Klimaschutz

Hattingen: Klimaschützer haben konkrete Forderungen

Die Demonstranten der Gruppe Together for Future setzten sich am Freitag am Rathaus in Bewegung.

Die Demonstranten der Gruppe Together for Future setzten sich am Freitag am Rathaus in Bewegung.

Foto: Bastian Haumann / FUNKE Foto Services

Hattingen.  Viele Hattinger fangen an, ihren Alltag zu verändern, um die Umwelt zu schützen. Sie fordern aber auch die Stadt auf, Maßnahmen zügig zu starten.

Die Gruppe Together for Future hat am Freitag vor dem Hattinger Rathaus demonstriert. Im Gegensatz zu den Fridays for Future nahmen nicht nur Schüler an dem Klimastreik teil, sondern auch Rentner, Eltern und Kleinkinder.

Allen ist bewusst, dass sie bei sich und ihren Gewohnheiten anfangen müssen, um die schädlichen CO2-Emissionen zu senken. Viele nutzen deshalb andere Fortbewegungsmittel als das Auto. Petra Große-Stoltenberg (59) bezeichnet sich selbst als „Fußgängerin“. Zwar teile sie sich mit ihrem Mann ein Auto, aber das stehe die meiste Zeit nur herum.

„Das Autofahren hier ist mir einfach zu stressig“

Die meisten Besorgungen erledige sie zu Fuß oder mit dem Bus. Silke Koch (43) hat ihr Auto zugunsten einer Bahncard verkauft. „Das Autofahren hier ist mir einfach zu stressig“, erklärt sie. Viele Demonstranten sagen, dass sie gerne mehr für das Klima tun möchten; das Auto abgeben und stattdessen auf den öffentlichen Nahverkehr ausweichen, so einfach sei das aber nicht.

Elisabeth Bork (64) hat probeweise einen Monat auf ihren Wagen verzichtet und wollte nach Essen und Bochum mit Bus und Bahn von Niederwenigern aus fahren. „Ab 22 Uhr fährt ja kaum noch was. Und auch die S 3 soll jetzt nur noch zweimal die Stunde fahren“, was nicht bloß sie verärgert. Petra Große-Stoltenberg startete deswegen eine Unterschriftenaktion.

Schülerin spricht von einem „Klimapäckchen“

Auch die Anbindung von Sprockhövel ans Schienennetz in Richtung Ruhrgebiet und Rheinland wird bemängelt. Mit dem Auto komme man zwar schnell auf die Autobahn, aber ein Bus zum nächsten Bahnhof fahre nur einmal die Stunde. Bork bringt es auf den Punkt: „Der Individualverkehr muss unattraktiver gemacht werden, damit mehr Leute auf alternative und umweltschonende Verkehrsmittel umsteigen. Dazu gehört auch, dass die ÖPNV-Preise sinken.“

Das moniert auch Schülerin Johanna Finkeldey (17) bei ihrer Rede: Das „Klimapäckchen“, das von der Bundesregierung im September verabschiedet wurde, und eine Verringerung der Bahnticketpreise um zehn Prozent festschreibt, sei nicht die Lösung des Problems, meint sie.

Das Klimakonzept muss bekannter werden

Und auch an die Politiker der Stadt stellt sie klare Forderungen: „Das Klimakonzept muss unter den Bürgern bekannter gemacht werden. Ich habe mir die 240 Seiten durchgelesen, da wimmelt es von Fachchinesisch und Diagrammen, das versteht doch niemand.“

Statt dessen fordert sie Kooperationen mit den Schulen und mehr Bürgerdialog zum Thema. Robert Dedden (68) wünscht sich, dass das Konzept zeitnah umgesetzt wird. „Und zwar ganz schnell. Wir dürfen nicht warten, bis der Klimamanager einsetzt ist.“

Auch die Vermeidung von Plastik ist für viele selbstverständlich

Unter den Demonstranten scheint es auch selbstverständlich zu sein, den eigenen CO2-Fußabdruck zu mindern, indem man kein Fleisch isst oder sogar komplett auf tierische Produkte verzichtet. „Ich ernähre mich seit anderthalb Jahren vegan und spare damit zwei Tonnen CO2 im Jahr ein“, erklärt Katharina Dirks (24). Jakob Neuhaus (20) fühlt sich verpflichtet, vegetarisch zu essen, um die Emission der anderen auszugleichen.

Auch die Vermeidung von Plastik ist für viele selbstverständlich, der Jutebeutel ist längst wieder en vogue. Es gibt aber noch andere konkrete Vorschläge: Etwa die Spülbürste mit Holzgriff zu wählen, statt die aus Kunststoff. Oder im privaten Bereich keine Flüssigseife aus dem Seifenspender zu kaufen, sondern ein schönes Stück Seife zum Waschen der Hände zu verwenden.

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