Gesundheit

Hattingen hat genügend Hausärzte – aber nicht mehr lange

Hattingen ist mit Hausärzten gut versorgt, ist die aktuelle Bilanz der Kassenärztlichen Vereinigung (KV) Westfalen-Lippe.

Hattingen ist mit Hausärzten gut versorgt, ist die aktuelle Bilanz der Kassenärztlichen Vereinigung (KV) Westfalen-Lippe.

Foto: Jakob Studnar / WAZ

Hattingen.  Niederlassungsstopp: Momentan ist kein weiterer Hausarzt in Hattingen erlaubt – doch das wird sich schon in wenigen Jahren wieder ändern.

Hattingen ist zurzeit mit Hausärzten bestens ausgestattet – das sagt die Statistik der Kassenärztlichen Vereinigung Westfalen-Lippe (KVWL) in Dortmund. Momentan kann sich kein weiterer Hausarzt mehr niederlassen. Das kann und wird sich in den nächsten Jahren ändern. „Denn aktuell sind rund 44 Prozent der Hausärzte älter als 60 Jahre“, teilt die KV mit. In Westfalen-Lippe dagegen sind es nur 38 Prozent.

Auf Basis der Bedarfsplanung werden 22 Arztgruppen zusammengefasst

Wie viele Ärzte und Psychotherapeuten für eine Stadt, einen Kreis oder eine Region benötigt werden, wird in der sogenannten Bedarfsplanung festgelegt. Damit soll eine ausreichende flächendeckende Versorgung geleistet, Fehlversorgungen sollen vermieden werden.

Insgesamt werden auf Basis der Bedarfsplanung 22 Arztgruppen zusammengefasst: hausärztliche, fachärztliche Versorgung, zu der zum Beispiel Gynäkologen, Kinder- und Augenärzte gehören, spezialisierte Arztgruppen wie Radiologen und Anästhesisten und eine vierte Gruppe wie Laborärzte, Pathologen und Neurochirurgen.

Das Verhältnis der Einwohnerzahl in Relation um Arzt wird festgelegt

Jede Gruppe hat einen eigenen Planungsbereich, der das Verhältnis zwischen der Einwohnerzahl je Arzt, beziehungsweise Psychotherapeut festlegt. Berücksichtigt wird auch die demografische Entwicklung, die Geschlechterverteilung und die Sterblichkeit der Bevölkerung im jeweiligen Gebiet.

Stimmt das Verhältnis zwischen Arzt und Patient in einer Region mit der gesetzlichen Vorgabe überein, dann beträgt der Versorgungsgrad genau 100 Prozent. „Ab einem Versorgungsgrad von 75 Prozent mit Hausärzten und 50 Prozent mit Fachärzten und Psychotherapeuten gilt eine Region als unterversorgt“, betont die KV.

Auch in Hattingen fängt eine Überversorgung erst ab 110 Prozent an

Das Ruhrgebiet wird dabei als Sonderregion geführt. Dort fängt eine Überversorgung erst ab 110 Prozent an. Dann darf sich kein Arzt mehr niederlassen. Dieser Maßstab gilt ebenfalls für Hattingen. Um auch in Zukunft eine flächendeckende hausärztliche Versorgung in Westfalen-Lippe zu gewährleisten, hat die KV verschiedene Maßnahme ergriffen.

„Das ist ein Förderverzeichnis und die Nachwuchskampagne Praxisstart“, erklärt die Kassenärztliche Vereinigung. Das Förderverzeichnis ist als Frühwarnsystem zu verstehen, mit dem die KV aufzeigen kann, in welchen Gemeinden sich in naher Zukunft Probleme mit der ärztlichen Versorgung entwickeln könnten. Wichtige Indikatoren sind die Altersstruktur und die Versorgungsdichte der Mediziner vor Ort.

KVWL unterstützt Ärzte beim Praxisaufbau oder der Praxisübernahme

Ärzte, die sich in den auf dem Förderverzeichnis geführten Städten und Gemeinden niederlassen möchten, können beim Vorstand der KV einen Antrag auf besondere Maßnahmen zur Unterstützung stellen. Hierzu zählen zum Beispiel die Übernahme von Umzugs- und Einrichtungskosten und die Gewährung von Darlehen zum Praxisaufbau oder zur Praxisübernahme. „Im Herbst 2019 hat der KVWL-Vorstand die 100. Förderung genehmigt.“

Mit der Kampagne Praxisstart, die es seit dem Jahr 2014 gibt, wird verstärkt um medizinischen Nachwuchs in der ambulanten Versorgung geworben. Nach dem Motto: „Nach der Theorie kommt die Praxis“ suchen Experten der KV den Austausch mit Medizinstudenten an den Universitäten der Region, um sie über berufliche Perspektiven im ambulanten Bereich zu informieren.

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