Osterfeuer

Hattingen: Lieber Osterfeuer-Kontrolle als Genehmigung

Im Hügelland geht es oft gemütlich zu: Ab diesem Jahr muss jedes Osterfeuer angemeldet und dann von der Stadt Hattingen genehmigt werden.

Im Hügelland geht es oft gemütlich zu: Ab diesem Jahr muss jedes Osterfeuer angemeldet und dann von der Stadt Hattingen genehmigt werden.

Foto: Stefan Melneczuk

Hattingen.  Die Stadt Hattingen will die Zahl der Osterfeuer eindämmen – daher muss jetzt jedes einzelne nicht nur beantragt, sondern auch genehmigt werden.

Die Stadt will die Anzahl der Osterfeuer drastisch reduzieren. Dafür will sie ein neues Genehmigungsverfahren einführen. Schon vor vier Jahren verpflichtete die Stadt zur „Anzeigenpflicht für Brauchtumsfeuer“ – damit ging die Zahl von 445 Feuern in 2014 auf 224 in 2015 zurück.

Hattinger Bürger sind überrascht von der Anzahl der Osterfeuer

Bei einer Umfrage in der Innenstadt unter Hattinger Bürgern zeigen sich die Befragten überrascht angesichts der Anzahl an Feuern. Die Idee der Genehmigung finden die meisten Bürger sinnvoll, weil auch sie davon ausgehen, dass einige bloß ihren Müll verbrennen wollen. Das ist auch die Sorge der Stadt.

Claudia Frederking (55) findet es richtig, dass die Stadt das wahllose Verbrennen von Müll eindämmen will, nur die Methode hält sie für fragwürdig. „Der organisatorische Aufwand ist übertrieben. Es sollte lieber konkret kontrolliert werden, was ins Feuer geworfen wird“, findet sie. So sieht es auch Annabelle Hinskes (29), die manchmal im kleinen Kreis am Osterfeuer teilnimmt. „Man riecht es, wenn Holzfurniere oder Laminat ins Feuer geworfen werden, wo es eindeutig nicht hingehört.“ Sinnvoller fände sie deshalb, wenn die Stadt kontrollieren würde, was im Feuer landet. „An sich ist die Idee aber nicht verkehrt.“

Kritische Töne wegen der Umweltbelastung durch die Rauchentwicklung

Auch Andrea von Hagen (65) befürwortet, dass zukünftig in Hattingen weniger Feuer brennen sollen. „Zu St. Martin macht man ja mittlerweile auch weniger und eher ein symbolisches Feuer“, gibt sie zu bedenken. Ganz abgeschafft wissen, will sie es nämlich auf keinen Fall. „Dann geht ja Tradition verloren.“

Viele der Befragten sehen das Osterfeuer mittlerweile insgesamt kritisch wegen des Feinstaubs und der Umweltbelastung durch die Rauchentwicklung. Das Ehepaar Trzecziak denkt dabei an die kürzlichen Rauchschwaden wegen der Silvesterknallerei. „Als wir runter in die Stadt guckten, lag alles im Rauch“, so Isolde Trzecziak. Bei mehr als 200 Osterfeuern vermutet sie ähnliche Probleme. Dass manch einer den Tag nutzt, um seinen Grünschnitt zu verbrennen, verwundert sie nicht. „Das ist ja bestimmt auch sehr teuer, wenn man das bei der Deponie abgibt“, nimmt sie an. Brigitte Schwittay (68), die ländlich wohnt, entsorgt ihren Grünschnitt ordnungsgemäß. Alte Äste legt sie für Igel und andere Kleintiere auf dem Grundstück zusammen.

Geteiltes Echo auf Veröffentlichung der Orte

Dass die Orte der Feuer in Zukunft bekanntgemacht werden sollen, sorgt für unterschiedliche Reaktionen. Roberta Gubello freut es: „Wer alleine ist, kann dann zu der öffentlichen Veranstaltung gehen. Die Idee finde ich sehr gut.“ Sie schlägt ein großes von der Stadt organisiertes Feuer für alle vor. „In Italien ist das so üblich“, erzählt sie. Ulrike Giedmans (54) gibt zu bedenken, dass wer ein Osterfeuer genehmigt bekommt, auch verantwortlich ist. „Hinterher kommen viel zu viele Menschen“, befürchtet sie, „so, wie man das von Facebook-Partys gehört hat.“ Außerdem müssten die Leute, die sich dort versammeln, auch „irgendwie zusammenpassen“. Es sei die eine Sache, ob Nachbarn kämen oder Menschen, die man noch nie gesehen habe.

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