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Hattingen: Geschäft für Verkauf und Reparatur von Antikuhren

Holger Hendriks ist Inhaber des Geschäfts gleichnamigen Antik-Uhren-Geschäfts in Hattingen-Niederbonsfeld.

Holger Hendriks ist Inhaber des Geschäfts gleichnamigen Antik-Uhren-Geschäfts in Hattingen-Niederbonsfeld.

Foto: Barbara Zabka / FUNKE Foto Services

Hattingen.  Verkauf und Reparatur antiker Uhren, auch mit Wachtel, bietet Holger Hendriks im Geschäft in Hattingen. Warum er Laufkundschaft nicht braucht.

Wie die Zeit vergeht. Das zeigt nicht nur der große Zeitmesser über dem Eingang zu Holger Hendriks’ Geschäft „Hendriks – Antike Uhren“ in Hattingen, sondern das ist im Laden sogar zu hören. Es tickt und schlägt in den Räumen.

Die sind gemütlich mit ihren Holzbalken, ermöglichen eine Entdeckungs- und Zeitreise. Uhren über Uhren hängen, stehen und liegen im Haus an der Kohlenstraße 407: Taschenuhren, Armbanduhren, Standuhren, Wanduhren und eine Spieluhr von 1860. Knapp 200 Fachbücher hat Holger Hendriks (54), der sich Antikuhrmacher nennt und antike Uhren nicht nur verkauft, sondern auch repariert – so wie die, die ihn per Post aus England erreichte.

In seinem Geschäft in Hattingen verkauft und repariert Holger Hendriks antike Uhren

Seine Kunden kommen von weit her, sogar aus Kanada schickte einer eine Uhr. Denn: „Es gibt kaum noch Fachleute für die Reparatur von antiken Uhren“, weiß Hendriks, der auch Abhol- und Bringservice bietet. Bis zu 100 Kilometer fahren Kunden, um persönlich vorbeizukommen.

Das müssen sie zum Teil auch – denn über das Internet verkauft er nichts. „Eine Uhr muss man sehen, hören, anfassen können.“ Männer, weiß Hendriks, achten bei der Uhrenwahl eher auf die Technik, Frauen auf Aussehen und Klang.

Erst kommt die Wachtel aus der Uhr, dann der Kuckuck

Auf einem Schrank steht eine seltene, 85 Zentimeter hohe Stand-Kuckucksuhr, aus der jede Viertelstunde erst eine Wachtel kommt – und dann der Kuckuck. In einen Flugzeugpropeller von 1918 ist eine Uhr eingebaut. Antike Großuhren gibt’s ab 300 Euro. Nach oben ist dem Preis keine Grenze gesetzt. „Aber 10.000 Euro gibt heute niemand mehr aus.“

Zwei Uhrmacher beschäftigt Hendriks. Die Wartezeiten bei Reparaturen liegen „zwischen drei und acht Monaten“, erklärt Hendriks, der am Ticken erkennt, ob „die Symmetrie stimmt“ – und ob es eine Wand- oder Standuhr ist.

Auch Antiquitäten gibt es in Holger Hendriks’ Geschäft in Niederbonsfeld

Möbeltischler hat der überzeugte Niederbonsfelder gelernt, weil damals der Fokus des Geschäfts noch auf Antiquitäten lag. Davon zeugen betagte Stücke aus dem Bergbau, der Vermessung. Unter vier Dampfmaschinen prangen vier Kaffeemühlen in einem Schrank. In einem anderen englische Bügeleisenuntersetzer aus Messing. Ein antiker Getreideprober diente einst der Feststellung, ob ein Bauer das Gewicht seines Getreides durch Anfeuchten erhöhte. „Aber unser Hauptgeschäft sind Uhren.“

Ersatzteile für Uhren zu finden, sei inzwischen oft schwierig. Doch durch seine gute internationale Vernetzung mit anderen Fachleuten gelingt es Hendriks zumeist. Konzentration bräuchte es für die Reparatur – und zwei Hände. Darum lässt Hendriks nicht gleich alles fallen, wenn das Telefon im Geschäft klingelt. „Ich rufe aber zurück.“ An der Eingangstür steht: „Bitte zwei Mal klingeln und etwas Geduld“.

Für mechanische Uhren tut Holger Hendriks alles

Ein Ladenlokal in der Fußgängerzone kommt für Hendriks nicht in Frage. „Wir wechseln keine Batterien.“ Auf Laufkundschaft ist er nicht angewiesen. Auch nicht auf Werbung. „Kunden finden uns übers Internet.“ Gut sichtbar sei das Geschäft außerdem an der viel befahrenen Straße. „Hier kommen pro Stunde zu Spitzenzeiten 600, 700 Autos vorbei.“

75 Prozent der Reparaturen machen Großuhren aus. Für die Testläufe der Uhrwerke hat Hendriks eigens Holzgestelle gefertigt. Und Reparaturberatungen dauerten auch schon gerne mal mehr als eine halbe Stunde. Ein Verkaufsgespräch ungleich länger.

Leidenschaft ist vom Vater auf den Sohn übergesprungen

Von seinem Vater hat Hendriks die Leidenschaft für Antikes und Uhren. Denn er eröffnete das 140 Quadratmeter große Geschäft 1979 – dazu kommt noch die Werkstatt. Holger Hendriks übernahm 1991. „Das war nie eine Frage. Ich bin damit groß geworden.“ Mit zehn Jahren legte sein Vater ihm eine mechanische Armbanduhr in die Hände – und er durfte tüfteln, wie die denn wohl zu reparieren sei.

Damals scheiterte er. Heute „bekommen wir hier jede mechanische Uhr ans Laufen. Wir geben keine Uhr auf, wenn der Besitzer es auch nicht tut. Das ist eben eine Frage von Geld – und Geduld.“ Es braucht eben Zeit, damit die Uhr wieder lange richtig tickt.

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