Nahverkehr

Hattinger Ehepaar strandet nach dem Urlaub am Bahnhof

Mit Koffern und Rucksack kamen Georg und Annette Seemann aus dem Urlaub zurück – und strandeten am Bahnhof ihrer Heimatstadt.

Mit Koffern und Rucksack kamen Georg und Annette Seemann aus dem Urlaub zurück – und strandeten am Bahnhof ihrer Heimatstadt.

Foto: Fischer

Hattingen.  Die Rolltreppe funktioniert nicht. Der Taxistand ist leer. Nachtfahrten in der Woche sind ein Problem. Georg und Annette Seemann sind sauer.

Was für ein schöner Urlaub. Eine Woche in Spanien entspannen und dann gut erholt wieder in Welper ankommen. So hatten es sich Annette und Georg Seemann vorgestellt. Aber daraus wurde nichts. Denn nach einer langen Rückreise fingen am Bahnhof in Hattingen die Probleme erst an. „Über den völlig verdreckten Zustand des Bahnhofs waren wir wirklich schockiert und empört“, sagt die 64-Jährige. „Das Gebäude ist regelrecht verkommen. Es ist schmutzig und stinkig.“

Die beiden kamen mit schweren Koffern an und stellten fest, dass die Rolltreppe nicht funktionierte. „Also wuchteten wir das schwere Gepäck die vielen Stufen hoch. Das macht Spaß, wenn man schon 14 Stunden unterwegs ist.“ Erschöpft gingen die beiden zum Taxistand, denn der letzte Bus war kurz nach Mitternacht abgefahren. Doch da war kein Taxi. Georg Seemann (69) telefonierte alle Firmen an, die er im Internet fand. „Doch bei den meisten lief nur der Anrufbeantworter.“

Was für eine Visitenkarte

Dann kam völlig zufällig ein Gastronom einer Altstadtkneipe vorbei, der das Dilemma kennt. „Er berichtete, es gebe hier nur noch ein Taxiunternehmen, das Nachtfahren in der Woche anbietet.“ Da die Telefonnummer für die Welperaner im Internet kaum zu finden war, vermittelte der Gastronom den Kontakt. „Gott sei Dank, dass wir diesen Menschen getroffen haben“, freut sich Annette Seemann immer noch. Um 1.40 Uhr kamen sie schließlich in ihrem Zuhause in Welper an.

„Armes Hattingen, was für eine Visitenkarte“, sagt die 64-Jährige und fragt, was wohl ein Mensch mit körperlichen Einschränkungen in einem solchen Fall mache. Er könne wohl nur die 112 anrufen, vermutet sie.

Viele Taxen sind als Mietwagen zugelassen

Die Inhaberin des Taxiunternehmens, das auch in der Woche nachts fährt, erklärte der WAZ, sie hätten Beförderungspflicht. Es sei doch klar, dass sie fahren müssten. Das Problem hinter dieser Vorschrift erklärt Jörg Beer, Geschäftsführer des Verbandes des Straßenpersonenverkehrs in Dortmund.

„Viele Taxen sind als Mietwagen zugelassen, und für die gilt die Beförderungspflicht nicht. Bei Taxen ist das anders, die haben die Pflicht, man sieht aber natürlich auch die wirtschaftlichen Aspekte.“

Zusammenarbeit der Unternehmer gefordert

Wenn in Hattingen nachts nichts los sei, die Unternehmen aber ihre Fahrer bezahlen müssten, die dann die ganze Nacht dienstbereit sind, aber nichts verdienen, könne man verstehen, dass sie nachts niemanden auf die Straße schicken. Natürlich sollte aber so eine Situation, wie die geschilderte, nicht vorkommen.

„Die beste Lösung wäre es, die Unternehmen würden sich zusammenschließen und die nächtlichen Anrufe an den weiterleiten, der auch wirklich ein Taxi auf der Straße hat“, sagt Beer.

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