Interview

Handgemachten Rock gibt’s immer weniger

Julius Schwoerer-Böhning hat selbst mit 13 Jahren zum ersten Mal eine Band gegründet. Er sieht die Schule als Hauptursache für den fehlenden Nachwuchs und vermisst zudem Strukturen vor Ort. Foto:Dietmar Wäsche

Julius Schwoerer-Böhning hat selbst mit 13 Jahren zum ersten Mal eine Band gegründet. Er sieht die Schule als Hauptursache für den fehlenden Nachwuchs und vermisst zudem Strukturen vor Ort. Foto:Dietmar Wäsche

Julius Schwoerer-Böhning spricht über die Schwierigkeiten junger Bands. Der 21-Jährige: Es fehlt an Strukturen, die die Leute zusammenführen.

Hattingen. Julius Schwoerer-Böhning ist zwar erst 21 Jahre alt, er weiß aber, wie schwierig es ist, als junger Musiker eine Band zu gründen. WAZ-Mitarbeiterin Lydia Heuser hat sich mit ihm darüber unterhalten.

Andreas Schmitt vom Haus der Jugend hat sich jüngst darüber beklagt, dass es zu wenige Nachwuchsbands in der Region gebe. Können Sie das bestätigen?

Julius Schwoerer-Böhning: Ja, das ist tatsächlich so. Auch die von Schmitt genannten Gründe, wie fehlende Proberäume und Schulbands mit schulinternen Veranstaltungen, kann ich nur bestätigen. Die handgemachte Rockmusik gibt es leider immer weniger. Die Proberaum-Situation ist tatsächlich sehr schlecht. Es gibt zwar die Proberäume in den alten Bredenscheider Gummiwerken, aber die sind sehr teuer. Was auch berechtigt ist, weil sie, soweit ich das gesehen habe, verdammt hochwertig ausgestattet sind. Aber es fehlt definitiv an bezahlbaren Räumlichkeiten.

Welche Gründe gibt es Ihrer Meinung nach noch, warum der Nachwuchs fehlt?

Dass Band-Nachwuchs fehlt, hat seine Ursache zum Beispiel am G8 der Gymnasien und den langen Schulzeiten. Jugendliche haben einfach keine Zeit mehr, nach der Schule noch mit einer Band zu proben. Ich selbst hatte damals bis 16 Uhr Schule, musste dann noch die Hausaufgaben machen, zur Theaterprobe, zum Fußball oder zur ehrenamtlichen Arbeit der Gemeinde. Ich wollte aber trotzdem eine Band und so blieb ein Hobby – Fußball – auf der Strecke. Die Schule habe ich außerdem dann auch vernachlässigt, so dass ich zusätzlich Nachhilfe-Unterricht hatte und im Endeffekt wieder weniger Zeit für die Band. Während des Abiturs war das alles eine immense Belastung und wir haben uns dann zurückgehalten, um uns auf die Abschlüsse konzentrieren zu können.

Haben Sie Lösungsvorschläge?

Die Ressourcen sind ja da. In jeder Klasse gibt es Schüler, die Rock­instrumente spielen. Aber es fehlt an Strukturen, die die Leute zusammenführen und anspornen gemeinsam Musik zu machen. Die Schulbands sind ja meist nur Jazz-, Swing- oder Bigbands und proben während der Schulzeiten mit den Musiklehrern. Warum nicht einfach mal in jeder Schule eine Rockband zum Schulmusikprogramm hinzufügen? Um etwas am jetzigen Stand zu verändern, müssen gemeinsam Ideen gefunden werden.

Aber es gibt doch zum Beispiel den Mukkeklub, eine Art Rock-Musikschule.

Ja, der Mukkeklub in Welper ist ein sehr gutes Beispiel und die Macher sind tief verwurzelt in der Hattinger Musikszene. Sie sind total wichtig und gemeinsam mit der Musikschule decken sie auch, meine ich, den Bedarf an Musikschulen für Rock und Klassik ab. Aber es braucht mehr. Das Newcomerfestival zum Beispiel war doch damals ein echter Ansporn für Bands in Hattingen. Wir haben in Sprockhövel mit dem Schichtfest versucht, etwas Ähnliches zu etablieren. Bei der Premiere konnten wir noch Preise ausloben, 2017 war schon kein Geld mehr da. Warum werden die Fördergelder aus Hattingen und Sprockhövel nicht in einen Topf geworfen und der Austragungsort für einen Nachwuchs-Contest wechselt jedes Jahr? Wenn man dann noch mit Förderpreisen lockt, einem Tag im Tonstudio etwa, das wäre ein echter Anreiz für Musiker, mehr Zeit und Mühe in eine eigene Band zu investieren. Ich glaube außerdem, dass, wenn es mehr Schul-Rockbands geben würde und die sich bei internen Schulfesten oder auch extern präsentieren könnten, der Trend zweifelsfrei wieder nach oben ginge.

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