Arbeit

Hattingen: Zahl der Zweitjobber im EN-Kreis steigt stark an

Immer mehr Menschen sind auf ein Nebeneinkommen angewiesen. Viele arbeiten nach Feierabend in der Gastronomie.

Immer mehr Menschen sind auf ein Nebeneinkommen angewiesen. Viele arbeiten nach Feierabend in der Gastronomie.

Foto: Lars Fröhlich / FUNKE Foto Services

Hattingen  Immer mehr Menschen im Ennepe-Ruhr-Kreis haben einen Zweitjob, insbesondere in Restaurants, Gaststätten, Hotels. Das sagt die Gewerkschaft NGG.

Rund 10.000 Menschen im Ennepe-Ruhr-Kreis haben neben ihrer regulären Stelle zusätzlich einen Minijob. Damit stieg die Zahl der Zweitjobber innerhalb von zehn Jahren um 44 Prozent, wie die Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG) mitteilt.

Die NGG Südwestfalen beruft sich hierbei auf jüngste Zahlen der Arbeitsagentur.

Zusatzjobs in Restaurants, Gaststätten und Hotels sind besonders verbreitet

Danach sind Zusatzjobs in Restaurants, Gaststätten und Hotels im Ennepe-Ruhr-Kreis besonders verbreitet: In der Branche gab es im Juni 2019 rund 1.000 Zweitjobber – das sind 75 Prozent mehr als zehn Jahre zuvor.

Gewerkschafterin Isabell Mura spricht von einer Schieflage auf dem Arbeitsmarkt: „Im Schatten des Booms der vergangenen Jahre sind viele sozialversicherungspflichtige Stellen entstanden, die oft kaum zum Leben reichen. Nebenjobs müssen dann die Haushaltskasse aufbessern. Aber wer auf einen Zweitjob angewiesen ist, der arbeitet meist am Limit – auf Kosten von Familie, Freunden und Freizeit“, so die Geschäftsführerin der NGG Südwestfalen.
Dabei treffe der Boom bei den Nebenjobs langfristig auch die heimische Wirtschaft.

Minijobber können keine Hotelfachleute ersetzen

„Gastronomen und Bäckermeister, die über den Fachkräftemangel klagen, aber gleichzeitig auf 450-Euro-Kräfte setzen, schneiden sich ins eigene Fleisch. Minijobber können keine Hotelfachleute ersetzen“, betont Mura. Doch Fachkräfte gewinne man nur mit ordentlichen Löhnen – „so hoch, dass die Beschäftigten keinen Zweitjob mehr brauchen“.

Über deutliche Lohnerhöhungen verhandelt die NGG aktuell bei Fast-Food-Ketten: Statt den Mindestlohn von 9,35 Euro sollen die Beschäftigten in der Branche künftig mindestens zwölf Euro pro Stunde bekommen.

Unternehmen müssen sich stärker um Nachwuchs kümmern

Entscheidend sei aber auch, dass sich Unternehmen stärker um Nachwuchs kümmern. „Eine Lehre im Lebensmittelhandwerk oder im Gastgewerbe kommt für Schulabgänger nur infrage, wenn der Lohn und die Ausbildungsbedingungen stimmen“, so Gewerkschafterin Mura.

Die NGG sieht aber auch die Politik in der Verantwortung. Die Zunahme der Zweitjobs sei auch das Ergebnis einer verfehlten Arbeitsmarktpolitik der Nullerjahre. Mit einer Reform könnte die Bundesregierung Minijobs voll in die Sozialversicherung einbeziehen. Allerdings sollten die Arbeitgeber den größten Teil der Beiträge zahlen. Das macht reguläre Stellen attraktiver und verschafft den Minijobbern heute eine bessere Absicherung“, so Mura.

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