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Hattingen: Larven der Miniermotte setzen den Kastanien zu

Die Miniermotte, Trockenheit und ein zusätzlicher Pilzbefall setzen der Weißblühenden Rosskastanie am häufigsten zu.

Die Miniermotte, Trockenheit und ein zusätzlicher Pilzbefall setzen der Weißblühenden Rosskastanie am häufigsten zu.

Foto: Klaus Pollkläsener / FUNKE Foto Services

Hattingen.  Die nur drei Millimeter langen Tierchen sind schuld an den braunen Flecken auf den Blättern. Die Herkunft der Motte war lange Zeit unklar.

Die Blätter vieler Bäume werden schon braun. Das hängt oft mit dem Wassermangel zusammen, den der dritte zu trockene Sommer in Folge uns beschert hat. Aber nicht nur - manche Bäume werden auch noch von anderen Stressfaktoren geplagt. Die Kastanie zum Beispiel. Genauer, die Weißblühende Rosskastanie. Ein Baum, der auch in den Städten zu finden ist. Dort fällt die frühe fleckige Braunfärbung der Blätter natürlich besonders ins Auge.

Verantwortlich dafür ist häufig eine kleine Ursache mit großer Wirkung: die sogenannte Kastanienminiermotte. Gerade einmal drei Millimeter Körperlänge bringt sie auf. Ihre Eier legt sie auf den Blättern der Rosskastanie ab. Die Larven, die daraus nach ein bis zwei Wochen schlüpfen, fressen kleine Hohlräume aus den Blättern heraus. Was auf den Blattober- und Unterseiten übrig bleibt, vertrocknet und wird zu braunen Flecken.

Die ersten Eier werden während der Kastanienblüte abgelegt

Die Larven sind zwar auch nur wenige Millimeter klein, aber viele hungrige Miniermotten-Larven können an den Blättern zu erheblichen Schäden führen. Sind die Larven satt, verpuppen sie sich. In dem für Schmetterlinge charakteristischen Ruhestadium findet der Umbau zum Schmetterling statt.

Auch wenn Ihre Vorstellungen eines Schmetterlings vielleicht eine andere sein mag, die kleinen Motten gehören auch dazu. Die ersten Eier werden bereits während der Kastanienblüte abgelegt. Bei guten Bedingungen können bis in den Herbst hinein noch mindestens zwei weitere Generationen folgen.

Manche Städte starten Blattsammel-Aktionen

Ganz schön viel auszuhalten für so einen Kastanienbaum. Ob die Kastanienminiermotten die Bäume wirklich nachhaltig schädigen können, darüber gehen die Meinungen auseinander. Manche bezeichnen es vor allem als ein ästhetisches Problem. Allerdings setzen den Bäumen in Städten zusätzlich oft noch Faktoren wie ein zu kleiner Wurzelraum, Streusalze und Wassermangel zu.

Da manche Puppen in den herabfallenden Blättern den Winter überdauern und erst im kommenden Frühjahr als Motte schlüpfen, finden in manchen Städten im Herbst Blattsammel-Aktionen statt: Die herabgefallenen Kastanienblätter werden eingesammelt und in örtliche Kompostieranlagen gebracht.

Falllaub hat einen hohen Stellenwert

Die dort herrschenden hohen Temperaturen überstehen die Puppen nicht. Durch die Sammelaktionen wird die Miniermotte zwar nicht komplett bekämpft, aber die Anzahl der im kommenden Frühjahr schlüpfenden Motten wird verringert.

Falls Sie eine Kastanie mit braunen Blättern auf Ihrem Grundstück haben: Die Wärme eines normalen Komposthaufens im Garten reicht nicht aus, um die Puppen abzutöten. Falllaub hat außerdem einen hohen Stellenwert als Bodenschutz im Winter, als Nährstoffquelle und als Nahrung und Lebensraum für viele Kleinstlebewesen. Alternativ kann man daher auch die natürlichen Fressfeinde, wie insektenfressende Vögel, zum Beispiel Meisen, fördern.

Dann fand man sie zufällig in Herbar-Belegen in Griechenland

Woher die Motte ursprünglich stammt, war lange nicht klar. Dann aber fand man sie zufällig in Herbar-Belegen in Griechenland. Vielleicht erinnern Sie sich noch, wie sie früher Blumen und Blätter zwischen alten Zeitungen gepresst und damit getrocknet haben. Herbar-Belege sind im Grunde nichts anderes, nur auf wissenschaftlicher Basis.

Die Pflanzenart, Datum und Fundort und noch einiges mehr werden darauf vermerkt. Und in solch einem Herbar-Beleg einer Rosskastanie in Griechenland fand man die Larve einer Miniermotte, die vor 140 Jahren unbeabsichtigt mitgepresst worden war.

Sie fressen sich durch Blätter

Da sich in Herbar-Belegen aus dem Balkan aus den 1960er-Jahren sehr viele Larven finden, weiß man, dass es dort bereits zu einem Massenauftreten kam. Vermutlich sind die Motten dann im Laufe der Jahre unbeabsichtigt durch den Menschen über die Transportwege zu uns gelangt.

Übrigens ist die Ernährungsweise der Kastanienminiermotte gar nicht besonders außergewöhnlich. Einige Insekten, vor allem verschiedene Arten der Kleinschmetterlinge, Käfer und Fliegen zählen zu den sogenannten Minierern, die sich durch Blätter fressen. Diese Art der Nahrungsaufnahme hat nämlich den Vorteil, dass sie dem Insekt Schutz vor Fressfeinden und unliebsamer Witterung bietet.

Es besteht Verwechslungsgefahr

Die kleine Motte muss auch nicht an jedem braunen Fleck auf den Kastanienblättern Schuld sein. Verwechslungsgefahr besteht zum Beispiel mit den Flecken, die der Blattbräunepilz hinterlässt. Ob es das für die Kastanie besser macht, darf allerdings bezweifelt werden..

Zum Glück färbt sich das Laub im Oktober nicht nur braun, sondern in viele schöne bunte Herbstfarben. Wenn dann noch die Sonne scheint, ist das ein tolles Farbenspiel. Das sollte man genießen.

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