PHÄNOMEN

Hattingen: Krähen pflügen Wiesen um - beinahe wie Schweine

Eine zerrupfte Wiese auf dem Gelände der ehemaligen Henrichshütte. Krähen haben hier auf der Suche nach Nahrung tief im Rasen nach Futter gestochert.

Eine zerrupfte Wiese auf dem Gelände der ehemaligen Henrichshütte. Krähen haben hier auf der Suche nach Nahrung tief im Rasen nach Futter gestochert.

Foto: Bastian Haumann / FUNKE Foto Services

Hattingen.  Krähen stochern derzeit auf mancher Wiese in Hattingen tief im Rasen nach Futter. Ein Vogelexperte der Nabu erläutert die Hintergründe.

Zurzeit sieht so manche Wiese in Hattingen aus, als hätte eine Rotte Schweine den Rasen umgepflügt. Große Grasbüschel sind umgedreht, die Wurzeln liegen oben. Wiesen ähneln eher Ackern als gepflegten Grünflächen. „Das sind im Moment die Rabenvögel, Dohlen und Krähen vor allem, die auf Nahrungssuche sind. Die drehen tatsächlich ganze Rasenflächen um, weil sie die Larven der Wiesenschnake suchen“, sagt Thomas Griesohn-Pflieger, Vogelexperte der Nabu.

Dabei gehen die Rabenvögel nicht zimperlich vor. „Aber, wenn Schweine ein Gebiet durchwühlen, sieht das noch ganz anders aus. Mit ihren kräftigen Rüsseln gehen sie unter die Graswurzeln und ramponieren ganze Flächen“, erläutert Griesohn-Pflieger.

Krähen mögen die Larven der Wiesenschnaken

Ungefähr Mitte September schlüpfen die Larven der Wiesenschnaken, einer an sich harmlosen Mückenart. Die Tipula, wie diese mit lateinischem Namen heißt, hat ihre ihre Eier zuvor in den Boden abgelegt. Wenn die Larven aus diesen schlüpfen, stochern die Rabenvögel auf der Suche nach den Leckereien im Boden herum, sagt der Nabu-Experte Griesohn-Pflieger.

Er rät dazu, die Vögel nicht zu verscheuchen. „Denn wenn die Vögel die Larven nicht fressen, dann fressen die Larven die Graswurzeln und man hat so oder so braune Flecken im Rasen.“

Eine Lieblingsfutterstelle der Vögel ist nahe der Henrichshütte

Die Larven der Wiesenschnaken seien sehr nährstoffreich, aus diesem Grunde liebten die Rabenvögel sie auch so sehr. Zurzeit kann man von ihnen umgepflügten Wiesenstücke unter anderem in der Nähe der Henrichshütte sehen. Aber auch Vorgärten sind manchmal die Lieblingsfutterstelle der Vögel.

„Krähen und Dohlen sind ausgesprochen intelligente Tiere“, sagt Griesohn-Pflieger. Sie sind in der Lage, Menschen wiederzuerkennen und zwar unabhängig von der Kleidung. „Wenn jemand ihnen zum Beispiel etwas Leckeres gegeben hat, wissen sie genau, wer es war. Anders herum merken sie sich auch, wenn jemand nicht gut zu ihnen war. Experimente haben gezeigt, dass sie diese Menschen dann meiden.“

Krähen und Dohlen sind Allesfresser

Krähen und Dohlen sind Allesfresser. Sie mögen Kadaver genauso wie Würmer oder Eier von Vögeln. Sie lieben Insekten, Vogelküken und Eidechsen, wenn sie welche finden. Und anders als etwa Drosseln, die im Boden herumstochern, um an Würmer zu kommen, drehen Rabenvögel auch mal Steine um, lüften Moos und trockenes Gras, um zu gucken, ob sich leckere Insekten darunter befinden. „Weil sie so intelligent sind, nennt man sie auch geflügelte Primaten“, sagt der Nabu-Experte.

Paare entwickeln sogar eine eigene Kommunikation. „Und sie können lügen“, erzählt der Vogelliebhaber. „Wenn sie zum Beispiel eine Nuss vergraben haben und bemerken, dass ein anderer Vogel das Versteck gesehen hat, stoßen sie einen Warnschrei aus, als ob ein Habicht im Anflug wäre. Dann fliegen die anderen Vögel verschreckt weg und die Krähen holen sich schnell ihre Nuss und verstecken sie woanders.“

Der Rasen wächst auf Dauer gut weiter

Der Vogel-Fachmann rät, den Rasen, wenn Krähen ihn durchgepflügt haben, zu walzen und zu wässern und dann einfach nachzusäen. Er wachse auch auf Dauer wieder gut weiter, verspricht der Nabu-Experte.

Mehr aus Hattingen lesen Sie hier.

Leserkommentare (0) Kommentar schreiben