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Hattingen: Diese Tattoos gibt es bei „Native Rituals“

Christian Rihm in seinem Studio „Native Rituals Tattoo & Piercing“ in Hattingen. Es ist zugleich Atelier. Rechts das Bild aus der Serien Nanowelten: das Hinterteil einer Eier legenden Fruchtfliege.

Christian Rihm in seinem Studio „Native Rituals Tattoo & Piercing“ in Hattingen. Es ist zugleich Atelier. Rechts das Bild aus der Serien Nanowelten: das Hinterteil einer Eier legenden Fruchtfliege.

Foto: Walter Fischer / FUNKE Foto Services

Hattingen.  Einige Aufträge nimmt Tätowierer und Akademie-Inhaber Christian Rihm von „Native Rituals Tattoo & Piercing“ in Hattingen nicht an. Seine Gründe.

Erst mit Schaufenster an der Kleinen Weilstraße, dann mit noch größerem auf der Heggerstraße – jetzt braucht Christian Rihm, Inhaber von „Native Rituals Tattoo & Piercing“ sowie der Wing Chun Akademie Hattingen kein Schaufenster mehr: Denn die Kunden finden auch so zu seinem Geschäft.

Viele Kunden finden ihn über soziale Medien – über Instagram oder Facebook

Christian Rihm sitzt inzwischen mit Atelier, Studio und Akademie im ersten Obergeschoss im Gebäude Heggerstraße 24-30. „Die Menschen finden mich längst über Instagram oder Facebook“, sagt Christian Rihm (44).

Wer sich hier tätowieren oder piercen lässt, findet sich umgeben von Rihms Werken. Nanowelten faszinieren ihn: Er zeigt auf ein Bild, das abstrakt wirkt – aber das Hinterteil einer Eier legenden Fruchtfliege zeigt – mit Rosa- und Lilatönen.

Er entschloss sich, sein Studio in die Räume des Ateliers und der Akademie zu legen

Vor eineinhalb Jahren entschloss sich Rihm, sein Studio in die 140 Quadratmeter umfassenden Räume des Ateliers und der Wing-Chun-Akademie zu legen. Denn: „Um mich herum standen immer wieder Ladenlokale leer, immer wieder siedelte es sich etwas anderes an“, bedauert er.

https://www.waz.de/staedte/hattingen/hattinger-retter-lernen-selbstverteidigung-id215603995.html„Seine erste Nadel gestochen“, wie der gebürtige Heidelberger es nennt, den die Liebe ins Ruhrgebiet brachte, hat er 1996. Seitdem befasst er sich mit „Body-Modification“. Dass das Tätowieren so in Mode gekommen ist, ist für ihn nicht nur erfreulich. „Die Szene hat sich nicht in die optimale Richtung verändert.“ Feingefühl fehlt ihm inzwischen oft, sagt er.

Auf dem Fensterbrett stehen die „Piercing Bible“ und die „Geschichte der Tätowierung“

Gemütlich ist es im Studio regelrecht. Auf dem Fensterbrett stehen die „Piercing Bible“ und die „Geschichte der Tätowierung in Deutschland“, auf einem Schrank findet sich eine „Enzyklopädie der Schmetterlinge“. Diskret stehen in einem antiken Schrank die Farben fürs Tätowieren. Eine Liege steht in der Zimmermitte. Inzwischen zeichnet Rihm die Tattoos mittels eines PC-Programms. Der Rest ist und bleibt Handarbeit.

Seine Kunden kommen aus der ganzen Region. Immer wieder lädt er auch befreundete Tätowierer ein. Jeden Auftrag indes nimmt er nicht an. Rechtsradikale Zeichen bringt er nicht auf die Haut. „Aber das fragt bei uns auch keiner nach, wir hatten ja im Schaufenster auf der Heggerstraße das Schild ,Refugees welcome’“, erinnert er.

Das erste Tattoo auf die Hand, auf den Hals oder ins Gesicht? Nicht mit ihm!

Das erste Tattoo auf die Hand, auf den Hals oder ins Gesicht? Mit Rihm nicht zu machen. Denn: „Manche denken gar nicht weiter. Heute sind Tätowierungen schon akzeptierter, aber eine 18-Jährige, die ein Symbol auf den Unterarm möchte? Das mache ich nicht. Ich berate, ob es nicht besser auf dem Oberarm sei, wo es unter dem T-Shirt bleiben kann.“ Respekt vor dem Körper ist ihm wichtig – und der mit Körper-Veränderungen einhergehenden Exhibitionismus in den Medien stört ihn. Früher seien Tattoos Rebellion gewesen, heute seien sie Mode.

Implantate setzt er nicht mehr ein. „Zu mir kamen teilweise Menschen, die noch kein Piercing hatten, aber Silikon-Hörnchen auf der Stirn haben wollten. Das geht nicht. Es wird alles immer krasser.“

2007 eröffnete Christian Rihm, der gelernter Werkzeugmechaniker ist und auch schon Feuerwehrleuten und Sanitätern Selbstverteidigung beigebracht hat, sein erstes Tattoo-Studio an der Kleinen Weilstraße. Zuvor hatte er mit seiner Frau in New York gearbeitet für eine Essener Firma, die Piercing-Schmuck produziert, Großhändlerin ist. Aber das hektische Leben in den USA sollte sich nicht ewig fortsetzen. Das Paar kehrte zurück, entschloss sich irgendwann, ein eigenes Studio zu eröffnen.

Die Wahl fiel auf Hattingen. Rihm zog auch in die Stadt. Bereut hat der Vater einer 13-jährigen Tochter den Schritt nicht. „Hier zu leben ist schön, ich bin viel im Wald, engagiere mich im Angelverein, organisiere übers Studio auch gerne Spendenaktionen zum Beispiel für die Flüchtlingshilfe.“

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