Lesung

Hattingen: Robert Atzorn über Pannen, Ruhm und Ängste

Robert Atzorn und seine Frau Angelika lesen im Reschop Carré Hattingen aus ihrem Buch „Duschen  und Zähneputzen – was im Leben wirklich zählt“ und berichten aus ihrer Familie, von Pannen, Ruhm, Ängsten.

Robert Atzorn und seine Frau Angelika lesen im Reschop Carré Hattingen aus ihrem Buch „Duschen und Zähneputzen – was im Leben wirklich zählt“ und berichten aus ihrer Familie, von Pannen, Ruhm, Ängsten.

Foto: Bastian Haumann / FUNKE Foto Services

Hattingen.  TV- und Film-Star Robert Atzorn und seine Frau Angelika erzählen in Hattingen bei einer Lesung von Pannen, Verzicht, Ruhm, Angst und Familie.

Der aus Film und Fernsehen bekannte Schauspieler Robert Atzorn und seine Frau Angelika Hartung stellten im Foyer des Reschop Carrés in Hattingen ihr Buch „Duschen und Zähneputzen – was im Leben wirklich zählt“ vor – und gaben Persönliches preis.

„’Oh Gott, Herr Pfarrer’ und ‘Unser Lehrer Doktor Specht’ kennt jeder. Aber keiner weiß, wie die 20 Jahre davor waren, wie schwierig es war, sich durchzuschlagen,“ sagt TV-Star Robert Atzorn.

Schauspieler Robert Atzorn und seine Frau Angelika lesen in Hattingen aus ihrem Buch

„Deshalb haben wir dieses Buch geschrieben. Wir wollen das Bild vom Schauspieler, wie es von den Medien propagiert wird, geraderücken. Denn zwei Drittel aller Schauspieler leben am Existenzminimum, die sitzen nicht in den Talkshows. Und alle, auch die Großen wie zum Beispiel Iris Berben, leiden unter Existenzängsten. Weil man nie weiß: Kommt das nächste Engagement?“

„Aber die Leidenschaft trägt sie und treibt sie trotz allem voran“, ergänzt seine Frau Angelika, ausgebildete Tänzerin und Schauspielerin. Seit 1976 sind die beiden verheiratet. Und sie sehen sich oft mit der Frage konfrontiert: Mein Gott, wie habt ihr das geschafft? In der Branche? Das berichte sie bei der Veranstaltung, die Teil ist von „Literatur im Carré im Jubiläumsjahr der Stadtbibliothek.

Schauspieler erzählen aus ihrer Kindheit und vom Karriereverzicht aus Liebe

Zunächst erzählen Robert und Angelika Atzorn von ihrer Kindheit. Beide sind von Eltern großgezogen worden, denen der Krieg seinen Stempel aufgedrückt hat. „Mein Opa war meine Hauptbezugsperson, denn meine Mutter hatte der Krieg völlig aus der Bahn geworfen. Heute würde ich sagen, sie litt an einer schweren Depression“, erinnert sich Robert Atzorn.

Seinen Vater lernte er erst mit fünf Jahren kennen, als dieser 1950 aus der russischen Kriegsgefangenschaft zurückkehrte. „Ein großes, mageres, verdrecktes Vatermenschwesen stand da im Wohnzimmer. Meine Mutter steckte uns in eine Badewanne – nackt mit einem Fremden!“

Robert Atzorns’ Vater verdrängte Kriegserlebnisse

Seine Kriegserlebnisse verdrängte der Vater erfolglos. „’Darüber rede ich nicht!’, verweigerte er sich stets. Dabei saß er auf einem riesigen Aggressionspotenzial.“

Angelika Atzorns Mutter hatte mit ihrer ostpreußischen Heimat auch alles verloren, was ihr lieb war. Ihr Vater überlebte acht Stunden in der Ostsee, nachdem sein U-Boot torpediert worden war. Er wurde später Lehrer und war erzkonservativ. „Er wollte nicht, dass Mutter wieder arbeitet.“

Angelika Atzorn sagte Regisseur Peter Zadek ab

Auch über ihre ersten Schritte im Schauspielberuf berichten Robert und Angelika Atzorn. Zunächst sieht es so aus, als ob sie die „große Karriere“ machen würde, denn im Gegensatz zu Robert verläuft ihre Bewerbung am Bochumer Schauspielhaus bei dem legendären Regisseur Peter Zadek erfolgreich.

Für ihn ist das eine schlimme Erfahrung: „Ich Durchschnitt, sie Elite!“ Aber sie tritt das Engagement nicht an, weil sie keine Trennung von ihrem Mann will. „Es gibt Kopf- und es gibt Bauchentscheidungen“, stellt sie lakonisch fest. Auch in den nächsten Jahren lässt sie ihre Karriere zugunsten der Familie ruhen. „Mein Leben verlief im Off“, sagt Angelika Atzorn über diese Zeit.

Lampenfieber, Versagensängste, Schattenseiten des Ruhms begleiten Schauspieler

Und sie spricht sehr offen darüber, wie es sich anfühlt, wenn man im Wohnzimmer sitzt und seinen eigenen Mann im Fernsehen mit attraktiven Frauen in intimen Szenen sieht. Auch Robert Atzorn gewährt sehr persönliche Einblicke in das Leben hinter den Scheinwerfern, spricht offen über Lampenfieber, Versagensängste, schlechte Auftritte und die Schattenseiten des Ruhmes. Und über die Pannen bei der Hochzeitsreise.

Leserkommentare (0) Kommentar schreiben