Steuern

Hattinger Halter schlucken hohe Hundesteuer

Ob groß oder klein, spielt bei der Höhe der Hundesteuer keine Rolle. Es kommt darauf an, wo der Halter lebt oder ob der Hund ein Einzeltier ist. Mit der Anzahl steigen die Kosten. Foto:Volker Speckenwirth, Archiv

Ob groß oder klein, spielt bei der Höhe der Hundesteuer keine Rolle. Es kommt darauf an, wo der Halter lebt oder ob der Hund ein Einzeltier ist. Mit der Anzahl steigen die Kosten. Foto:Volker Speckenwirth, Archiv

Hattingen.   Hattinger füttern die Stadtkasse 2018 mit 500 000 Euro für 3900 Tiere. Ein Bürger hält acht Vierbeiner. Nur zwei Tiertoiletten sind geöffnet.

Zu Werner Neuhaus’ Leben gehört seit mehr als 30 Jahren ein Hund. Im Moment ist es ein kleiner Yorkshire Terrier. Dass Hattingen dafür im NRW-Vergleich ganz schön zulangt (Tabelle auf der Seite unten), ist dem 78-Jährigen bekannt. Der Welperaner, der im Moment auf einer Bank in der Innenstadt sitzt, den Hund und die Tüte für eventuelle Hinterlassenschaften fest im Griff, zuckt nur mit den Schultern – und zahlt. „Was bleibt einem übrig?“, sagt er.

Hier, wo er gerade eine Pause einlegt, ist ein Abfalleimer in der Nähe. Entsorgungsmöglichkeiten auch in den Stadtteilen würde er sich wünschen. Denn Werner Neuhaus hat schon erlebt, dass Halter Haufen brav in die Tüte packen, die dann aber auf der Wiese stehen lassen. „Das ist unsinnig“, sagt er.

Keine Zeit für Sandaustausch

Iris Luda kann sich als Hartz-IV-Empfängerin über eine zu hohe Hundesteuer nicht beschweren. Auf Antrag auf die Hälfte reduziert wird der Steuersatz für Personen, die Hilfe zum Lebensunterhalt, Grundsicherung im Alter und bei Erwerbsminderung oder Arbeitslosengeld II erhalten, sowie für Personen, die diesen einkommensmäßig gleichstehen.

Der Husky-Schäferhund-Mischling, mit dem die 53-Jährige morgens zwei Stunden spazieren geht, ist einer von insgesamt 3900 gemeldeten Hunden in Hattingen. Zusammen werden die Halter die Stadtkasse in diesem Jahr mit rund 500 000 Euro füttern. Während der Bund der Steuerzahler, der die Sätze in 338 Kommunen in NRW verglichen hat, die „Abschaffung der Bagatellsteuer“ fordert, sieht die Stadt das anders. „Wenn die Hundesteuer mehr Kosten verursachen würde, als in die Kasse kommt, würden wir sie nicht erheben“, sagt Stadtsprecher Thomas Griesohn-Pflieger.

Änderungen nicht geplant

Ob Mini-Fiffi oder Riesenhund: Alle kosten gleich viel Steuer. Unterschiede ergeben sich daraus, wo der Besitzer wohnt, und aus dem Umstand, ob er ein einzelnes oder mehrere Tiere hält. Für Zweit- oder Dritthund sind die Sätze höher. Zwei Bürger haben sechs, einer hat acht Hunde angemeldet.

Änderungen bei der Hundesteuer sind laut Stadt derzeit nicht geplant. Wohl aber bei den Hundeklos. Iris Luda bedauert, dass die Einrichtung am Hill-Park geschlossen ist. Geöffnet haben laut Stadt noch die beiden Hundetoiletten Bahnhofstraße und Schreys Gasse. An der Roon- und der Schulstraße kommt das Personal laut Auskunft aus dem Presseamt nicht mehr dazu, den Sand auszuwechseln.

Gedeckt ist der Bedarf an Hundeauslauf aus Sicht der Stadt mit der offiziell ausgewiesenen Hundewiese an der Ruhr. „Sie ist 13 Hektar groß“, sagt Thomas Griesohn-Pflieger. Leider sei sie nicht nur lokal bekannt.

400 Euro Steuern für jeden gefährlichen Hund

39 Hunde gelten per Rassebestimmung als gefährlich. Dafür werden in Hattingen 400 Euro Hundesteuer fällig – egal ob erster oder dritter Hund. Für 18 Hunde aus Tierheimen gibt es Ermäßigungen. Was Brigitte Serrano schön findet. Sie bedauert allerdings, dass der Vorstoß für Hundekot-Körbe nicht geklappt hat.

Angler und Hundebesitzer, die sich am Anfang auf der Hundewiese in die Quere gekommen sind, haben sich zusammengerauft, wie Walter Banhold als Sprecher des Anglervereins bestätigt. Er findet es schön, dass Hundebesitzer auch andere Halter dazu anhalten, Rücksicht zu nehmen.

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