Einzelhandel

Jürgen Schwiese verkauft sein Kaufhaus in Hattingen

Einzelhändler mit Leidenschaft: Jürgen Schwiese engagiert sich für den Standort Hattingen, hier bei einer Diskussionsrunde über die Zukunft der verkaufsoffenen Sonntage im Juli 2018.

Einzelhändler mit Leidenschaft: Jürgen Schwiese engagiert sich für den Standort Hattingen, hier bei einer Diskussionsrunde über die Zukunft der verkaufsoffenen Sonntage im Juli 2018.

Foto: Manfred Sander / FFS

Hattingen.  Nach der Insolvenz von Miller & Monroe trennt sich der Unternehmer von der Immobilie in Hattingen. In den Standort hat er viel Herzblut gesteckt.

Das Kaufhaus Schwiese an der Heggerstraße 43 gibt es schon seit 2007 nicht mehr. Sein Engagement für Einzelhandel an dem Standort hat der Namensgeber aber auch danach nicht aufgegeben. Als Hauseigentümer sah er regelmäßig nach dem Rechten. Kannte erst bei Vögele, später bei Miller & Monroe jeden Mitarbeiter, jedes Sortiment. Jetzt zieht er sich zurück. Jürgen Schwiese (64) hat die Immobilie verkauft.

„Das Haus ist mein Leben gewesen. Entsprechend schwer ist mir der Entschluss gefallen“, sagt der Unternehmer im Gespräch mit der WAZ. 1956 hatte das Kaufhaus Meyer an der Heggerstraße eröffnet. Ein Nahversorger. Und: Hattingens erstes Kaufhaus mit einer Rolltreppe. Noch heute erinnert ein altes Werbeschild in der Nähe des Altstadtparkhauses daran: „Ihr Einkaufsziel in Hattingen – Kaufhaus Meyer“.

1999 übernahm Jürgen Schwiese das Traditionsgeschäft

1970 startete Jürgen Schwiese dort als Auszubildender. Später holte der Bürokaufmann das Abitur nach, machte den Bilanzbuchhalter, studierte Betriebswirtschaft und kehrte ins Kaufhaus Meyer zurück. 1999 übernahm Jürgen Schwiese das Traditionsgeschäft und gab ihm seinen Namen.

2007 kehrte er der Heggerstraße dann den Rücken. Vögele zog ein, im Mai 2018 dann Miller & Monroe. Das Mietverhältnis stand unter keinem guten Stern. „Seit September 2018 habe ich keine Mietzahlungen mehr bekommen“, berichtet Jürgen Schwiese. Im Juni 2019 gab die Modekette auf. Pleite. Insolvenzverfahren. „Unter dem Strich hat mich alles rund 100.000 Euro gekostet“, sagt Schwiese.

Am Ende habe der Verlust mit dazu beigetragen, sich von dem Haus zu trennen. Neuer Besitzer sei ein Unternehmer aus Herdecke, erzählt Jürgen Schwiese. „Er hat mir erklärt, er stehe in Verhandlungen mit der Modekette Kik.“

Nachfolgelösungen seit Juli gesucht

Die war im Juli schon einmal im Gespräch, als es um Nachfolgelösungen für die Standorte und Mitarbeiter von Miller & Monroe ging. Kik, Tedi oder Woolworth übernehmen 90 der 170 deutschen Filialen in Städten, in denen sie in ihre Unternehmensstrategien passen.

Hattingen zählte damals nicht dazu. Alle drei Ketten sind bereits hier vertreten. – Tedi und Woolworth an der Heggerstraße, Kik etwas abseits an der Eickener Straße.

Das mag der Grund sein, warum Kik nun doch über einen zentraleren Standort nachdenken könnte. Bestätigt wird die Ansiedlung aktuell weder vom Insolvenzverwalter, noch von der Modekette selbst. Sie hat ihren Sitz in Bönen.

Zweiter Standort fürs Hautnah-Konzept

Jürgen Schwiese bleibt seiner Heimatstadt Hattingen auch nach dem Rückzug von der oberen Heggerstraße treu. Nicht nur mit seinem Wohnsitz, sondern auch mit dem Geschäft „Hautnah - Concept Schwiese“, das er mit seiner Frau im Steinhagen führt. Das Sortiment mit Tag- und Nachtwäsche für Damen und Herren läuft so erfolgreich, dass es bereits seit 2012 einen zweiten Standort in Beckum gibt.

Ein zweites Kaufhaus in Warendorf hat Jürgen Schwiese 2012 aufgegeben. „Der Vermieter hat uns gekündigt“, sagt er. Das Thema Kaufhaus hat sich für den 64-Jährigen also erledigt. Allerdings: „Kaufmann werde ich immer bleiben“, bekräftigt der engagierte Einzelhändler.

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