Kirche

Hagelfeierprozession in Niederwenigern nimmt neuen Weg

Die Hagelfeierprozession hat einen festen Platz im Jahresablauf der Katholischen Kirchengemeinden, hier St. Mauritius.

Die Hagelfeierprozession hat einen festen Platz im Jahresablauf der Katholischen Kirchengemeinden, hier St. Mauritius.

Foto: fischer / FUNKE Foto Services

Hattingen.  Die Hagelfeierprozession in Hattingen-Niederwenigern führt erstmals nicht durchs ganze Dorf, sondern bleibt unten. Wir erklären die Gründe.

Die Hagelfeierprozession hat eine lange Tradition in Niederwenigern. Und ihr Anliegen ist derzeit angesichts des Klimawandels so aktuell wie lange nicht, findet Peter Neysters, der Mitglied im Gemeinderat ist und die Öffentlichkeitsarbeit für die Prozession übernommen hat. Traditionell am Sonntag nach Fronleichnam, also am 23. Juni, beginnt die Prozession nach dem 10-Uhr-Gottesdienst in St. Mauritius an der Essener Straße. Und sie kommt in diesem Jahr mit einer Neuerung daher.

Die Prozession 2019 steht unter dem Leitwort „Neue Wege gehen“. Und das ist auch ganz wörtlich zu nehmen. Denn ging es sonst in den Vorjahren immer rund ums Dorf über die Essener bis zur Kohlenstraße am Ende des Dorfes und von dort über die Hombergsegge zurück zur Kirche, so bleibt die Prozession dieses Mal im „unteren Teil“ von Niederwenigern.

Bei der Hattinger Hagelfeierprozession in Niederwenigern gibt es vier Stationen

Vier Stationen wird es geben: Freiwillige Feuerwehr, evangelische Kirche, katholischer Kindergarten und Seniorenheim St. Mauritius. Die Stationen seien ein Zeichen von Wertschätzung, Verbundenheit und Solidarität. Auf die jeweilige Station bezogen würden biblische Texte und Fürbitten vorgetragen. „Der Pfarrgemeinderat hat die Route beschlossen, weil der Weg durch das ganze Dorf für viele ältere Menschen beschwerlich geworden ist. Darum die kürzere Variante. Im nächsten Jahr könnte die Prozession dann durchs Oberdorf gehen“, sagt Peter Neysters.

Damit alle im Dorf für einen kurzen Augenblick inne halten können, wird der Segen an den vier Stationen jeweils mit drei Böllerschüssen angekündigt. Das „Böllern“ übernimmt die Freiwillige Feuerwehr. Sie steht dafür auf dem Bahrenberg und „wird wohl über Funk informiert, wann die Stationen erreicht sind“, so Neysters. Kirchenchor und Bläserkreis unter Leitung von Hugo Spliethoff steuern Musik zur Prozession bei.

Die Geschichte der Hagelfeierprozession beginnt im Jahr 1650

Die Hagelfeierprozession nahm 1650 ihren Lauf. „Wie viele Bittprozessionen geht sie zurück bis ins Mittelalter“, weiß Neysters. Ein Hagelschlag soll die Ernte der umliegenden Ortschaften vernichtet haben – nur Niederwenigern soll damals verschont geblieben sein. Aus Dankbarkeit legte die Gemeinde das Gelübde ab, jedes Jahr zur Erntezeit eine Bittprozession durchzuführen, um Gott weiterhin um seinen Schutz vor Blitz- und Hagelschlägen zu bitten.

„In jüngster Zeit häufen sich wieder Blitz- und Hagelschlag mit orkanartigem Unwetter. In Erinnerung blieben der ungewöhnlich heiße Sommer 2018 und die erste Juniwoche in diesem Jahr mit örtlichen Orkanböen und überdurchschnittlichen Niederschlägen“, so Neysters.

Der Klimawandel ist nicht mehr zu leugnen

Er führt aus: „Der Klimawandel ist nicht mehr zu leugnen. Es muss gehandelt werden, um eine Katastrophe zu verhindern“, sagt Neysters. Bei den starken Regenfällen jüngst in der Umgebung sei Niederwenigern auch wieder verschont geblieben. Das Gemeinderatsmitglied sieht in der Hagelfeierprozession zugleich eine Ermahnung, sich mehr mit Klimaschutzfragen auseinanderzusetzen und sich dementsprechend zu verhalten.

Nach der Prozession kommen die Gläubigen immer noch zu einem Umtrunk im katholischen Gemeindezentrum zusammen.

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