Wirtschaft

Hattingen: Im EN-Kreis arbeitet jeder Sechste im Niedriglohn

Aus den zahlen der Arbeitsagentur geht hervor, dass Mini-Löhne besonders im Lebensmittelhandwerk und Gastgewerbe verbreitet sind, so die NGG.

Aus den zahlen der Arbeitsagentur geht hervor, dass Mini-Löhne besonders im Lebensmittelhandwerk und Gastgewerbe verbreitet sind, so die NGG.

Foto: IM / NGG

Hattingen.  Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten wertet Zahlen der Arbeitsagentur für den EN-Kreis aus

40 Stunden die Woche arbeiten – und trotzdem reicht’s am Monatsende nicht: Im Ennepe-Ruhr-Kreis arbeiten rund 11.200 Vollzeit-Beschäftigte zum Niedriglohn, berichtet die Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG). Damit liege jeder sechste Arbeitnehmer (15,5 Prozent) trotz voller Stundenzahl unter der amtlichen Niedriglohnschwelle von aktuell 2203 Euro brutto im Monat. Die NGG beruft sich hierbei auf Zahlen der Bundesagentur für Arbeit.

Geschäftsführerin Isabell Mura spricht von einem „Alarmsignal“. Tausende Menschen hätten trotz langer Arbeitstage enorme Probleme, finanziell über die Runden zu kommen. „In Bäckereien, Konditoreien, Fastfood-Betrieben, Restaurants und Hotels ist der Anteil von Niedriglohn-Beschäftigten dabei besonders hoch. Hier müssen die Firmen endlich deutlich höhere Löhne zahlen“, fordert Mura. Nach Angaben der Arbeitsagentur liegen bundesweit 53 Prozent aller Vollzeit-Beschäftigten im Lebensmittel- und Gastgewerbe unter der Niedriglohngrenze.

Hauptursache für diesen Zustand ist schwindende Tarifbindung

Eine Hauptursache für diesen Zustand ist nach Einschätzung der Gewerkschaft die schwindende Tarifbindung. „Auch im Ennepe-Ruhr-Kreis zahlen immer weniger Hoteliers und Gastronomen nach Tarif. Statt mit dem Tariflohn von 12,50 Euro pro Stunde geht ein gelernter Koch dann nur mit dem Mindestlohn von 9,19 Euro nach Hause. Wie soll man damit eine Familie durchbringen?“

Um diesen Trend zu stoppen, müssten sich Firmen, die Mitglied im Arbeitgeberverband sind, an die mit der Gewerkschaft ausgehandelten Tarifverträge halten und armutsfeste Löhne zahlen. Nach Beobachtung der NGG nimmt die Zahl der Verbandsmitglieder, die aus der Tarifgemeinschaft ausscheren, seit Jahren zu. „Außerdem muss es noch mehr Tarifverträge geben, zu denen ganze Branchen durch die Politik verpflichtet werden – gerade da, wo der Niedriglohnsektor wuchert.“

Das durchschnittliche Vollzeit-Einkommen liegt im Ennepe-Ruhr-Kreis laut Arbeitsagentur bei 3353 Euro (brutto) im Monat – im Bundesschnitt sind es 3304 Euro.

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