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Erinnerungen an eine Hattinger Begegnung in Rio de Janeiro

Ein seltenes Bild: Die MS Hattingen in Farbe, gebaut 1967, verschrottet im Jahr 1996 in Indien.

Ein seltenes Bild: Die MS Hattingen in Farbe, gebaut 1967, verschrottet im Jahr 1996 in Indien.

Foto: WAZ / Archiv

Hattingen.  Der WAZ-Bericht über die MS Hattingen ruft bei Leser Hendrik Lenz spannenden Erfahrungen und viele Erinnerungen hervor. Hier erzählt er davon.

Wer im brasilianischen Rio de Janeiro ins deutsche Konsulat geht, um Papiere zu beantragen, erwartet mit Sicherheit nicht, vor einem Hattinger Gemälde zu stehen. Aber genau das ist 1979 Hendrik Lenz passiert. Er setzt einen Fuß in die Auslandsvertretung und steht vor einem Ölbild der MS Hattingen. Die Erinnerung an dieses Erlebnis ist bei ihm wieder wach geworden, als er in der WAZ den Bericht über das Patenschiff der Ruhrstadt liest.

Deutschen Konsul in Rio über Hattingen informiert

Der jetzt 82-jährige Hattinger war damals Ingenieur bei einer Bochumer Firma. Die hatte den Auftrag bekommen, in Rio tätig zu werden, weil dort mit deutscher Hilfe eine Kokerei gebaut werden sollte. Also packte der 41-Jährige voller Freude seine Sachen und machte sich auf den Weg nach Südamerika. In Rio angekommen, führte ihn der erste Weg für die Aufenthaltserlaubnis ins Konsulat.

„Und da stand ich dann vor einem riesigen Ölgemälde, das die MS Hattingen zeigte und im Hintergrund den Hamburger Michel. Ich war völlig überwältigt. Das Schiff ist ja in Hamburg gebaut worden.“ Der Konsul allerdings habe keine Vorstellung gehabt, wo Hattingen lag und was für eine Stadt es ist. Diese Wissenslücke füllte Hendrik Lenz.

Besonderer Geburtstag für Oma Tilly im Januar 1968

Doch die MS Hattingen spielte Ende der 1970er-Jahre nicht zum ersten Mal eine überraschende Rolle im Leben des 82-Jährigen. „Am 18. Januar 1968 wurde die Oma meiner Frau, Mathilde Wassermann, hundert Jahre alt. Das war in den Jahren sehr außergewöhnlich. Oma Tilla, wie sie genannt wurde, war eine der ganz wenigen Frauen, die damals im Ennepe-Ruhr-Kreis ein so hohes Alter erreichten“, erzählt der in Amsterdam geborene Lenz.

Weil es ein so ungewöhnlicher Geburtstag war, kam Bürgermeister Willy Brückner höchstpersönlich und gratulierte der betagten Dame. „Er brachte ein blaues Geldsäckchen mit einer gelben Kordel mit, in dem sich hundert Eine-Mark-Münzen befanden. Das müssen Sie sich mal vorstellen. Heute müssen sich ja ihren Blumenstrauß noch selbst bezahlen“, sagt Lenz.

Große Überraschung von der Mannschaft der MS Hattingen

Aber dann kam die absolute Überraschung. Der Bürgermeister überbrachte Glückwünsche der Mannschaft der MS Hattingen, die sich gerade auf großer Seereise nach Südamerika befand. „Die gesamte Besatzung hat unserer Oma gratuliert. Das war unglaublich“, erinnert sich der Hattinger.

Willy Brückner und Oma Tilli kannten sich schon sehr lange und sehr gut, erzählt Lenz. Denn die beiden wohnten nur eine Straße voneinander entfernt. Aber die Überraschung und Freude über die Glückwünsche der Schiffsmannschaft per Telegramm war überwältigend.

Brasilien-Aufenthalt hinterlässt tiefe und bleibende Eindrücke

Sein späterer Brasilien-Aufenthalt hinterlässt bei dem Hattinger tiefe und bleibende Eindrücke in jede Richtung. Samba-Rhythmen sind den ganzen Tag über im Stadtteil Copacabana von den Traumstränden zu hören. Aber die Kriminalität ist schon damals extrem hoch. Auch er wird überfallen. Abgetastet von oben bis unten, die Halskette weggerissen, die Schuhe kontrolliert.

Seine Papiere und sein Geld aber finden sie nicht. Diese wichtigen Utensilien hat er vorsichtshalber in seine Socken gestopft.

Eine Träne im Knopfloch hat er immer noch, wenn er an Rio denkt. Denn sein Aufenthalt von geplanten zwei Jahren verkürzte sich zwangsweise. „Meine Familie war noch gar nicht nachgekommen, da fusionierte die Firma mit den Salzgitter-Werken. Unser Standort wurde überflüssig und ich musste zurück“, bedauert Lenz. Einmal noch die Schönheiten Brasiliens genießen, das hatte er mit der Familie vor. Es gelang nicht. So bleiben aber die spannenden Erfahrungen und unvergesslichen Erinnerungen.

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