Nachtschnittchen

Kabarettisten im Weichnachtsstress

Das Publikum amüsierte sich prächtig bei den letzten Nachtschnittchen des Jahres mit Kabarettistinnen und Kabarettisten in der Museumsgastronomie. Foto:Biene Hagel

Das Publikum amüsierte sich prächtig bei den letzten Nachtschnittchen des Jahres mit Kabarettistinnen und Kabarettisten in der Museumsgastronomie. Foto:Biene Hagel

Hattingen.   Thomas Schreckenberger, Duo Thekentratsch, Moses W., Sabine Domogala und Helmut Sanftenschneider begeistern bei letzten Nachtschnittchen 2017

Helmut Sanftenschneider führte durch die gut besuchte und letzte Hattinger Ausgabe der Nachtschnittchen in diesem Jahr. Der Kleinkunstabend der Sparkasse fand im Henrichs statt, dem Restaurant im LWL-Industriemuseum. Drei Männer und drei Frauen standen auf der Bühne, die zum Finale ein Feuerwerk abfeuerten: Thomas Schreckenberger, das Duo Thekentratsch, Moses W., Sabine Domogala und Sanftenschneider.

Helmut Sanftenschneider brachte mit seinem Song Ester die Sommerstimmung zurück. Er widmete ihn den Damen im Saal. „Eigentlich ist er auch für alle anderen.“

Kinskis Geist in Merkels Körper

„Ich spüre, wo Hilfe nötig ist, und das noch vor den Betroffenen“, betonte Sabine Domogala, die schrägtste Therapeutin Deutschlands. „Denn für verdruckstes Rumschlumpfen habe ich einen Blick.“ Auch im Alltag. Sie sei für die Menschen da. Im Bus berate und lobe sie ungefragt den Fahrer. Oder sie provoziere ihn, falls nötig, damit er sorgenfrei seinen Fahrplan einhalten kann. Beispiele: „Sie haben aber geschickt den Radfahrer ausgebremst.“ Oder: „Müssen wir wirklich für jeden Gast halten? Für Obstabteilungen in Supermärkten rate sie zu mehr Umarmungen. „Jeder, der eine Mandarine drückt, der sucht Kontakt.“

Thomas Schreckenberger stellte klar: „Bei Kabarett wird man mit dem Alter besser. Das ist wie bei den Stones, auch wenn Auftritte der Band mittlerweile an Körperwelten mit Gesang erinnern.“ Doch selbst bei seiner Oma stelle er im Alter eine gewisse Gewieftheit fest. „Sie hat einem Enkeltrickbetrüger 1000 Euro abgequatscht.“ Schreckenbergers Steckenpferd ist aber das politische Kabarett. In seinem Auftritt ließ er Jamaika scheitern, weil Klaus Kinskis Geist in Merkels Körper gefahren ist. Frauke Petrys Ausstieg aus der AfD könne er nachvollziehen: „Sie muss ja erst mal schauen, dass ihr Kind etwas Rechtes wird.“

Moses W. konnte nicht darüber hinwegtäuschen: Der Weihnachtsstress hat jeden gepackt. „Das liegt vor allem daran, dass Frauen sich einfach nicht über ein Geschenk freuen“, kritisierte er. „Nein, sie interpretieren es.“ Außerdem „schreiben Frauen keinen Wunschzettel, sie senden Zeichen.“

Den Abschluss bildete das Duo Thekentratsch: die Becker und Frau Sierp, zwei Halbschwestern, die sich von ganzem Herzen hassen. Die eine ein emotionales Atomkraftwerk mit Rissen im Reaktor, die andere mit dem Esprit einer abgelaufenen Schlaftablette.

Dem Ehepaar Wolfgang und Irmgard Jung gefiel der Abend richtig gut. „Am liebsten mag ich bitterböse Politsatire“, sagte Wolfgang Jung.

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