Ausstellung

Er regt zu einem neuen Sehen an

Anders sehen mit Horst Keining: Am Montag hängte der in Hattingen geborene Künstler seine Werke im Stadtmuseum auf.

Anders sehen mit Horst Keining: Am Montag hängte der in Hattingen geborene Künstler seine Werke im Stadtmuseum auf.

Foto: Fischer

hattingen.   Ausstellung „Scoop“ von Horst Keining wird Freitag im Stadtmuseum eröffnet. Der in Hattingen geborene Künstler spritzt Acrylfarben auf Leinwand.

Auf seinen Bildern schwimmt reichlich Thunfisch. Der Betrachter wird mit Sprüchen, teils in Spiegelschrift konfrontiert. Eine inhaltliche Botschaft will Horst Keining, dessen Ausstellung „Scoop“ am Freitag im Stadtmuseum (Marktplatz 1-3) eröffnet wird, damit nicht rüberbringen. Die Werke des geborenen Hattingers regen vielmehr zu einem völlig neuen Sehen an.

„Wenn die Bilder an der Wand hängen, ist meine Arbeit getan“, sagt der Künstler, der vor Jahren die Spritzpistole entdeckt hat und damit Farbschichten auf Leinwand aufträgt. Was der Betrachter in ihnen sieht, wie er die Transparenz, die verschwimmenden und abgegrenzten Motive und Farbschichten interpretiert, bleibt ihm überlassen. Das müssen sich die Gäste selbst erarbeiten.

Aus Nähe und Distanz betrachten

Sie sollten an den kleinen und großen Formaten nicht schnell vorbeihuschen, sie sowohl aus der Nähe als auch aus der Distanz betrachten. Denn dabei gibt es jeweils viel Neues zu entdecken, was sich nicht auf den ersten und einen einzigen Blick erschließt. Wer den Fisch in Zusammenhang mit Meeresverschmutzung bringen möchte, mag das tun. Der Künstler selbst hat keinen Spaß am pädagogischen Zeigefinger.

Etwa zehn Prozent von Keinings Bildern, der Malerei an der Staatlichen Kunstakademie in Düsseldorf studiert hat, kommen mit einer Schicht aus, die meisten bestehen aus zwei, einige auch aus fünf Schichten. Wobei er aufpasst, nicht den Zenit zu überschreiten, geht es doch um „das gute Bild“, das nicht von der Anzahl der Schichten abhängt.

Neben kleinen Schöpfungen aus Kunstharz, die „Etwas gefühlvoll Schweifendes“, zartes Gitterwerk, Überwuchertes sowie Linien und Punkte auf die Besucher loslassen, gibt es große Formate zu sehen, die keinen Bildraum mit klassischer Perspektive schaffen. Ob Schriftzeichen japanisch oder chinesisch sind, spielt für Keining, der am Samstag 70. Geburtstag feiert, auch keine Rolle. Er weiß es auch nicht.

Im Lauf der Jahre und Jahrzehnte haben sich 400 Folien mit Fotos, Gewebestrukturen, Texten, um deren Sinn es hier nicht geht, angesammelt, die Keining zusammengestellt hat. Ein Text beschäftigt sich mit dem Thema Arbeit und Kunst. Der Künstler schnappt sich die Folie, „auf die ich grad Lust habe“, bearbeitet sie und schafft ein neues Bild, auf dem sich, schaut man lange und genau genug hin, Frauen räkeln und andere Dinge im Hinter- oder Untergrund zu entdecken sind. Mit leuchtenden Acrylfarben aus der Flasche, nicht aus der Tube, fesselt Keining den Betrachter.

Die Vernissage am Freitag eröffnet stellvertretende Bürgermeisterin Margret Melsa. Das Ganze wird garniert mit Musik. Ehe das neue Sehgefühl am 24. März endet, wird es offene Führungen am 24. Februar und 10. März um 15 Uhr geben und „Stempeln, Drucken, Schablonieren“ beim Familiennachmittag am 3. März von 15 bis 18 Uhr.

Eröffnung und Dauer der Ausstellung

Horst Keinings Ausstellung „Scoop“ wird am Freitag, 8. Februar, um 19 Uhr im Stadtmuseum, Marktplatz 1-3, eröffnet.

Christoph Kohl (Leiter Märkisches Museum Witten) und Dr. Daniel Spanke (Gustav Lübcke Museum Hamm) sprechen Gruß- und einführende Worte. Die Werke sind bis 24. März zu sehen (15-18 Uhr, außer Mo./Di.)

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