kosten für Erwachsene 20 Euro. Angeboten werden zwei (freitags) bzw. drei Fahrten. Die genauen Fahrpläne findet man auf www.ruhrtalbahn.de.

Das Eisenbahnmuseum Bochum ist auf der früheren Strecke der Ruhrtalbahn unterwegs, zwischen dem Museum in Dahlhausen und Wetter-Wengern-Ost. In diesem Jahr gibt es noch Nikolausfahrten mit einer Diesellok, Baujahr 1962, jeweils vier am 1. und 2. Dezember. Tickets
(Hin/Rück) kosten 15 Euro,
Fahrpläne gibt’s auf www.eisenbahnmuseum-bochum.de.

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