Gericht

Hattingen: Schläge gegen die Verlobte sind nicht zu beweisen

Im Zweifel für den Angeklagten, hieß es am Ende vor dem Hattinger Amtsgericht.

Im Zweifel für den Angeklagten, hieß es am Ende vor dem Hattinger Amtsgericht.

Foto: Armin Weigel / dpa

Hattingen.  Weil er bei dem Streit Polizisten beleidigte, muss der Angeklagte allerdings 1500 Euro zahlen. Dem hat der 32-jährige Hattinger zugestimmt.

Die Oma schuckelte das vier Wochen alte Enkelkind im Gerichtssaal, während der Sohn auf der Anklagebank Platz nahm. Angeklagt war der 32-Jährige K. wegen Körperverletzung. Im Grunde waren es am 21. Dezember 2019 zwei unterschiedliche Handlungen, über die Richter Johannes Kimmeskamp zu urteilen hatte.

In der Anklage, die die Staatsanwältin verlas, hieß es, der Angeklagte habe versucht, eine Person körperlich zu misshandeln und weitere Personen zu beleidigen und deren Gesundheit zu schädigen. Massiv alkoholisiert war der 32-Jährige an dem Tag, als er so heftig auf seine Verlobte einschlug, dass sie verletzt wurde.

Die 30-Jährige rief in ihrer Not die Polizei, die zur Wohnung eilte. Den Beamten gegenüber verhielt sich K. absolut aggressiv, sowohl körperlich als auch verbal. Er beschimpfte die Polizisten permanent auf das Übelste.

Zahlung geht an die Organisation „Deutschland hilft“

Noch bevor die Verhandlung richtig beginnen konnte, machte sein Anwalt, Tim Salewski, dem Gericht einen Vorschlag. Da es sich um zwei unterschiedliche Taten handelte, bat er zu prüfen, ob nicht der Widerstand gegen die Polizisten gegen eine Zahlung von 1500 Euro eingestellt werden könne. „Mit der Strafe in einer solchen Höhe ist mein Mandant finanziell erheblich belastet“, sagte er.

Dem Vorschlag stimmte der Richter zu, nachdem die Staatsanwältin eingehend geprüft hatte, ob man in diesem Fall so verfahren könne. Auch der Angeklagte selbst und sein Anwalt waren einverstanden. „Das Verfahren wird gegen Zahlung von 1500 Euro an die Organisation ,Deutschland hilft’ vorläufig eingestellt“, sagte Kimmeskamp. „Vorläufig heißt, Sie müssen sechs Monate lang regelmäßig 250 Euro an den Verein zahlen. Tun Sie das nicht, können wir Sie belangen.“

„Das ist hier ein klassischer Fall“

Der zweite Fall, die Gewalttat gegen seine Verlobte, war dann juristisch recht schnell erledigt. Da der Angeklagte nicht bereit war, sich zu der Tat zu äußern, und auch seine Verlobte, also die Geschädigte, von ihrem Zeugnisverweigerungsrecht Gebrauch machte, blieb Johannes Kimmeskamp nichts anderes übrig, als den 32-Jährigen freizusprechen. „Das ist hier ein klassischer Fall“, sagte der Richter. Hier muss ein Freispruch erfolgen aus Mangel an Beweisen.

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