Trauerfälle

Hattinger Bestatter empfehlen Knigge für Beerdigungen

Hat vom Bestattungsknigge gleich 1000 Exemplare bestellt: Isabell Neumann, Bestattungsmeisterin bei Stratmann Bestattungen.

Foto: Volker Speckenwirth

Hat vom Bestattungsknigge gleich 1000 Exemplare bestellt: Isabell Neumann, Bestattungsmeisterin bei Stratmann Bestattungen. Foto: Volker Speckenwirth

Hattingen.   Ein Heftchen klärt über das korrekte Verhalten auf dem Friedhof auf. Bestatter nehmen aber auch Veränderungen in Richtung Vielfalt wahr.

In Trauerfällen ist die Verunsicherung groß, wenn es um das richtige Verhalten gegenüber Angehörigen geht. Ist die Kleidung angemessen. Finde ich die richtigen Worte? Ein kleiner Ratgeber in Pixi-Heft-Größe gibt passende Ratschläge. Der Bestattungsknigge kann über eine Kölner Agentur individualisiert erworben werden. Isabell Neumann von Stratmann Bestattungen hat gleich 1000 Exemplare bestellt.

„Ich sehe das Angebot als Hilfestellung für Menschen, die das erste Mal mit dem Tod in Berührung kommen“, erklärt die Bestattungsmeisterin. „Auf der Messe ,Füreinander-Miteinander’ am vergangenen Wochenende hat man uns die Heftchen förmlich aus den Händen gerissen“, erinnert sie sich.

Weltliche Musik von der CD

Der Wunsch nach sicheren Regeln ist offenbar groß. Viele Menschen kommen, so informiert der Bestattungsknigge, statistisch gesehen erst im 35. Lebensjahr mit einer Beisetzung in Berührung. Auch Bestatterin Sabine Werner wird regelmäßig gefragt, wie man sich verhalten soll. Vor allem die Frage nach der richtigen Form des Kondolierens treibe viele um.

Deshalb hat sie auf ihrer Homepage einen Ratgeber für Beileidsbekundungen erstellt. „Vielen fällt es schwer, in schriftlicher Form ihre Gefühle auszudrücken. Stehen sie den Angehörigen gegenüber, ist es für die meisten einfacher, die richtigen Worte zu finden“, hat Sabine Werner von Triestram Bestattungen beobachte.

Der Bestattungsknigge rät, auf eine persönliche Traueranzeige auch mit einem schriftlichen Kondolenzbrief oder einer gedruckten Karte mit persönlichen Worten zu antworten. Eine E-Mail zu verfassen, sei nur dann angebracht, wenn dies auch sonst der gewöhnliche Kommunikationsweg zwischen den Betroffenen ist. Von SMS-Nachrichten rät der Knigge ab.

Gedeckte Farben bleiben üblich

Bestattermeisterin Neumann sieht das anders. „Man sollte nichts pauschalisieren. Whats App und Facebook sind die neuen Medien unserer Zeit. Jemanden so sein Beileid auszudrücken, kann auch angemessen sein“, meint sie. Neumann möchte Menschen nicht vorverurteilen, die diesen Weg der Anteilnahme wählen. Nur eine Sache lehnt sie strickt ab: „In öffentlichen Internet-Gruppen den Tod von Menschen zu verbreiten und darüber zu diskutieren, geht gar nicht.“

Bei der Beerdigung selbst seien immer noch gedeckte Farben üblich, berichten die Bestatter. Und auch der evangelische Pfarrer Bodo Steinhauer sieht bei der Kleiderwahl lediglich „einen Hauch von mehr Vielfalt, der über gedeckte Farben nicht hinausgeht“. Werden jüngere Menschen beerdigt, deren Hinterbliebenen ausdrücklich auf Trauerkleidung verzichten wollen, sollte man sich daran dann auch unbedingt halten“, rät Sabine Werner.

Auch weltliche Musik wird immer häufiger bei den Trauermessen gespielt. „Stücke von der CD sind überhaupt kein Problem. Wichtig ist, dass wir den Menschen damit Trost spenden“, erklärt Steinhauer.

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