Führerschein

Hattinger Fahrschulen begrüßen Test für ältere Autofahrer

Bei 255 älteren Autofahrern im EN-Kreis bestanden im vergangenen Jahr Zweifel an der Fahrtüchtigkeit.

Bei 255 älteren Autofahrern im EN-Kreis bestanden im vergangenen Jahr Zweifel an der Fahrtüchtigkeit.

Foto: Wolfram Kastl/DPA

Hattingen.   Junge Fahrschüler werden von den Fahrlehrern als zunehmend unkonzentriert wahrgenommen. Im Alter soll es gesundheitliche Kontrollen geben.

Führerscheinprüfungen bei Jung und Alt sind derzeit wieder Thema. Jüngst wurde diskutiert, warum immer mehr junge Menschen die Prüfung erst gar nicht bestehen. Schon zuvor sorgte der britische Prinz Philip (97) für Aufsehen, als er einen schweren Autounfall verursachte und dann freiwillig den Führerschein abgab. Im Ennepe-Ruhr-Kreis gingen im vergangenen Jahr 255 Meldungen zu Senioren ein, bei denen Zweifel an der Fahrtüchtigkeit aufkamen. Kontrollen der Eignung halten Hattinger Fahrlehrer für sinnvoll, sehen aber auch junge Autofahrer in der Pflicht.

Angesichts der Zahlen hält Fahrschulleiter Sascha Nippus einen Test der Fähigkeiten von Senioren hinter dem Steuer für sinnvoll: „Bus- und Lkw-Fahrer müssen alle fünf Jahre ihren Führerschein verlängern. Diese Regel finde ich auch für Senioren gut“, sagt der Fahrschulchef.

Sehtest ab einem bestimmten Alter

Für Fahrschulleiter Gert Pöthen ist ein Test der Fahrtüchtigkeit mit Fragen verbunden: „Es wäre nicht einfach zu entscheiden, ab welchem Alter überprüft werden soll. Einige sind ja auch noch mit 70 Jahren fit.“ Er hält es für sinnvoll, ab einem bestimmten Alter einen Sehtest zu machen und den immer mitzuführen.

Auch Passanten in Hattingen finden es in Ordnung, die Fahrtüchtigkeit zu überprüfen. „Viele überschätzen sich. Ich höre oft den Satz: ‘Ich kann doch noch Autofahren’“, erwähnt die 60-jährige Tatjana Spartmann, die selbst noch mit dem Auto unterwegs ist. Michael Kilian befürwortet einen Test alle fünf Jahre und vergleicht: „Jedes Auto muss zum Tüv. Wenn die Bremse kaputt ist, war es das. Wenn der Mensch nichts sieht, passiert gar nichts.“ Wilfried Schwager denkt zwar auch, dass „viele an der Grenze knapsen und man nicht bis zum bitteren Ende fahren soll“. Doch weil er mit 72 Jahren einer der möglichen Betroffenen sei, lehne er eine Prüfung doch ab.

Ältere nicht als Sündenbock

Fahrschulleiter Markus Hirschberger gibt zu Bedenken, dass man nicht alle Probleme im Straßenverkehr auf die Älteren schieben könne, „denn statistisch gesehen, bauen die Jungen mehr Unfälle“. Im EN-Kreis fielen im vergangenen Jahr 518 Führerschein-Neulinge innerhalb der Probezeit auf. 38 mussten den „Lappen“ gleich wieder abgeben.

Hirschbergers Fahrschule bietet Fahrstunden für Senioren an. Danach bekommen die Teilnehmer eine Rückmeldung, was sie gut oder schlecht gemacht haben. Die, die freiwillig kommen, würden ihre Sache oft sehr gut machen, berichtet er und schiebt nach: „Die Unfreiwilligen, die vom Amt oder von ihren Kindern zu uns geschickt werden, zeigen sich uneinsichtig. Sie meinen, dass an der Ampel mal jemand hupt, aber sonst doch alles noch okay ist.“

Auch in die Fahrschule Nippus kommen regelmäßig Senioren mit Fragen zu unklaren Verkehrszeichen. Sascha Nippus findet diese Bereitschaft gut.

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An einem Stoppschild nicht anhalten, die Vorfahrtsregeln ignorieren oder über eine rote Ampel fahren. Die Liste der Todsünden, bei denen der Fahrprüfer auf der Rückbank den Daumen senkt, ließe sich beliebig um weitere Punkte verlängern. NRW verzeichnet im vierten Jahr in Folge einen Anstieg der Durchfallquote bei Fahranfängern in Theorie und Praxis. Auch die Hattinger Fahrschulen kennen das Problem und sehen verschiedene Gründe.

Fahrschüler haben Sprachbarrieren

Sascha Nippus, der seine Fahrschule in der Hattinger Südstadt betreibt, bestätigt den Landestrend genauso eindeutig, wie Fahrschulchef Markus Hirschberger. Ein Grund, warum zunehmend mehr Fahrschüler bei der Prüfung durchfallen, seien Sprachprobleme. „In den vergangenen zwei, drei Jahren haben viele Menschen mit Migrationshintergrund den Führerschein gemacht. Wenn man aber die Sprache nicht spricht, wird es schwierig durch die Theorie zu kommen“, sagt Hirschberger. Deswegen seien viele fünf- oder sechsmal durchgefallen.

Er spricht außerdem ein allgemeines Problem an: „Der Führerschein hat auch an Stellenwert eingebüßt.“ Junge Leute seien nicht mehr so ehrgeizig wie früher, „sie lassen die Übungen schleifen und planen oft von vorneherein eine Prüfung ein, die sie verhauen können.“

Jugendliche sind unaufmerksam

Die Fahrschüler seien außerdem unaufmerksamer, „das liegt an den Smartphones“, ist sich auch Simone Lemke sicher. Sie kümmert sich in der Fahrschule ihres Mannes Thomas Lemke um Büroarbeiten. Die Quote der nicht bestandenen Prüfungen sei bei ihnen allerdings nicht so dramatisch: „Bei uns sind voriges Jahr nicht viele durchgefallen.“ Dennoch glaubt sie, dass zumindest die Theorie-Prüfung in der Vergangenheit schwieriger geworden sei. Für Sascha Nippus hingegen sind die Anforderungen an die Prüflinge „in den vergangenen zehn Jahren mehr oder weniger gleich geblieben“.

Ob es nun schwieriger geworden ist, Theorie oder Praxis zu bestehen, wer über ein Stoppschild oder bei Rotlicht über die Ampel fährt, wird nach der Prüfung nicht den Führerschein bekommen.

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