Apfelernte

Es rattert die rollende Saftfabrik in Sprockhövel

Peter Visnjevski und Hans-Walter Sante von den Gartenfreunden füllen Äpfel in die Saftpresse auf Hof Knippschild.

Peter Visnjevski und Hans-Walter Sante von den Gartenfreunden füllen Äpfel in die Saftpresse auf Hof Knippschild.

Foto: Svenja Hanusch / FUNKE Foto Services

Sprockhövel.  Die mobile Saftpresse aus Mettmann hat wieder Station in Sprockhövel gemacht. Das Obst aus Sprockhöveler Gärten wird hier zu Saft gemacht.

Immer im Herbst trifft sich Familie Palmieri auf der großen Wiese ihres Hofes im niedersächsischen Bad Bentheim. Am vergangenen Sonntag war es wieder soweit, mit vereinten Kräften wurden die zahlreichen Apel- und Birnbäume geplündert, die Früchte in Säcken verpackt. „Da wächst über das Jahr so viel wertvolles Obst heran, das wollen wir nicht einfach verkommen lassen“, berichtet Helga Palmieri. Mit dabei ist auch Schwiegersohn Peter Visnjevski aus Düsseldorf, auch im Kofferraum seines Kombis werden einige Obstsäcke verladen.

Ein Vormittag bei Bauer Knippschild

Über Visnjevski entstand vor Jahren der Kontakt zur Mettmanner Mosterei von Udo Rapp. Seine rollende Saftfabrik macht ab Spätsommer jeden Tag Station an einem anderen Ort in der Region: Drei Tonnen schwer ist mobile Saftpresse aus blitzendem Nirosta-Stahl und Aluminium, mit Förderband, Wasserbad, Presswerk und abschließender Pasteurisierung. Am Dienstag hat Rapps Maschine auf dem Hänger den Vormittag bei Bauer Knippschild in Obersprockhövel verbracht.

200 Kilogramm Äpfel und Birnen im Kofferraum

Familie Palmieri und Peter Visnjevski sind am späten Vormittag mit ihren Autos vorgefahren, mehr als 200 Kilogramm Äpfel und Birnen in Säcken und Körben haben sie aus Bad Bentheim mitgebracht. Gegen 10.30 Uhr sind sie an der Reihe, nachdem das Obst ihres Vorgängers gerade in Saftform die Haltbarmachung hinter sich gebracht hat und in Schläuchen abgefüllt worden ist.

Unter dem prüfenden Blick von Anlagenführer Rapp lässt Visnjevski den Inhalt des ersten Sacks aufs Förderband kullern; Äpfel mit großen braunen Stellen werden herausgenommen, Blätter entfernt. Überwiegend die Sorten Berlepsch und Boskop haben die Palmieris mitgebracht – fast alles große schöne Früchte. Haben die Äpfel und Birnen dieses Jahr nicht unter der Trockenheit zu leiden gehabt? „Wichtiger für das Ergebnis ist, dass im Frühjahr kein Frost die Blüten kaputt gemacht hat“, sagt Hans-Walter Sante. Der Vorsitzende der Gartenfreunde Sprockhövel hat wieder diesen Termin mit der Obstpresse aus Mettmann organisiert. Aber er räumt ein, dass die anhaltende Trockenheit auch auf den Obstwiesen ihre Spuren hinterlassen hat, „es gibt zwar viele Früchte, viele sind jedoch kleiner als gewöhnlich.“

Birnensaft hält sich nicht so lang

Die Palmieris wollen zunächst die Äpfel, dann die kleinen grünen Birnen aufs Band schicken. Udo Rapp winkt ab: „Besser die Birnen am Ende mit Äpfeln mischen, reiner Birnensaft schmeckt saurer und er ist mit einem halben Jahr längst nicht so lange haltbar wie Apfelsaft, weil ihm ein bestimmter Stoff fehlt.“ Also hält Visnjevski einen halben Sack Äpfel zurück und mischt ihn unter die Birnen.

Die Ausbeute hier an der Saftfabrik lässt sich sehen: 70 Prozent des ursprünglichen Obstgewichtes wird am Ende die schmackhafte naturtrübe Flüssigkeit in Bioqualität sein; der Rest, Trester genannt, plumpst zwischendurch beim Pressen braun und ein bisschen lederartig auf eine Schubkarre. „Bestes Tierfutter ist das“, schwärmt Rapp.

Schwiegermutters Apfelgelee

Wer weniger als 50 Kilogramm bringt, bekommt entsprechend einen Mischsaft von Früchten verschiedener Kleinzulieferer, erst bei Mengen darüber ist es garantiert der eigene Saft, der in Schläuche zu drei oder fünf Litern abgefüllt wird. Visnjevski schwärmt: „Der Saft ist für die Gesundheit in der dunklen Jahreszeit, aber der Hit ist der Apfelgelee, den meine Schwiegermutter aus einem Teil des Saftes kocht.“

Udo Rapps Saftladen

Udo Rapps Bedingung für die Anreise: Insgesamt müssen zu einer Station mindestens zwei Tonnen Obst zur Pressung gebracht werden, weiter als 20 Kilometer weg von Mettmann bewegt er sich gewöhnlich nicht mit seiner Anlage.

Für den Drei-Liter-Schlauch berechnet Rapp vier Euro, ab 50 Stück je Sorte 3,90 Euro. Fünf-Liter-Schläuche kosten 5,50 Euro, zehn Liter neun Euro. Bei Quitten- und Beerenpressung wird ein Aufschlag von 50 Cent pro Liter berechnet. Nähere Infos unter 0174/8877800.

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