Wochenmärkte

Hattinger bedauern das Wegbleiben vieler Markthändler

Weniger Kunden – weniger Händler. Weniger Händler – weniger Kunden. Die Wochenmärkte haben es zunehmend schwerer.

Weniger Kunden – weniger Händler. Weniger Händler – weniger Kunden. Die Wochenmärkte haben es zunehmend schwerer.

Foto: Julia Tillmann / FUNKE Foto Services

Hattingen.  Hattinger genießen die Marktatmosphäre und die Möglichkeit, immer Bekannte zu treffen. Aber die Märkte werden zunehmend kleiner, bedauern sie.

Der Markt ist für viele Hattinger nicht einfach nur ein Platz, an dem man Ware einkaufen kann. Er ist ein Ort, an dem sie die Seele baumeln lassen, den Anblick von hübschen Blumen genießen und vor allem Freunde und Bekannte treffen. Aber dieser vertraute Platz scheint sich langsam aus der Gesellschaft zu verabschieden. „Es gibt immer weniger Stände, das ist absolut schade“, so die einhellige Meinung.

Viele, die zum Teil seit Jahrzehnten Marktkunden sind, können sich ganz spontan an die Händler erinnern, die gerne Anlaufpunkte für die Kunden waren, aber längst von der Bildfläche verschwunden sind. „Da gab es früher einen Hattinger Bäcker, der ist aber schon lange nicht mehr da.

Beliebt sind die Blumenstände auf den Märkten.

Dann war ein anderer Bäcker immer samstags am Rathaus oben, der leckere Teilchen für kleines Geld hatte. Ich glaube, der kam aus Essen. Jedenfalls ist er weg, weil er zu wenig verdient hat, hat er mir gesagt“, erzählt Hannelore Seider (67).

Beliebt sind die Blumenstände auf den Märkten. Monika Wirges (67) hat sich einen großen Strauß geholt, das liebt sie. Die Blumen seien frisch und nicht so teuer wie in Blumengeschäften. Beim Gang über den Markt kommen die beiden gleichaltrigen Damen allerdings selten am Fischstand vorbei, ohne eine Fischfrikadelle zu kaufen. „Die sind so lecker“, schwärmen sie.

„Heute sind doch in erster Linie Fertigprodukte angesagt“

Auch Eier, Kartoffeln und Salat sind fast immer mit in der Einkaufstasche. Dass sich aber auch ein beliebter Metzger vom Marktgeschehen verabschiedet haben, bedauern sie sehr.

Mit dem Blick auf die Kunden sieht allerdings auch für die Händler die Situation nicht gerade rosig aus. „Ich betreibe jetzt mein Fischgeschäft sein 45 Jahren. Da ist schon einiges anders geworden“, sagt Petra Grabe. „Alle gucken immer die Kochshows. Die scheinen aber schon vom Sehen satt geworden zu sein“, scherzt sie.

Denn mehr und mehr würden auch bei ihr fertige Speisen wie beispielsweise Fischbrötchen oder eben Fischfrikadellen gekauft. „Wer kocht denn heute noch selbst? Da sind doch in erster Linie Fertigprodukte angesagt. Tütensuppen oder Dose aufmachen“, stellt sie fest. Mittlerweile könne man sich ja auch fertige Mittagessen im Internet bestellen und nach Hause liefern lassen.

Diese Entwicklung habe genauso deutliche Auswirkungen auf ihr Geschäft wie die Öffnungszeiten, die sie als einen Hauptfaktor für den Rückgang der Kundenzahl sieht. „Früher war Markt nur vormittags. Spätestens um 13 oder 14 Uhr schlossen auch die Geschäfte. Heute hat bei uns in Wattenscheid ein großes Geschäft von 6 bis 24 Uhr geöffnet. Jeden Tag. Wer nicht aus den Federn kommt, kauft eben abends Fertigprodukte und muss sich um das Kochen nicht kümmern“, analysiert Petra Grabe die Situation.

„Der Markt hat eine ganz eigene Atmosphäre“

Auch Brigitte Münch (79) beobachtet, dass der „Markt immer weiter schrumpft. Es ist schade, dass immer weniger Stände auf den Märkten sind. Auch ich war früher öfter auf dem Markt, vor allem traf man immer Bekannte und konnte sich unterhalten“, schwärmt sie von früheren Zeiten.

Ulrike (70) bedauert, dass es immer weniger Händler werden. „Jetzt ist ja auch noch der Obst- und Gemüsestand von Brandenstein weg. Eigentlich ist ein Markt so schön, er hat eine ganz eigene Atmosphäre“, stellt sie fest und kauft erst einmal Blumen für ihren Garten und einen großen Strauß für die Wohnung ein.

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