Ausstellung

Fotoclub auf Bilderreise in den deutschen Osten

Peter Lück (li.) mit einem aktuellen Landschaftsporträt aus Sachsen-Anhalt.  Ulrich Hille hat sein Foto etwa 1986 in Ilmenau geschossen.

Peter Lück (li.) mit einem aktuellen Landschaftsporträt aus Sachsen-Anhalt. Ulrich Hille hat sein Foto etwa 1986 in Ilmenau geschossen.

  Objektivart zeigt Bilder aus Sachsen-Anhalt und Thüringen. Peter Lück fotografierte kürzlich in Wittenberg, Ulrich Hille vor der Wende nahe Suhl.

In den Räumen des Fotoclubs Objektivart 96 im Hammertal herrscht turbulentes Treiben. Alle zwei Monate gibt es hier eine Ausstellung der Fotos von Clubmitgliedern. Dieses Mal zeigen zwei Fotografen ihre Ansichten, die unterschiedlicher nicht sein könnten: Ullrich Hille hat in der DDR studiert und Bilder aus dem Thüringer Wald vor der Wende ausgestellt. Peter Lück hat als ein Kind des Westens erst nach der Wende seine Liebe zu Sachsen-Anhalt gefunden.

Die Bilder von Ullrich Hille entstanden zwischen 1987 und 89 und sind noch auf analogen Diafilmen aufgenommen worden. Die 30 Jahre, die seitdem vergangen sind, sieht man der Bildqualität an, aber diese Patina gibt den Motiven ihren Charme. Entstanden sind die Aufnahmen rund um Ilmenau, Suhl und Oberhof. Von dem wunderbaren Wanderweg Rennsteig aus fotografierte er in Sommer- und Winteransichten eine dünn besiedelte Landschaft, die es heute so gar nicht mehr gibt.

Teilweise erschreckend kaputt

Aus der Höhe auf Ilmenau geblickt, lugen zwischen den Bäumen Plattenbauten hervor, aber auch die für die DDR typischen kleinen Eigenheime. Während seiner Zeit an der Universität dort hat Hille in den eigenen Fotolabors nicht nur in Schwarz-weiß entwickelt, sondern mit seinen ersten Farbfilmen experimentiert.

Die Fotos von Peter Lück sind in den vergangenen drei Jahren entstanden. Mehrmals im Jahr verbringt er einige Zeit auf einem alten Bauernhof in einem winzigen Dorf in Sachsen-Anhalt mit höchstens 25 Häusern. Seinen Motiven sieht man nicht an, ob sich dort seit den 1980ern so viel verändert hat. Wunderschöne Fachwerkhäuser und abgebröckelte Putzfassaden zeigen einen morbiden Charme.

Auf einem Bild sieht man einen Arbeiter, der eine Ziegelwand abträgt, um die Steine neu zu verwenden. Aufnahmen aus Wittenberg als Prachtstück der Restaurationskunst stehen dazu im Kontrast. Ein paar Straßen weiter hat die Moderne mit großformatigen Graffiti Einzug gehalten. Im Hintergrund schauen die historischen Türme der Wittenberger Kirche hervor.

Die Fotoausstellung ist eine Reise in die deutsche Geschichte mit DDR-Propaganda und Trabis einst und immer noch kleinen DDR-Wimpeln an Fenstern heute. Nostalgisch, sentimental, teilweise erschreckend kaputt und dann wieder hoffnungsvoll in eine neue Zeit zeigend. Unabhängig von Zeit und Gebäuden sind die Naturaufnahmen beeindruckend schön, sowohl vom höchsten Gipfel des Thüringer Waldes als auch mit Blick in die Sonnenuntergänge in den Elbwiesen. Eine Ausstellung, die Lust macht, den so nahen und doch so fremden Osten unserer Republik selbst zu erkunden.

>>>Daheim und auswärts: Neun Ausstellungen pro Jahr

Die Ausstellung „Sachsen-Anhalt derzeit und Thüringen in den 80ern“ ist beim Verein Objektivart 96, Rüsbergstraße 70, zu sehen: bis Ende August, jeden Mittwoch ab 19 Uhr.

Jedes Jahr richtet der Fotoclub sechs hausinterne Ausstellungen und mindestens drei weitere Ausstellungen in der Stadt aus. Nur noch kurz sind Bilder von der Ruhr in der Boecker-Stiftung zu sehen. Ganzjährig ist die Ausstellung im Rostfrei-Restaurant der Edelstahlwerke. Am 2. Dezember wird eine neue Ausstellung in der Universität eröffnet.


Der Fotoclub nimmt auch am Tag des offenen Ateliers am 22. und 23. September teil. Dort können Besucher den Fotografen bei ihrer Arbeit mit Models zugucken, das Fotolabor entdecken und Fachvorträge hören.

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