Auktion

Hattingen: 8000 Euro Mindestgebot für Emmy Roths Werk

Blick auf die Aktion: Ein Silber-Ensemble von Emmy Roth – Silberschmiedin aus Hattingen – steht zum Verkauf. Das Mindestgebot liegt bei 8000 Euro.

Blick auf die Aktion: Ein Silber-Ensemble von Emmy Roth – Silberschmiedin aus Hattingen – steht zum Verkauf. Das Mindestgebot liegt bei 8000 Euro.

Foto: Walter Fischer / FUNKE Foto Services

Hattingen.  Emmy Roth aus Hattingen war eine (welt-)berühmte Silberschmiedin. Jetzt wird eines ihrer Ensemble versteigert – Mindestgebot: 8000 Euro.

Dass Emmy Roth nicht nur eine Handwerkerin, sondern auch eine Künstlerin war, hat sie im Laufe ihres Berufslebens gleich mehrfach bewiesen. Jetzt steht ein Ensemble (Silberkernstück mit Tablett) aus der Hand der Hattinger Silberschmiedin (1885-1942) in einer Auktion. Mindestgebot: 8000 Euro.

Silber hatte für Emmy Roth stets eine besondere Bedeutung

„Silber ist ein Körper, der für sich lebt. Man kann ein minderwertiges Material versilbern, aber das ist niemals, na eben – Silber.“

Ja, Silber hatte für Emmy Roth stets eine besondere Bedeutung. Bei dem Ensemble, das beim Mehlis-Auktionshaus in Plauen angeboten wird, handelt es sich um ein Tablett (34 Zentimeter) sowie eine 20 Zentimeter hohe Kanne – „sehr guter Originalzustand“, so das Fach-Urteil. Zusammen wiegen die Teile mehr als anderthalb Kilo. Es ist Art Déco, hergestellt um das Jahr 1930, während ihrer Berliner Jahre an der Clausewitzstraße.

Das Auktionshaus Mehlis versteigert viermal im Jahr mehrere Tausend Positionen aller Sammelgebiete mit den Schwerpunkten Jugendstil, Art Déco und Angewandte Kunst des 20. Jahrhunderts. Die nun kommende ist die 97. Auktion.

Drittes Kind der bedeutenden Hattinger Kaufmanns-Familie Urias

Emmy Roth wird am 12. Mai 1885 als drittes Kind von Jakob und Adelheid Urias – einer bedeutenden jüdischen Kaufmannsfamilie in Hattingen – geboren. Den Namen Roth, unter dem sie (welt-)bekannt wird, hat sie von ihrem dritten Ehemann. Sie nimmt als einzige Frau eine Lehre als Gold- und Silberschmiedin bei der Düsseldorfer Silberschmiede­firma Conrad Anton Beumers auf und macht ihren Meister.

Die Hattingerin lebt ihre Kreativität aus, klar und funktional arbeitet sie, ohne Schnörkel. „Form ist Ausdruck meines Lebens“ , sagt sie.

Ihre Arbeit markiert den Schlusspunkt einer glanzvollen Epoche

„Ihre Arbeit markiert nicht nur den Schlusspunkt einer glanzvollen Epoche europäischer Silberschmiedekunst, sondern bezeichnet darüber hinaus das Ende einer auf eine humane Gesellschaft gerichteten Erwartung, die hinter den Reformbestrebungen der Jahrhundertwende gestanden hatte“, so Art-Experte Peter Schmitt.

Mit der Machtübernahme der Nationalsozialisten endet Emmy Roths Gedankenfreiheit. Als Jüdin ist sie nicht erwünscht, und als eine Frau, die sich im künstlerischen Bereich engagiert, ganz besonders nicht. Noch im Jahr 1933 flüchtet Emmy Roth nach Paris und gründet eine Werkstatt. Zwei Jahre später zieht sie nach Palästina, erst nach Jerusalem, später nach Tel Aviv. Hier erkrankt sie an Krebs. Im Alter von 57 Jahren trinkt sie Lösungsmittel, begeht am 11. Juli 1942 in Tel Aviv Selbstmord.

Stadt Hattingen wahrt die Erinnerung an Emmy Roth

Die Stadt Hattingen wahrt die Erinnerung an Emmy Roth, zum Beispiel durch einen Stolperstein aus Messing, der sich im Steinhagen befindet, ganz in der Nähe des ehemaligen Kaufhauses ihrer Eltern. Die Patenschaft hierfür hat der „KünstlerBunt MultiColor“ übernommen. Zudem­ heißt Erschließungsstraße im Neubaugebiet am Pottacker Emmy-Roth-Straße.

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