Digitalisierung

Hattingen verfolgt ein eigenes Modell für digitale Schulen

Der Hattinger Kämmerer will die Digitalisierung in der Schule vorantreiben.

Der Hattinger Kämmerer will die Digitalisierung in der Schule vorantreiben.

Foto: Daniel Reinhardt, dpa

Hattingen.   Der Hattinger Kämmerer lehnt die Idee der Landesregierung, Glasfaserkabel anzumieten, ab. Er sucht Unterstützer für einen eigenen Hattinger Weg.

Während Politik und Städte in Land und Bund heftig über die Digitalisierung an Schulen diskutieren, hat die Stadt Hattingen ruhig, aber energisch ihr Ziel verfolgt: „Alle Projekte haben sich planmäßig entwickelt“, freut sich Kämmerer Frank Mielke, Chef der städtischen IT-Abteilung. „Schon seit 2002 stehen Hattinger Schulen digitale Medien zur Verfügung. Aktuell geht es darum, die Schulen für den Unterricht, aber auch die Lehrerzimmer und die Sekretariate mit schnellem Internet und WLAN zu versorgen“, sagt Mielke.

Zurzeit werden an Schulen im Stadtgebiet rund 210 Programme und 600 Endgeräte mit 14 Servern dezentral für die Lehre eingesetzt. Für den Verwaltungsbereich der Schulen werden weitere 100 Endgeräte und 15 Softwareprodukte vorgehalten. „Unsere Techniker führen ein unstetes Berufsleben, weil jede Schule ein eigenes Netzwerk hat. Unser erklärtes Ziel ist es, für Schulen eine Cloud mit einem großen Server anzuschaffen, so wie es das schon für die Verwaltungsstandorte gibt“, sagt Mielke.

Hattingen gegen Idee der Landesregierung

Von der Idee der Landesregierung, die Glasfaserleitungen den Schulen für drei Jahre kostenlos zur Verfügung zu stellen, hält Mielke überhaupt nichts. „Was passiert denn all’ die Jahre danach? Dann müssen die Städte für die Kosten aufkommen. Bei langfristigen Verträgen ist man den Firmen bei der Preisgestaltung ausgeliefert.“

Nein, so Mielke, die Stadt gehe einen anderen Weg. „Wir verwenden einen Teil der Mittel aus dem Programm ,Gute Schule 2020’ für die Zentralisierung der IT-Infrastruktur.“ Hierfür sei ein Konzept entsprechend der Infrastruktur für die Verwaltung erarbeitet worden. „Wir streben eine weitgehende Verkabelung mit eigenen Glasfaserkabeln für die Schul-Cloud an.“ Man wolle die dezentrale Struktur an den Schulen aufgeben, um Ressourcen zu sparen, die für die Betreuung der neuen Medien dringend benötigt würden.

Schulen sollen bis spätestens 2021 am Netz sein

Die Glasfaserkabel müssen bis zu den Schulen gelegt, und dann die Leitungen innerhalb der Schulen bis in die Klassenräume verlegt werden. „Bei den weiterführenden Schulen gehe ich davon aus, dass diese Arbeiten, die zurzeit laufen, bis Ende des 1. Quartals 2020 fertiggestellt sind, bei den Grundschulen sollten die Arbeiten Ende des 1. Quartals 2021 erledigt sein.“

Mittlerweile sind auch so gut wie alle Lehrerzimmer bereits für das schnelle Internet verkabelt. In den nächsten Wochen, spätestens aber bis vor den Sommerferien, sollen die Arbeiten abgeschlossen sein. „Wir wollen uns mit dem Vorantreiben des leistungsstarken Internets bestens für die Zukunft aufstellen.“

Zusammenarbeit mit anderen Städten gewünscht

Zurzeit versucht Frank Mielke, die anderen Städte im Ennepe-Ruhr-Kreis davon zu überzeugen, den gleichen Weg zu gehen wie Hattingen und eigene Glasfaserkabel zu verlegen, sich also gegen das Mietmodell des Landes zu stellen. „Wenn wir viele Städte sind, können wir ja möglicherweise das Land überzeugen, uns Fördergelder dafür zu geben“, erklärt der Kämmerer.

Umsetzung notfalls mit Eigenmitteln der Stadt

Bis zu den Schulen sind die meisten Glasfaserkabel verlegt. Für die Verkabelung in den Gebäuden fehlen derzeit Handwerker.

„Sollten die jetzt und zukünftig zur Verfügung stehenden Fördermittel nicht ausreichen, um das Konzept vollkommen zu finanzieren, müssen Eigenmittel zur Verfügung gestellt werden. An der zügigen Digitalisierung der Schulen darf kein Weg vorbeiführen“, sagt der Kämmerer.

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