Lesung

Joe Bauschs beeindruckender Blick in Gangster-Seelen

Rasch ausverkauft war die Lesung von Joe Bausch aus seinem Buch „Gangsterblues – Harte Geschichten“ in der Stadtbibliothek im Reschop-Carré.

Rasch ausverkauft war die Lesung von Joe Bausch aus seinem Buch „Gangsterblues – Harte Geschichten“ in der Stadtbibliothek im Reschop-Carré.

Foto: Manfred Sander

Hattingen.   Joe Bausch liest in Hattingen aus seinem neuen Buch „Gangsterblues – Harte Geschichten“ und plaudert aus seinem Berufsleben als Gefängnis-Arzt.

Tatort-Star und Gefängnisarzt Joe Bausch präsentierte am Dienstagabend in der Stadtbücherei sein neues Buch „Gangsterblues – Harte Geschichten“ vor mehr als 100 Besuchern in einer sehr lebendigen Lesung, an die sich angeregte Gespräche anschlossen. Gangsterblues ist ein erzählendes Sachbuch.

Bausch plaudert ungezwungen aus dem Nähkästchen, ist immer ganz nah bei seinem Publikum, ein urwüchsiges Urgestein. Sehr authentisch erzählt der drahtige Schauspieler und Mediziner, wie er zu seinem Job als Gefängnisarzt gekommen ist und was er dort in vielen Jahren erlebt hat.

„Plötzlich begegne ich diesen Typen, die ich früher auf der Bühne gespielt habe,“ beschreibt er seine erste Erfahrung. Die Konfrontation mit dem Verbrechen fasziniert ihn immer wieder. „Was bringt Menschen dazu, so etwas zu tun?“ Dieser Frage kann er in seinem Beruf als Gefängnisarzt der Justizvollzugsanstalt Werl nachspüren.

Selbstjustiz ist ein Thema

Und kommt dabei zu erstaunlichen Erkenntnissen. Die erzählt er aus der Perspektive von Tätern, die einen größeren Abstand zu ihrer Tat haben und die sich ihm irgendwann dann anvertraut haben, ihn in ihre Seelen blicken ließen: Mörder, Dealer, Betrüger, Vergewaltiger, Räuber. Unschuld, Gewalt, verbotene Beziehungen, Selbstjustiz, aber auch Menschen, die sich selbst härter bestrafen, als es die Justiz vorgesehen hat – all das kommt in seinem faszinierenden Buch zur Sprache.

Von dem selbstgefälligen Kraftprotz Udo Weingold erzählt er, dem nach Auftauchen eines harten Kinderpornos im Knast beim Training eine Hantel so auf den Unterleib fällt, dass danach urologisch kaum noch etwas funktioniert. Und je heftiger das Verbrechen, desto eisiger ist danach dann die Mauer des Schweigens.

Häftling möchte nicht in Freiheit

Ein anderer Häftling möchte auf jeden Fall im Gefängnis bleiben. „Herr Bausch, machen Sie alles, dass ich nie in Freiheit komme, sonst sitzt da draußen ein Monster“, fordert er den Arzt auf.

Nach Bauschs langjähriger Erfahrung sitzen ohnehin zu viele massiv psychisch Kranke in den Justizvollzugsanstalten, eigentlich müssten sie behandelt werden. „Das Gesetz hat da nicht immer die nötige Trennschärfe,“ stellt der Knast-Doc in seinem Buch über Knackis fest.

Frage nach der Alterskriminalität

Der Frage nach der zunehmenden Alterskriminalität geht Bausch in der Geschichte „Altes Eisen“ nach. Wie geht denn so ein alter Verbrecher in Ruhestand? Denn manche sehen das ja als einen Beruf an, der Aufenthalt im Knast ist dabei nur ein Arbeitsunfall.

>>> Joe Bausch spielte schon in der Schulenburg

Joe Bausch heißt eigentlich Hermann Joseph Bausch-Hölterhoff. Er stand schon in der Hattinger Schulenburg mit der Theatergruppe um Roland Rebers „Theaterpathologisches Institut“ (1980er Jahre) auf der Bühne.

1985 spielte Bausch neben Götz George im Kino-Tatort „Zahn um Zahn“. Gangsterblues ist nach „Knast“ sein zweites Buch.

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