KLÄRANLAGE

In Hattingens Kläranlage landen selbst Eheringe und Gebisse

Viel Interessantes erfuhren Besucher bei einer Führung durch die Kläranlage Hattingen.

Viel Interessantes erfuhren Besucher bei einer Führung durch die Kläranlage Hattingen.

Foto: Fischer / Funke Foto Services GmbH

Hattingen.  Wie Hattingens Kläranlage Abwasser in sauberes Flusswasser umwandelt, erläutern Mitarbeiter des Ruhrverbands. Und verraten Verblüffendes.

Die Wege des Abwassers können richtig spannend sein, wie mehrere Mitarbeiter des Ruhrverbandes Interessierten bei einem Termin an der Kläranlage verdeutlichten. Von der Ankunft und Eingabe des verunreinigten Wassers bis hin zur Abgabe des gereinigten Wassers in die Ruhr erfuhren kleine und große Besucher dabei viel Neues. Und Verblüffendes – von Gerüchen bis zu Gebissen.

Hier stinkt es ja gar nicht

Dass es in einer Kläranlage gar nicht so stinkt wie angenommen, zumindest meistens nicht, verblüffte dabei so manchen Besucher. Doch auf dem mehr als 2200 Quadratmeter großen Gelände nahmen die Gäste einen Abwassergeruch tatsächlich nur an einer einzigen Stelle wahr. So dass ein kleiner Junge seinem Vater erstaunt zurief: „Hier stinkt es ja gar nicht!“

Im Abwasser landen teils kuriose Dinge

Regionalleiter Christian Lux erklärte sodann, wie aus dreckigem Wasser wieder sauberes wird. Nach der Eingabe in die Kläranlage, so Lux, werde das Wasser durch sogenannte Schnecken in den ersten Klärungsschritt gegeben, um dort die Grobstoffe auszufiltern. „Teilweise sind es dabei durchaus kuriose Dinge, die wir hier herausfischen“, sagt der Regionalleiter vom Ruhrverband. Zum Beispiel Gebisse.

Alle paar Wochen gibt es Anfragen nach verloren gegangenen Eheringen

Alle paar Wochen erhalte der Ruhrverband aber auch Anfragen nach verloren gegangenen Eheringen. „Leider können wir den Betroffenen nur schwer helfen“, gestand er. Denn aufgrund der maschinellen Filterung und des großen Maßes an herausgefilterten Grobstoffen bestehe keine Chance, solche kleinen Objekte wie Ringe wiederzufinden.

Nach dieser Grobfilterung passiert das Abwasser dann noch viele kleinere und größere Stationen, bevor es schließlich als gefiltertes Wasser wieder in die Ruhr abgelassen werden kann.

Wie viel Abwasser in der Kläranlage täglich so ankommt und besonders wie lange die Ausfilterung der Verunreinigungen dauert, wollten dabei zahlreiche Besucher wissen.

Etwa 200 Liter verdrecktes Wasser kommen pro Sekunde in der Kläranlage an

„Abhängig von Tageszeit, Wochentag oder auch den Wetterverhältnissen, kommt Wasser und dauert die Klärung des Wassers mehr oder weniger lange“, erklärt Oliver Masdziarz, gelernter Ver- und Entsorger. Zusammengefasst kämen allerdings etwa 200 Liter verdrecktes Wasser pro Sekunde in der Kläranlage an.

Ab in den Schönungsteich

Und es dauert etwas mehr als 24 Stunden, bis dieses gesäubert ist – allerdings ist es dann noch nicht fit für die Ruhr, sondern kommt erst in den so genannten Schönungsteich, der der Verbesserung der Wasserqualität dient. Unter natürlichen Bedingungen wird in einem solchem Schönungsteich die Qualität des gereinigten Abwassers nämlich noch weiter verbessert, bevor es in die Ruhr abgegeben wird.

„Ich würde jedem empfehlen sich wirklich mal selbst anzuschauen, was es für einen Aufwand es bedeutet, sein Abwasser zu reinigen“, zog Besucher Michael Bellmann sein Fazit. Bellmann arbeitet in seinem beruflichem Alltag selbst mit einem mechanischen Wasseraufbereitungssystem.

Er zeigte sich bei der Kläranlagen-Besichtigung von den Ausmaßen der Anlage mächtig beeindruckt. „Was teilweise unbedacht einfach in den Ausguss geschüttet oder über die Toiletten entsorgt wird und hier dann mühselig aufbereitet wird, das ist wirklich enorm.“

>>> WELCHES ABWASSER ALLES IN DER KLÄRANLAGE GEREINIGT WIRD


In der Kläranlage Hattingen wird das Abwasser der Hattinger Stadtteile Mitte, Welper, Blankenstein, Bredenscheid und Holthausen, Rauendahl, der Bochumer Stadtteile Stiepel und Linden sowie der Stadt Sprockhövel zentral gereinigt. Vor der Neuorganisation der Abwasserbehandlung im Raum Hattingen betrieb der Ruhrverband im Einzugsgebiet mehrere kleinere und leistungsschwächere Kläranlagen, die nach und nach stillgelegt wurden.

Um das Abwasser von diesen früheren Standorten zur Kläranlage Hattingen zu transportieren, führt unter anderem der mehr als zwei Kilometer lange Abwasserstollen Ludwigstal unter der Hattinger Altstadt hindurch. Das Abwasser aus dem Bochumer Süden unterquert dabei auch in einer Druckleitung die Ruhr.

Den längsten Weg legt das Abwasser aus Sprockhövel zurück, das durch einen sieben Kilometer langen Sammler zum Abwasserstollen Ludwigstal und weiter in die Kläranlage fließt.

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