Industrie Historie (I)

Hattinger Luftbrücke

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Hattingen.  Heftiger Widerstand formierte sich, als die Pläne zum Bau der Seilbahn an die Öffentlichkeit gelangten.

35 Jahre lang schwebten mit Kohle beladene Kübel über Bredenscheid und den Schulenbergwald hinweg. Nahezu geräuschlos versorgte die Zeche Alte Haase in Niedersprockhövel das Gemeinschaftswerk an der Ruhr mit Kohle. Die Seilbahn stellt ein relativ kurzes, aber wichtiges Kapitel Hattinger Industriegeschichte dar.

Denn bevor im Oktober 1929 die ersten Tonnen Kohle das Elektrizitätswerk aus der Luft erreichten, lieferten sich Befürworter und Gegner einen erbitterten Kampf über Sinn und Unsinn dieser Anlage.

Immerhin verfügten sowohl die Zeche, als auch das Gemeinschaftswerk über einen Eisenbahnanschluss. Der Kohlentransport über die Schiene, so die Darstellung der beiden Unternehmen, sei jedoch unrentabel geworden. So kam im Frühjahr 1927 der Gedanke auf, beide Werke durch eine 6,5 Kilometer lange Seilbahn zu verbinden.

Doch bereits bei der Projektierung der Anlage baute sich Widerstand auf. Grundbesitzer verweigerten die Enteignung ihrer Grundstücke, ein Bündnis von Hattinger Lehrern klagte: „Die Bahn würde den Frieden der grünen Wälder vernichten und das schöne Landschaftsbild zerstören.“ „Durch die beabsichtigte Linienführung der Seilbahn würde auch das erst einige Jahre alte Erholungsheim Haus Friede seinen Zweck verfehlen und eher alles andere als eine Erholungsstätte sein“, hieß es in einem der zahlreichen Leserbriefe, die damals nahezu täglich in der Hattinger Zeitung zu lesen waren.

Vor allem der Enteignung der Grundstücke ging ein zähes Ringen voraus. Laut preußischem Berggesetz durften Zechen in gewissen Fällen den Grundbesitzer entrechten. Ob dieses Recht auch auf den Transport von Kohlen zutraf, darüber stritten die Parteien. Für den 20. Oktober 1927 luden Zeche und Gemeinschaftswerk zu einem Schlichtungsgespräch nach Niedersprockhövel ein. Doch die Gegner erhielten die Einladungen erst zwei Tage vorher. Sie waren dadurch nicht in der Lage eine gemeinsame Strategie zu erarbeiten, oder einen Gutachter zu bestellen.

Dann ging alles ganz schnell: 1928 bestellten die beiden Unternehmen die Seilbahn bei der Leipziger Firma Bleichert, im Oktober 1929 nahm sie ihren Betrieb auf. Bis zu 125 Kübel schwebten für die kommenden 35 Jahre gleichzeitig und nahezu täglich mit einer Geschwindigkeit von 2,5 Metern in der Sekunde über Sprockhövel, Bredenscheid-Stüter und den Homberg hinweg. Dann war am 31. Mai 1964 alles vorbei. Gegen 13 Uhr passierte der letzte Kübel die Antriebsstation am Homberg. Hintergrund der Stilllegung: Die Anlage wurde unrentabel. Billiger war der Kohlentransport mit dem Lkw – und per Bahn.

Noch im selben Jahr begann der Abriss der Bahn, dessen Spuren inzwischen nahezu vollständig verschwunden sind. Dasselbe gilt bekanntlich auch für das ehemalige Gemeinschaftswerk.

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