Selbsthilfe

Gruppe für Betroffene von häuslicher Gewalt in Hattingen

Petra Wichert war selbst betroffen von häuslicher Gewalt geworden, möchte eine Selbsthilfegruppe gründen. Hierfür sucht sie Menschen, die häusliche Gewalt erlebt haben und mitmachen wollen.

Foto: Svenja Hanusch

Petra Wichert war selbst betroffen von häuslicher Gewalt geworden, möchte eine Selbsthilfegruppe gründen. Hierfür sucht sie Menschen, die häusliche Gewalt erlebt haben und mitmachen wollen. Foto: Svenja Hanusch

Hattingen.   Petra Wichert meint: Hattingen fehlt eine solche Selbsthilfegruppe – und möchte sie gründen. Sie möchte so auch für das Thema sensibilisieren.

Hattingen fehlt eine Selbsthilfegruppe für Betroffene von häuslicher Gewalt. So sieht das auf jeden Fall Petra Wichert. Die 51-Jährige ist selbst Geschädigte. Gemeinsam mit anderen betroffenen Frauen möchte sie die Gesellschaft für häusliche Gewalt sensibilisieren. Dafür sucht sie noch Mitstreiterinnen. „Andere wollen uns am Boden sehen, aber wir müssen aufstehen und uns wehren“, plädiert Wichert.

Seit drei Jahren kämpft sie vor Gericht für ihre Rechte. In dieser Zeit hätte sie sich einen Ansprechpartner gewünscht, der ihr mit sinnvollen Ratschlägen zur Seite gestanden hätte. So ein Ansprechpartner möchte sie anderen betroffenen Frauen mit der Selbsthilfegruppe sein.

Frauen sollten sich gegen Folgekosten absichern

Nicht immer könnten sich die Geschädigten vorher im Internet darüber informieren, was sie tun können und sollen, weil die Suche im Internet vom Aggressor überwacht werde. Wenn die Frauen schon den Mut hätten, bei der Polizei anzurufen, dann müssten sie auch wissen, wie der Einsatz normalerweise ablaufe. Dazu gehöre zum Beispiel, dass beide Parteien mit den Einsatzkräften sprechen.

Auch sei es wichtig, direkt eine Rechtsschutzversicherung abzuschließen, wenn man noch keine habe. So sei man vor Folgekosten, die aus häufig nachfolgenden Straftaten, wie Stalking, entstehen, geschützt. Die Frauen stünden ohne Geld da, denn in der Ehe habe man ja meistens ein gemeinsames Konto. „Zieht man ohne Versicherung vor Gericht, kann das in den finanziellen Ruin treiben.“

Informationen zum richtigen Verhalten

Mit der Selbsthilfegruppe möchte sie Betroffene über das richtige Verhalten bei Behörden informieren. Deswegen sollen auch Unterstützer für die Praxis gefunden werden. Sie kann sich gut Vorträge von Ärzten, Anwälten oder Polizisten vorstellen, die erklären, worauf man achten muss. Eine Konkurrenz zu Behörden wolle sie nicht sein. „Es wäre schön, wenn wir irgendwann dann einen Verbund gründen könnten.“

Zusätzlich will sie auch die Gesellschaft und vor allem Jugendliche für das Thema sensibilisieren. „Das ist schon lange überfällig“, findet Wichert. Daher will sie nach Möglichkeit auch Vorträge und Informationsveranstaltungen an Schulen organisieren. Generell müssten die Menschen aufmerksamer mit dem Thema umgehen. Viele schätzten Auffälligkeiten falsch ein oder täten sie einfach ab. „Dabei gibt es klare Verhaltensmuster der Peiniger.“

Oft brechen Bekannten- und Freundeskreise weg

Zuerst wolle sie aber die Frauen gewinnen, sie dadurch stärken. Sie selbst habe sich damals allein gelassen gefühlt, einige Behörden hätten gar kein Interesse an der Geschichte der geschädigten Frauen. „Die können den Mut, den man aufgebracht hat, überhaupt nicht nachvollziehen.“

Oft brächen Bekannten- und Freundeskreise weg, wenn die Problematik ans Licht komme. Die Frauen stünden vor dem Nichts. Ihr selbst gingen Verwandte und Bekannte bis heute aus dem Weg oder die Taten würden von der Familie gedeckelt. „Man bekommt ein Stigma aufgedrückt“, sagt Wichert. Betroffene müssten zusammenhalten, dann könne man etwas erreichen und neue Sozialkontakte aufbauen.

Verschwiegenheit wird zugesichert

Frauen, die Interesse an der Gruppe haben, können sich postalisch bei Petra Wichert (Flachsmarkt 12, 45525 Hattingen) melden. Verschwiegenheit wird zugesichert. Um kurze Information zur Mobilität und eigenen Person (Kinder etc.) wird gebeten. Bei einem Treffensollten Frauen belegen können, dass sie tatsächlich Betroffene sind, denn „ich möchte die Gefahr ausschließen, dass sich Leute, die kein wirkliches Interesse an der Sache haben, einschleusen“, erklärt Wichert.

Leserkommentare (0) Kommentar schreiben
    Aus der Rubrik