Jobcenter

Haftbefehl gegen den Messerstecher aus Hattingen erlassen

Am Montag gab es in der Regionalstelle des Jobcenters EN an der Hüttenstraße den Messerangriff auf einen Mitarbeiter, am Dienstag war sie zu den normalen Zeiten geöffnet. Die Polizei sitzt ebenfalls in diesem Gebäude. Foto:Volker Speckenwirth

Am Montag gab es in der Regionalstelle des Jobcenters EN an der Hüttenstraße den Messerangriff auf einen Mitarbeiter, am Dienstag war sie zu den normalen Zeiten geöffnet. Die Polizei sitzt ebenfalls in diesem Gebäude. Foto:Volker Speckenwirth

Hattingen.  Der Mitarbeiter des Jobcenters Hattingen wurde durch die Messer-Attacke „erheblich verletzt“. Gegen den Angreifer gab es schon mehrere Verfahren.

Inhalt 
ARTIKEL AUF EINER SEITE LESEN >

Die gute Nachricht vorweg: Dem Jobcenter-Mitarbeiter, der am Montag von einem 37 Jahre alten Hattinger niedergestochen wurde, „geht es den Umständen entsprechen gut“, wie Jobcenter-Chef ­Heiner Dürwald berichtet. Aber: „Die Verletzungen sind schon erheblich.“ Gegen den mutmaß­lichen Täter wurde am Dienstag Haftbefehl wegen versuchten Totschlags in Tateinheit mit gefährlicher Körperverletzung erlassen.

Das ist passiert: Der obdachlose 37-Jährige ist am Montag ohne Termin zum Jobcenter an der Hüttenstraße gekommen. Er meldet sich bei seinem Sachbearbeiter (58) übers Haustelefon an. „Als der ihn abholen wollte und die Sicherheitstür öffnete, hat der Mann sofort zugestochen“, berichtet Dürwald. Er verletzt ihn am Bauch und am Oberkörper, flieht und wird durch Polizeibeamte, die im selben Gebäude wie das Jobcenter sitzen, ­widerstandslos festgenommen. ­Motiv: gekürzte Leistungen.

Die Mordkommission in Hagen und die Staatsanwaltschaft in Essen ermitteln, gegen den Mann gab es schon mehrere Verfahren wegen Bedrohung und Körperverletzung.

55 Mitarbeiter an der Hüttenstraße in Hattingen

Das Jobcenter hatte am Dienstag zu seinen normalen Zeiten geöffnet. Den Mitarbeitern wurde indes freigestellt, ob sie persönlichen Kundenkontakt haben wollten. Hätten sich Kollegen nicht dazu in der Lage gefühlt, wären sie begleitet oder vertreten worden, erklärte Regionalstellenleiter Jürgen Ubowski. Insgesamt arbeiten 55 Frauen und Männer an der Hüttenstraße.

Dass Mitarbeiter Aggressionen zu spüren bekommen, ist laut Heiner Dürwald kein Einzelfall. Es sei nicht so schlimm wie in Großstädten, aber hin und wieder müsse die Polizei kommen. „Es ist schwierig, die richtige Balance zwischen ­Vorsicht und Zuwendung für unsere Bezugsberechtigten zu finden.“ Man brauche dafür eine „psychische Robustheit“, die bei dem betroffenen Kollegen vorhanden sei. „Er ist erfahren, Sozialpädagoge, hat sich bewusst für solche Fallbearbeitungen entschieden.“ Er muss sich etwa mit so genannten Multiproblemlagen auseinander setzen, so auch im Fall des Beschuldigten.

Angriff im Jobcenter Hattingen

Ein Sprecher der Behörde äußert sich zum Tathergang.
Angriff im Jobcenter Hattingen

Die Polizei sitzt noch bis Ende 2018 nebenan

Es gibt im Hattinger Jobcenter keinen Bodyscanner und keinen Sicherheitsdienst, aber die Polizei sitzt noch bis Ende 2018 nebenan. „Durch unser Konzept und eine Art Sicherheitsschleuse wissen wir immer, wer sich in unseren Räumen aufhält“, erklärt Heiner Dürwald. „Anders geht es nicht, wir haben mit Menschen zu tun und müssen kommunizieren – wir können nicht mit Kläppchen am Schalter wie früher bei der Bahn arbeiten.“

Die Aufarbeitung habe gut funktioniert, „in Bezug auf den Verletzten, dessen Familie und die Kollegen“, sagt der Jobcenter-Chef. „Dem verletzten Kollegen haben wir jede Hilfe zugesagt. Und wenn die anderen Kollegen noch Gespräche brauchen, werden wir diese selbstverständlich führen.“

Inhalt 
ARTIKEL AUF EINER SEITE LESEN >
Auch interessant
Leserkommentare (1) Kommentar schreiben
    Aus der Rubrik