Kunst

Hattingen: Wie Kunst im öffentlichen Raum gesehen wird

Die drei Eisenmänner an der Stadtmauer sind eines der künstlerischen Aushängeschilder Hattingens. Acht weitere Kolosse wurden jetzt im Henrichspark aufgestellt.

Die drei Eisenmänner an der Stadtmauer sind eines der künstlerischen Aushängeschilder Hattingens. Acht weitere Kolosse wurden jetzt im Henrichspark aufgestellt.

Foto: Svenja Hanusch / FUNKE Foto Services

Hattingen.  Polarisierung ist erlaubt, Schönheit umstritten – bei einer WAZ-Umfrage erzählen Bürger in Hattingen, wie sie Kunst im öffentlichen Raum sehen.

Fragt man hundert Personen, erhält man hundert unterschiedliche Antworten. Kunst ist Geschmackssache, eine Frage der Perspektive oder einfach nur die schlichte Entscheidung: Das gefällt mir, das gefällt mir nicht.

Aber was denken die Hattingerinnen und Hattinger eigentlich über Kunst im öffentlichen Raum? Die WAZ-Redaktion hat nachgehakt und die Bürgerinnen und Bürger in der Fußgängerzone um ihre Einschätzung gebeten.

Besonders die acht neuen Eisenmänner, die jetzt in Sichtweite des alten Hochofens der Henrichshütte stehen, und die Stadttore geben viel Anlass zur Diskussion. Und eines zeigt sich deutlich: Jeder hat seine eigene Interpretation von Kunst.

„Nicht jedes Tor ist ein Kunstwerk“

„Generell finde ist es gut, den öffentlichen Raum mit Kunstwerken, seien es Skulpturen oder plastische Installationen, zu versehen“, bezieht Stephanie Graf Stellung. Besonders die Akzentuierung der Stadttore als wichtige Weichen in der Zeitgeschichte von Hattingen würde das Stadtbild deutlich aufwerten. „Auch wenn ich persönlich nicht jedes Tor als ein Kunstwerk bezeichnen würde“, merkt Stephanie Graf mit einem Augenzwinkern weiter an.

Was sich in der Umfrage deutlich herauskristallisiert: Nur „schön“ aussehen allein genügt nicht. Was in Erinnerung bleibt und das Stadtbild von Hattingen für die Befragten prägt, sind Werke, mit denen sie sich selbst und ihren Heimatort identifiziert sehen. Häufig genanntes Motiv: die Eisenmänner.

Immer auch Geschmackssache

„Für mich gehören sie einfach zu Hattingen“, beschreibt Claudia Falkenhahn. Gerade die direkte Erinnerung an die reichhaltige Hüttengeschichte sei eine ebenso einfache wie wirkungsvolle Möglichkeit, auch Ortsfremden einen Eindruck von der Stadt zu geben. „Natürlich ist es auch immer Geschmackssache und kann polarisieren“, erklärt die Hattingerin.

Womit wir wieder bei den Stadttoren wären. „In der Vergangenheit war ihre Gestaltung immer wieder Inhalt großer öffentlicher Diskussion“, ergänzt Juliane Hansen. „Zu modern, zu abstrakt, unnötig, man hätte das Geld lieber für eine fachgerechte Rekonstruktion verwenden sollen, hieß es damals. Aber im Grund ist das doch eigentlich egal“, führt die Zweiundfünfzigjährige weiter aus.

„Kunst muss nicht gefallen“

Wie sie aussehen würden, sei nicht wichtig, sondern vielmehr, dass sie als Kunstwerk die Geschichte der Stadt zeigen und den Bewohnern einen kunstvollen Akzent zur Identifikation mit ihrer Stadt bieten würden.

Mit den Worten von Lars Friedrich, der individuelle Stadtführungen für Neugierige anbietet – unter anderem auch zur Kunst im öffentlichen Raum von Hattingen: „Kunst muss nicht gefallen, sie soll anregen und so die Stadt bereichern.“ In seiner Führung zeigt er die versteckten Schätze der Stadt und erklärt ihre Geschichte.

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