Kirche

Hattingen: Zeitenwende ist Thema des Grußwortes des Bischofs

Das Wort zum neuen Jahr 2020 von Bischof Dr. Franz-Josef Overbeck ist am Wochenende in katholischen Kirchen verlesen worden.

Das Wort zum neuen Jahr 2020 von Bischof Dr. Franz-Josef Overbeck ist am Wochenende in katholischen Kirchen verlesen worden.

Foto: Olaf Fuhrmann / FUNKE Foto Services

Hattingen.  Das „Wort des Bischofs“ zum eben begonnenen Jahr 2020 ist am Wochenende in Hattingen in katholischen Kirchen verlesen worden. Worum es da geht.

Die „Zeitenwende“ der katholischen Kirche steht im Mittelpunkt der Botschaft des Essener Bischofs Franz-Josef Overbeck zum neuen Jahr 2020. „Das Leid vieler Menschen schreit zum Himmel und beschämt mich sehr. Es ist höchste Zeit, dass wir uns fragen, wie es sein kann, dass die Kirche so viel menschliches Leid hervorruft“, so der Bischof.

Das „Wort des Bischofs“, das am 11. und 12. Januar, in allen Kirchen des Bistums Essen verlesen wurde, vertieft den Inhalt der Predigt, die Overbeck am Neujahrstag im Essener Dom gehalten hat.

Die Zeitenwende der Kirche, ausgelöst durch den Skandal sexueller Gewalt und eine rigide katholische Moral, verlange eine gründliche Umkehr – weg von der Institution, hin zu den einzelnen Menschen und deren Nöten. „Vor allem diejenigen, die vom Missbrauch, von sexueller Gewalt und/oder geistlichem Missbrauch betroffen sind, wollen gehört und gesehen werden. Aber auch die Menschen, die in Mitleidenschaft gezogen sind, kommen hinzu. Schließlich gibt es auch die vielen Generationen, deren Seelen oft und tief verletzt sind, weil sie lange mit Lebensverboten, moralischen Verurteilungen und seelischem Druck aufgewachsen sind, die ihr Leben dauerhaft beeinträchtigen“, so der Bischof.

Bischof verdeutlicht in Hattingen, dass Kirche kleiner und demütiger werden muss

Der „Synodale Weg“ der deutschen Kirche bedeute einen Neuaufbruch mit der Einwilligung, als Kirche kleiner und demütiger zu werden, differenzierte, vielschichtige Antworten zuzulassen und darauf zu verzichten, sich über andere Menschen besserwisserisch und arrogant zu erheben. Kirche sei kein Selbstzweck.

Die Themen des „Synodalen Weges“ ordnet Overbeck zukunftsorientiert ein: Macht in der Kirche brauche Kontrolle und Begrenzung. Über den Zölibat, der für nicht wenige Priester eine schwere Last bedeute, müsse neu nachgedacht werden. Fragen der Sexualmoral und Partnerschaft erforderten eine neue Bewertung, wobei immer noch gelte, dass die Sehnsucht der Menschen nach verlässlichen, dauerhaften Liebesbeziehungen dem Evangelium sehr nahe komme.

Bischof: Frauen von wichtigen Ämtern fernzuhalten, sei für viele nicht mehr akzeptabel

Frauen von den wichtigsten Ämtern der Kirche fernzuhalten, sei für immer mehr Menschen nicht mehr akzeptabel. Eindringlich bittet der Bischof die Katholiken im Bistum Essen: „Beteiligen Sie sich weiter an den Debatten, die wir in unserem Bistum in den verschiedenen Prozessen seit vielen Jahren führen, und die uns mehr und mehr verändern.“ Overbecks Wunsch: „Lassen Sie uns in dieser Zeitenwende beieinander bleiben, verschiedene Standpunkte aushalten und geduldig darauf setzen, dass sich in unserem Suchen und Ringen Gottes Geist zeigen wird.“

Das achtseitige „Wort des Bischofs“ steht zum Download zur Verfügung und ist in gedruckter Form erhältlich. Behindertenverbände und -einrichtungen können das Hirtenwort in leichter Sprache sowie als Audio-Datei über presse@bistum-essen.de beziehen.

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