Gewalt

Gericht verhängt Arbeitsstunden gegen psychisch Kranken

Nach einer Gewalttat in Hattingen soll der Angeklagte nur Arbeiten.

Nach einer Gewalttat in Hattingen soll der Angeklagte nur Arbeiten.

Foto: Ingo Otto / FUNKE Foto Services

Hattingen .  21-jähriger aus Hattingen schlägt einem Bekannten einen Zahn aus und droht mit einem Messer. Das Jugendgericht verhängt als Strafe Arbeitsstunden

Völlig unvermittelt schlug im Februar dieses Jahres der 21-jährige K. seinem Bekannten ins Gesicht. Anschließend zückte er noch ein Messer und rief: „Ich stech dich ab.“ Dem Opfer, ein junger Mann, brach ein Zahn ab, er blutete, hatte zwei Wochen lang einen heftigen Bluterguss an der Lippe und musste längere Zeit zur zahnärztlichen Behandlung. Wegen dieser Gewalttat musste sich der 21-Jährige am Donnerstag vor Gericht verantworten.

Gewalttat kam völlig unvermittelt

Dass die Situation nicht noch weiter eskalierte, war einem dritten Mann zu verdanken, der die beiden in der Wohnung auf Abstand gehalten hatte. Das Opfer erklärte, es habe gar keinen Streit gegeben, sondern er habe die Diskussion mit K. als Spaß aufgefasst und aus dem Fenster geguckt, als plötzlich die Faust seines Gegenübers in sein Gesicht flog.

Sämtliche Schilderungen des Opfers bestätigte der Täter und beteuerte, es tue ihm leid. „Ein Messer zu ziehen, ist ganz großer Mist“, stellte Richter Karl-Martin Lucks in Richtung von K. fest. Und weiter: „Sie können ihm doch nicht einfach eine reinhauen.“

Angeklagter war mehrere Wochen in der Psychiatrie

Thomas Behr von der Jugendgerichtshilfe schilderte einige Fakten aus dem Leben des 21-Jährigen. Eine Grundschulklasse musste er wiederholen, genau wie später die 9. Klasse. Er lebt jetzt wieder bei seiner Mutter, die geschieden ist. Es habe mehrere Brüche im Lebenslauf gegeben, unter anderem auch mehrwöchige Aufenthalte in der Psychiatrie, die ihm gut getan hätten, wie der Angeklagte bestätigte.

Eine Fachkraft der Psychiatrie aus Niederwenigern war ebenfalls im Gerichtssaal und schilderte, dass K. nach anfänglicher großer Skepsis, irgendwann Vertrauen fasste und dann kooperativ mitarbeitete. „Ich konnte ihn überzeugen, dass es besser ist, sich behandeln zu lassen, anstatt sich bedroht zu fühlen und auszurasten.“

Schöffengericht verhängt Arbeitsstunden

Denn als der junge Mann in die Psychiatrie kam, sei er in einer „leicht benebelten geistigen Verfassung“ gewesen. Er sei aber zurzeit auf einem guten Weg und im Augenblick deutlich stabiler. Richter Lucks machte dem Angeklagten klar, dass wenn jemand längere Zeit in der Psychiatrie gehalten würde, er wirklich „sehr, sehr krank“ sei.

Nach Beratung mit den beiden Schöffen, kam der Richter zu dem Schluss: „Es kann nicht schaden, wenn Sie ein paar Stunden arbeiten gehen.“ Man habe berücksichtigt, dass er ein volles Geständnis abgelegt habe und psychisch beeinträchtigt sei, so dass wohl eine verminderte Schuldfähigkeit vorliege. „Wir haben entschieden, dass Sie innerhalb von drei Monaten 40 Stunden arbeiten müssen.“

Jugendgerichtshilfe hilft passende Stelle zu finden

Thomas Behr von der Jugendgerichtshilfe war sehr zuversichtlich, dass man eine passende Stelle für den 21-Jährigen finden würde, wo er die Arbeitsstunden ableisten kann. Auch, wenn er psychisch beeinträchtigt ist.

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