Gesichter und Geschichte(n)

Hattingerin Alina ist Frida und Frida ist Alina

Plattencover „Liebe ist meine Rebellion“ der Band Frida Gold aus Hattingen. Sängerin ist Alina Süggeler.

Plattencover „Liebe ist meine Rebellion“ der Band Frida Gold aus Hattingen. Sängerin ist Alina Süggeler.

Foto: Warner

Hattingen.  Einst gewann die Hattingerin Alina Süggeler von der Band Frida Gold Preise mit ihrer Querflöte. Dann kam sie an die Spitze der deutschen Charts.

Von der Newcomer-Bühne in der Aula der Gesamtschule in Welper an die Spitze der deutschen Charts – dies beschreibt in wenigen Worten die Karriere der Musikerin Alina Süggeler. Gemeinsam mit ihren Bandkollegen hat die Sängerin von Frida Gold eine sagenhafte Karriere hingelegt – und sich parallel für eine gewisse Zeit als deutsche Stil-Ikone in den Magazinen festgesetzt.

Mal lange, mal kurze Haare; mal Abendkleid, mal zerfetzte Jeans – die 34 Jahre alte Hattingerin lässt sich nicht so gerne auf etwas festlegen. Die Sängerin zieht das Medien- aber eben auch das Fan-Interesse auf sich, die Mitmusiker verblassen dabei etwas, zuletzt ist nur noch Ex-Freund Andi Weizel bei Auftritten dabei. „Wir haben in den letzten Jahren gemerkt, dass der Fokus für uns alle woanders lag. Bei Julian Cassel und Tommi Holtgreve hat sich das auf das Musikmachen konzentriert. Andi und ich waren auch schon bei den Alben davor der kreative Kern und auch die, die es nach außen vertreten. Wir haben das jetzt einfach nur in die Tat umgesetzt“, sagt sie im Rahmen der Pressearbeit zum letzten Album „Alina“ zur WAZ.

Die Hattingerin Alina Süggeler von Frida Gold spielte zunächst Querflöte

Doch dazu später. Erst einmal geht es zurück in die Zeit rund um die Jahrtausend-Wende, als die junge Alina ihre Musikbegeisterung entdeckt und erlebt. Sie spielt Quer­flöte, fährt für den Unterricht bis nach Mönchengladbach und gewinnt den Landeswettbewerb bei „Jugend musiziert“: Und sie steht als Sängerin der Band Amnesia auf der Bühne – und räumt mit ihren Begleitern Julian Cassel, Patrick Heidt, Matthias Kamphausen und Fabian Scherkenbach gleich beim ersten Auftritt den Jurypreis beim Hattinger Newcomerfestival in der Gesamtschule ab.

Mittendrin: Ein beeindruckender Auftritt als Straßensängerin – geschminkt und auffällige Klamotten – im gefeierten Schüler-Musical „Linie 1“ am Gymnasium Holthausen. Hier macht sie 2004 ihr Abitur.

Die Musik gibt Alina Süggeler „unheimlich viel zurück“

Sie ist reflektiert. Ehrlich zu sich selbst. Offen für die Kunst. „In der Musik kommt man öfter an einen Punkt, an dem man zweifelt. Anders als etwa Maler, der sich nachher sein Bild anschauen kann, hat man ja als Musiker immer nur den einen Moment“, sagt Alina Süggeler mit 20. „Die Musik, die Stücke geben unheimlich viel zurück.“

Aus Amnesia wird Linarockt, später Linaslounge. 2008 dann Frida- Mega-Auftritt in der Gebläsehalle an der Seite von Mando Diao und der Joy-Divison-Legende Peter Hook. Stets musikalischer Wegbegleiter an Alinas Seite: Gitarrist Julian

Cassel.

Der Durchbruch gelang der Band Frida Gold im Jahr 2011

Der Durchbruch folgt 2011, inzwischen als Frida Gold: Vertrag mit dem Majorlabel Warner Music, erstes Album „Juwel“, die Radio-Hits „Zeig mir wie du tanzt“ und „Wovon sollen wir träumen“. Sie ist der Star. Die Band strahlt dank Alina, die Sängerin geht optisch nach vorne, ist extrovertiert. Toupiert sich die Haare hoch – oder rasiert sie raspelkurz. So ziert sie immer wieder Titelseiten und Fotostrecken in Lifestyle-Magazinen – und wird im Rahmen des Eurovision Song Contests immer wieder als Jury-Mitglied ausgewählt. Sie ist eine der Stil-Ikonen im Land.

„Ich bin ein Pott-Kind“, sagt die Musikerin von sich selbst

Ihren gemeinsamen Höhepunkt haben Frida Gold im Jahr 2013 – von Null auf Eins schießt ihr drittes Album „Liebe ist meine Religion“ in die Musik-Charts. Dadurch öffnen sich die nächsten Türen – weltweit. Es gibt eine Zusammenarbeit mit Robbie Williams’ Song-Guru Guy Chambers, einen Umzug nach Berlin, noch mehr Blitzlicht.

Doch die große, weite Welt ist nicht alles. „In Berlin fühle ich mich einfach am falschen Platz“, sagt sie und zieht zurück nach Hattingen. „Ich bin ein Pott-Kind!“ Und ein Familienmensch. Es ist ihr Zuhause. „Alles erinnert mich an die, die ich bin.“ Und wer ist das? Alina? Frida? Gibt es einen Abstand zwischen den beiden? „Nein“, sagt sie 2016 dazu. Es gebe aber einen Abstand zwischen Alina und Alina – „Frida ist wahrscheinlich die Brücke.“

Leserkommentare (0) Kommentar schreiben