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Evangelische Kirche startet Kirchenpost-Projekt in Hattingen

So sieht sie aus, die Kirchenpost des Evangelischen Kirchenkreises Hattingen-Witten, die künftig verschickt wird.

So sieht sie aus, die Kirchenpost des Evangelischen Kirchenkreises Hattingen-Witten, die künftig verschickt wird.

Foto: Bastian Haumann / FUNKE Foto Services

Hattingen.  Ab Mitte September erhalten evangelische Kirchenmitglieder zur Geburt, zum 18. Geburtstag und zum Zuzug einen Kirchen-Brief. Das steht drin.

„Ich finde es traurig, dass die erste Post an meinen Sohn seine Steuer-ID war“, sagt Diane Sinter, Fundraiserin im Evangelischen Kirchenkreis Hattingen-Witten. Aber demnächst bekommt man zur Geburt nicht mehr nur Post vom Finanzamt – zumindest in den drei Kirchenkreisen Hattingen-Witten, Hagen und Schwelm.

Denn vor zwei Jahren habe Matthias Kleiböhmer von der Creativen Kirche im Kirchen-Ausschuss das Projekt „Kirchenpost“ vorgestellt, das er vor mehr als zehn Jahren für die Evangelische Bayerische Landeskirche mitentwickelt hat, erzählt Sinter.

Das bayerische Kirchenpost-Projekt sei initiiert worden, um gegen die sinkenden Mitgliederzahlen zu arbeiten, „denn laut einer Studie wird die Evangelische Kirche bis zum Jahr 2060 die Hälfte ihrer Mitglieder verlieren – wenn wir jetzt nichts ändern“, so die 45-Jährige, die auch als Gemeindesekretärin im Kirchenkreis Hattingen-Witten arbeitet. „Wir starten nun dasselbe Projekt und bald erhalten auch unsere Mitglieder zur Geburt, zum 18. Geburtstag und zu einem Zuzug eine liebevoll gestaltete Karte mit Glückwünschen, aufmunternden Worten und Bibelversen.“

Viele treten aus Geldnot aus

Die Bayerische Landeskirche hat in einer Untersuchung festgestellt, warum Mitglieder der Kirche den Rücken zukehren: „Viele sind in einer Situation, in denen die Kirchensteuer finanziell weh tut“, erläutert Diane Sinter. Zudem seien viele in einer Lebensphase, in der im Kalender keine Zeit für Kirchentermine bliebe, somit schwinde auch die Beziehung zur Kirche.

Müssten diese Mitglieder dann aufgrund eines teuren Umzugs, einer Geburt oder zum 18. Geburtstag Fix-Kosten einsparen, würden nicht wenige den Kirchenaustritt wählen. „Zu diesen Mitgliedern wollen wir genau zu diesen Anlässen mit unserer Kirchenpost eine Beziehung aufbauen, ihnen zeigen, dass wir sie schätzen und dass wir für sie da sind, auch wenn sie nicht jede Woche zum Gottesdienst kommen.“ Dabei sei ihr klar, dass die Kirchenpost kein Allheilmittel ist, – „aber ich hoffe, dass sie häufig das Zünglein an der Waage sein wird, so dass Mitglieder eben nicht den Kirchenaustritt wählen.“

Es geht nicht alleine um die Kirchensteuer

Dabei ginge es der Evangelischen Kirche nicht alleine um die Steuer, auch wenn sie im aktuellen Jahr allein durch Corona 20 Prozent weniger Einnahmen generiert, wie Sinter angibt. „Aber uns ist jedes einzelne Kirchenmitglied wichtig – um seiner selbst willen und nicht nur als Kirchensteuer-Zahler“, betont sie.

Sie freut sich, dass das Projekt nun ab Mitte September endlich losgehe, die Entwicklung habe nämlich ganze zwei Jahre gedauert. „Zuerst mussten drei Kirchenkreise und auch die Bayerische Landeskirche zustimmen“, zählt Diane Sinter auf.

Auch das Design der Karten und die Erstellung der Texte mithilfe einer Layouterin habe einiges an Zeit beansprucht. „Uns war wichtig, dass alles modern und ansprechend wirkt und nicht altbacken: braune Karten mit Goldschrift – nein Danke“, sagt Sinter schmunzelnd. Die Karten seien bunt und voll ausgeklappt stellten sie ein Kreuz dar.

Projektkosten liegen bei knapp 7000 Euro

Insgesamt habe das Projekt knapp 7000 Euro gekostet, wobei hier alle Karten für die drei Anlässe für alle etwa 40 Gemeinden der drei Kirchenkreise im ersten Projektjahr bereits eingerechnet seien. „Pro Gemeinde kalkulieren wir 150 bis 200 Karten, nach dem ersten Jahr können die Gemeinden kostenpflichtig nachbestellen.“

Konkrete Zahlen aus Bayern zum Erfolg der Kirchenpost seien übrigens nicht verfügbar, sagt Sinter, nur so viel: „Das Projekt ist so erfolgreich, dass die bayerischen Mitglieder nicht mehr nur zu drei Anlässen Post erhalten, sondern zu zwölf.“

Außerdem werde unter den 18-Jährigen Geburtstagskindern ein Fahrsicherheitstraining verlost. Um teilzunehmen, müssten sie sich bei den Gemeinden zurückmelden. „Das haben durchschnittlich 20 Prozent der Angeschriebenen gemacht“, so Sinter begeistert. Daher dürfe natürlich auch bei der westfälischen Kirchenpost diese Verlosung nicht fehlen.

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