Gesundheitstag

"Medizin in Hattingen": Gesundheitstipps aus erster Hand

Informationen aus erster Hand gab es beim Gesundheitstag: Gabriele Krefting (li.), Quartiersentwicklerin, im Gespräch mit Lore Albrecht.

Foto: Fischer

Informationen aus erster Hand gab es beim Gesundheitstag: Gabriele Krefting (li.), Quartiersentwicklerin, im Gespräch mit Lore Albrecht. Foto: Fischer

Hattingen.   Beim 16. Gesundheitstag im Rathaus wurde Besuchern ein spannender Medizin-Mix geboten: von Ernährung über Hand-OPs bis zum Hörvermögen.

„Medizin in Hattingen“ hieß es am Samstag beim 16. Gesundheitstag im Rathaus. Auf drei Etagen gab es viele Informationen zu unterschiedlichsten Bereichen. Ob es um Hüfte, Herz und Hirn ging, den nervösen Magen oder um Pilates und Ernährung – geboten wurde ein spannender Mix. Und draußen im Regen am WAZ-Mobil diskutierten Besucher kräftig über Probleme, die sie bewegten.

Silke Drews, die sich vor wenigen Jahren in Hattingen selbstständig gemacht hat, ist beim Gesundheitstag eine gefragte Frau. Sie bietet in der „Körpermitte Hattingen“ Pilates, Mental-Coaching und Ernährungsberatung an, weil „die drei Punkte im Leben zusammen gehören“, sagt sie. Wenn man etwas für sich tun möchte oder sein Leben verändern will, muss man das ganzheitlich tun. Dabei hilft die 43-Jährige mit fachlichem Können. „Meine jünste Teilnehmerin ist zehn, die älteste 70 Jahre alt.“

Gisela Lange (75) hat sich in der oberen Etage derweil noch einmal eingehend erkundigt, was mit ihrer Hand passiert. Denn sie muss sich in Kürze operieren lassen. „Ich habe noch einmal ganz ausführliche Informationen bekommen, wie die Operation abläuft. Das war richtig beruhigend.“ Sie sei darüber zwar schon aufgeklärt worden, aber das ein oder andere hätte man ja doch wieder vergessen.

Ganz unten am Eingang hat das Sanitätshaus Kraft einen Stand: „Kraft für Frauen“, heißt es da. Es geht um ganz neue Möglichkeiten, nach einer Brust-Amputation eine Maß-Brustprothese angefertigt zu bekommen. „Nach einer Operation ist das Operationsfeld oft zerklüftet“, erklärt Nicole Lemann­czik (33). Das Sanitätshaus nimmt als einziges im Ruhrgebiet an einem Pilotprojekt teil. Es ist ein neues Verfahren, das individuell den Oberkörper einer Patientin abscannt und nach der Beschaffenheit der Oberfläche eine Prothese anfertigt. „Auf diese Weise kann man etwa ein Dekolleté zaubern, das wieder ganz glatt aussieht.“

Auch um gutes Hören geht es beim Gesundheitstag. Hörakustik Wege lud zum kostenlosen Hörtest ein, was „über 30 Personen in Anspruch nahmen“, freut sich der Inhaber.

Vertreten waren beim diesjährigen Gesundheitstag unter anderem auch die Krebshilfe, die Alzheimer Gesellschaft, die Katholischen Kliniken und die Stadtbibliothek, zudem gab es viele Vorträge. Ein Büchertisch lud zum Schmökern ein und präsentierte auffällig ein Buch mit dem Titel „BVB – Entscheidend ist auf’m Teller“. Die meist älteren Besucher waren mit dem Kompaktprogramm sehr zufrieden, führten Gespräche, nutzten das Info-Angebot.

Den Geist in Bewegung halten

Zu einem spannenden Vortrag mit Prof. Dr. Manfred Blank lud der 16. Hattinger Gesundheitstag zum Abschluss der Veranstaltung ein. „Herz und Hirn: Anfang – Ende“ lautete der Titel. Es ging darum, was man selbst tun kann, um einer Demenzerkrankung vorzubeugen.

Klare Aussage des 83-Jährigen: „Ein aktives Leben führen, soziale Kontakte pflegen, den Geist in Bewegung halten.“ Das könne man nicht, indem man vor dem Fernseher sitzt und sich beschallen lässt. Da muss mehr passieren, zum Beispiel lesen, lesen, lesen, er selbst liest jede Woche ein Buch. Der Mediziner verriet, was dem Gehirn außerdem ausgesprochen gut tut.

„Nehmen Sie täglich eine halbe Stunde lang zwei bis fünf Kugeln in eine Hand und spielen Sie damit. Wenn der Daumen in Bewegung ist, wird ein riesiges Areal im Gehirn aktiviert.“ Und noch einen Rat hatte er: „Gesundheit ist, wie man mit seiner Krankheit umgeht.“ Pfarrer Udo Polenske führte als Moderator durch die anschließende Diskussion.

Am WAZ-Mobil nahm Redakteurin Sabine Kruse wichtige Anregungen mit: Hattingen braucht mehr Wohnformen für Demenzkranke, was Elisabeth Warnecke von der Alzheimer Gesellschaft bestätigte. Verbesserung sei aber in Planung, deutete sie an. In der Betreuung Demenzkranker von der ambulanten Pflege bis zur stationären Aufnahme sei Hattingen aber sehr gut aufgestellt. Bemängelt wurde von Lesern auch, dass trotz einer enormn Apothekendichte in der Innenstadt der Notdienst nicht bürgerfreundlich geregelt sei und dass die Wartezeiten auf Fachärzte auch bei akuten Herzbeschwerden drei Monate dauern könnten.

Bei akuten Schmerzen gibt es bei uns schnelle Termine für eine unmittelbare Annahme, versprach Orthopäde Dr. Jürgen Bachmann. Und Dr. Helfried Waleczek, Chefarzt der Chirurgischen Klinik des Evangelischen Krankenhauses, riet bei wirklich akuten Problemen zum Krankenhausbesuch.

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