GESICHTER UND GESCHICHTE(N)

Er kämpft mit Hilfe von Spitzensportlern für die gute Sache

Viel gefragt: Immer wieder gebe es Anfragen von Vereinen oder Verbänden, ob er sie nicht als Sozialsponsor unterstützen könne, verrät Thomas Röthig im WAZ-Gespräch.

Viel gefragt: Immer wieder gebe es Anfragen von Vereinen oder Verbänden, ob er sie nicht als Sozialsponsor unterstützen könne, verrät Thomas Röthig im WAZ-Gespräch.

Foto: Svenja Hanusch / FUNKE Foto Services

Hattingen.   Thomas Röthig wollte Bürgermeister von Hattingen sein und einen Sessellift bauen. Mit Hilfe von Spitzensportlern sammelt er mehr als 27.000 Euro.

Bürgermeisterkandidat und Sozialsponsor, als solcher ist Thomas Röthig in Hattingen bekannt. Manche mögen ihn Visionär nennen, denkt man etwa an seine Seilbahn-Idee zwischen Isenburg und der Ruhr, andere sagen schlicht „bunter Vogel“. Er polarisiert und führt zusammen, er spricht gern und ist gerne im Gespräch – wegen der guten Sache: Rund 27.000 Euro sammelt Thomas Röthig für karitative Zwecke.

Die bislang letzte ist seine krö­nende A(u)ktion: 2777,77 Euro bringt das unterschriebene „Danke Kumpel“-Trikot des BVB-Stars und WM-Helden von 2014, Mario Götze, ein – „das ist phänomenal“, so Röthig in seiner ersten Reaktion. Die Summe ist für ihn ein Rekord, diesmal profitieren die Kinderpaten vom Verein Merlin.

Arbeit für die Ruhrkohle AG und Evonik

Doch beschäftigen wir uns mit Thomas Röthigs Geschichte von Anfang an: Geboren in Oberhausen kommt er als Kind mit seinen Eltern in die Winzermark. Er betont, wie schön die Zeit damals gewesen ist. „Mein Großvater hat dann mein Interesse für den Bergbau geweckt“, erinnert er sich. „Er war beteiligt am Aufbau des Schachts Franz Haniel, er war Betriebsleiter in Osterfeld, quasi Hüttendirektor unter Tage.“ Seine Schränke hätten Unmengen an Erinnerungsstücken gefüllt. „Und ich bin am Ende in seine Fußstapfen getreten“, sagt Röthig. ­„Wobei er immer der Techniker war und ich der Kaufmann.“ 34 Jahre lang arbeitet er bei der Ruhrkohle AG, später dann bei Evonik.

Sessellift zwischen der Ruhr und der Isenburg

In den Zeitungsschlagzeilen steht er zum ersten Mal im Jahr 1996. Weil er den Bekanntheitsgrad Hattingens überregional erhöhen will, schlägt er vor, einen Sessellift zwischen der Ruhr und der Isenburg pendeln zu lassen. Ministerpräsident Johannes Rau („Ich freue mich, dass Ihr Touristik-Projekt gut ankommt“) bittet seinen Wirtschaftsminister Wolfgang Clement, den Vorschlag zu prüfen; DFB-Trainer Erich Rutemöller, ein Freund Röthigs, unterstützt die Idee; mit der Fiege-Brauerei findet sich sogar ein potenzieller Sponsor. Das Projekt wird abgelehnt, doch Elan und Ideenreichtum sind geweckt.

Unabhängiger Kandidat die den Posten des Bürgermeisters in Hattingen

Thomas Röthig will 1999 Bürgermeister werden. Drückt dafür noch mal die Schulbank, sammelt mehr als 300 Stimmen (255 sind nötig), um als unabhängiger Kandidat antreten zu dürfen. Noch im Wahlkampf besucht er die französische Stadt Lens, in der während der Fußball-WM 1998 deutsche Hooligans den Polizisten Daniel Nivel angreifen und schwer verletzen. Röthig führt Gespräche über eine mögliche Städte-Partnerstadt mit Hattingen. „Ich bin wie ein König empfangen worden“, berichtet er anschließend.

Sowohl aus dem Bürgermeister Röthig (er bekommt beachtliche 5,2 Prozent der abgegebenen Stimmen), als auch aus der Zusammen­arbeit mit Frankreich wird nichts.

Nowotny-Trikot ist der Anfang seiner Versteigerungen

Bleibt das Sozialsponsoring. Angestoßen wird sein Engagement im Jahr 2000 durch einen WAZ-Bericht über das Emmy-Kruppke-Heim – und seinen Freund Erich Rutemöller, der beim Deutschen Fußball-Bund arbeitet. Vom letzten Länderspiel im alten Wembley-Stadion bringt der ein dreckverschmiertes Trikot von Jens Nowotny mit nach Hattingen, das schließlich 550 Euro für die Einrichtung in Welper erlöst. „Das Sozialsponsoring ist nie ein Selbstläufer, ich muss mich immer sehr darum kümmern“, sagt er. Er trifft Rudi Assauer, hat Kontakt zur Familie Nowitzki und andere Erlebnisse – das wiegt die Mühen auf.

Sein Anliegen: „Wir müssen die soziale Kultur auf einem akzeptablen Niveau halten.“ Röthig sieht künftig mehr und mehr bürgerschaftliches Engagement. „Wegen der klammen Haushalts­kassen müssen wir eine Welfare-Kultur schaffen.“

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