Gesichter und Geschichte(n)

Hattingen: Hubert Sombrowsky – Kümmerer der Kaufmannschaft

Herrenausstatter an der Heggerstraße: Hubert Sombrowsky war lange Jahre Vorsitzender des Einzelhandelsverbandes.

Herrenausstatter an der Heggerstraße: Hubert Sombrowsky war lange Jahre Vorsitzender des Einzelhandelsverbandes.

Foto: Werner Liesenhoff / WAZ

Hattingen.  34 Jahre lang steht Hubert Sombrowsky an der Spitze des Einzelhandelsverbandes. In Hattingen. Er hat den Wandel der Innenstadt vorangetrieben.

„Hattingen ist jetzt eine Einkaufsstadt mit Herz!“ Hubert Sombrowsky wählt seine Worte an diesem 19. Februar 1976 genau, denn der Chef des Einzelhandelsverbandes weiß, welche Bedeutung der Karstadt-Komplex in den kommenden Jahrzehnten für die Stadt hat. Qua Amt hat er sich das Geschäftshaus an der Großen Weilstraße gewünscht und vorangetrieben – als es fertig ist, kommen die Nörgler: „Pompöse Missgeburt“, sagen sie.

Sombrowsky sind solche Schwarzmaler egal, er trägt Sorge, dass der Einzelhandel im kleinen Hattingen vorankommt, dass endlich auch Menschen aus der Nachbarschaft auf die l(i)ebenswerte Altstadt und ihr Umfeld aufmerksam werden. Er kümmert sich ums Miteinander in der Kaufmannschaft.

112.000 Hüte Haben die Sombrowskys in 50 Jahren verkauft

Hubert Sombrowsky wird am 10. Mai 1922 in Hattingen geboren. Seine Eltern, Leni und Julius Sombrowsky­, betreiben an der Heggerstraße­ ein „Herren-Spezialgeschäft“ (ein erfolgreiches, Hubert Sombrowsky hat einmal ausgerechnet, dass sie in den ersten 50 Jahren des Bestehens unter anderem 112.000 Hüte verkauft haben). Der Juniorchef sorgt später dafür, dass es auch einige Angebote für Damen gibt.

Stets freundlich, gut gelaunt und gern zu einem Schwatz bereit – so lernen ihn seine Kunden kennen. Und schätzen. Er ist beliebt, hilft auch den Kollegen, die andere als Konkurrenz bezeichnen würden.

Einstieg in die lokale Politik bei den Freien Demokraten

Nach seiner Lehre als Einzelhandelskaufmann und den ersten beruflichen Schritten steigt Hubert Sombrowsky in die Politik ein und wird Mitglied bei den Freien Demokraten. Schon 1956 ist er Bürgerschaftsvertreter im Schulausschuss, von 1964 bis ‘69 sitzt er im Stadtrat. Nach der kommunalen Neuordnung geht es auf Kreisebene weiter: Kreisausschuss, Kreistag, stellvertretender Landrat.

„Seine besondere Sorge gilt den Belangen der sozial Schwachen, den behinderten und kranken Menschen, der Verbesserung und Neuerrichtung baulicher Anlagen der Krankenhäuser“, wird er bei der Verleihung des Bundesverdienstkreuzes am 4. August 1983 gelobt. Und: „Die Re-Organisation der Einzelhandelsverbände Westfalen und insbesondere im südwestfälischen Raum geht wesentlich auf seine Bemühungen zurück.“

Hubert Sombrowsky hat drei Kinder (darunter Klaus, der evangelischer Pfarrer und SPD-Mitglied wird – und in der Stadt genauso beliebt ist wie sein Vater). In seiner Freizeit spielt der Geschäftsmann am liebsten Tennis, kommt zur Ruhe­ und auf andere Gedanken. Bei der Tennisgesellschaft Rot-Weiß an der Waldstraße gehört er auch dem Vorstand an.

Einsatz für die IHK und den Landschaftsverband

Zurück ins Berufsleben. Das Geschäft auf der oberen Heggerstraße läuft gut, es gibt viele Jahre, in denen sich der Hattinger auf seine Arbeit für die IHK, den Landschaftsverband und seine Fachverbände konzentrieren kann.

Zu Sombrowskys „bedeutend­sten Leistungen“ gehöre die Mitwirkung und Mitsprache bei der Sanierung der Hattinger Innenstadt, stellt der Einzelhandelsverband Südwestfalen heraus. Womit wir wieder bei der Karstadt-Eröffnung sind. „Zu Recht blickt er auf diese Schaffensperiode, denn wo findet man noch eine so schöne und attraktive Innenstadt“, heißt es im Jahr 1982. Einfühlungsvermögen und Entschlusskraft werden betont. Nein, und das ist allen klar, eine „pompöse Missgeburt“ ist das Kaufhaus damit sicher nicht – auch wenn es nicht gerade schön aussieht.

„So gut, wie ich dargestellt werde, bin ich weiß Gott nicht“, sagt Sombrowsky selbst im Rahmen seines 70. Geburtstages gegenüber der WAZ-Redaktion. Und dieses Zurücknehmende bestätigt dann all seine Lobredner nur. Bis zu seinem Tod bleibt er stets präsent – Hubert Sombrowsky stirbt am 13. März 2001 im Alter von 78 Jahren.

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